Spielberichte der Saison 2021 / 2022

Souveräner Heimsieg und Mega-Comeback im Tor – HSG macht Klassenerhalt perfekt

 

Zum 23. Spieltag empfing die HSG im heimischen Volksstadion den SV Prohner Wiek, mit dem man nach dem unglücklichen 2:2 im Hinspiel noch eine Rechnung offen hatte. Um die jetzige Begegnung erfolgreicher zu gestalten, stand Kootsch Schönfeld überraschend wieder Flügelflitzer Luka Luig zur Verfügung, der es nach seinem Abschiedsspiel vor drei Monaten wohl immer noch nicht lassen kann. Dafür fielen sämtliche Torhüter aus, sodass das Schweizer Taschenmesser Robert Hahn nach eineinhalbjähriger Abstinenz wieder zwischen die Pfosten rückte. Die Doppelspitze bildeten heute Boeck und Brinkmann, sodass eigentlich vor dem Anpfiff schon feststand, dass es ein torreiches Spiel werden musste.

 

Die erste Halbzeit sollte eine sehr interessante und kurzweilige werden. Beide Teams spielten mit offenem Visier und aggressivem Angriffspressing, sodass es in diesem Durchgang zu einer Vielzahl an Chancen auf beiden Seiten kommen sollte. Hier war es die HSG, die zuerst einen erfolgreichen Abschluss verbuchen konnte. Nach Zuckerflanke von Brinkmann stieg der Pariser Prachtbursche Schwunke am langen Pfosten zum Kopfball hoch und stellte erneut eindrucksvoll zur Schau, wieso sich Cristiano Ronaldo in den frühen 2000ern im Kissingenstadion zu Pankow bei ihm Tipps für eine bessere Sprungkraft geholt hatte. Unhaltbar köpfte Schwunke die Kugel ein, Keeper Brose war das erste Mal machtlos. Die Gäste ließen sich jedoch durch den frühen Rückstand nicht beirren und zogen weiter ihr Spiel auf. Vor allem nach Ecken wurde man gefährlich, konnte die Vorteile in den Luftzweikämpfen aber noch nicht in einen Treffer ummünzen. So musste ein langer Ball her, in dessen Folge weder Knobloch noch Uteß den Ball entscheidend klären konnten, sodass der legendäre K.A. zum Abschluss kommen konnte und eiskalt blieb. Somit stand es nach 23 Minuten nicht unverdient 1:1. Kurz zuvor hatte der Brinkmann Spezial, ein Pikenschuss durch die Beine des Torhüters, nach feiner Vorarbeit von Krebes, nicht funktioniert, da der Gästekeeper gerade noch die Beine zusammen bekommen hatte. Gastgeber und Auswärtsmannschaft zeigten sich offensiv spielfreudig und defensiv nachlässig, sodass auch in der restlichen Halbzeit Torchancen en masse folgen sollten. Aber beiden Teams fehlte die letzte Genauigkeit im Abschluss, so parierte Hahn mehrmals gegen die gelben Angreifer aus Prohn, während die Stürmer der Hansestädter teilweise das halbleere Tor nicht trafen.

 

So nahm Legende Brinkmann das Heft des Handelns wieder in die Hand, als er unwiderstehlich im Strafraum durch die Stelzen des Verteidigers hindurch abzog und die Knitte genau ins linke Eck hüppelte. Nur wenige Zeigerumdrehungen später erhöhte Sunnyboy Lenz, als Arne einen Abstoß in seinen Lauf verlängerte und er im 1-gegen-1 mit Brose cool einschob. Im teaminternen Torschützenranking schob er sich dadurch auch wieder an Martin Krüger vorbei, der extra nach seiner Arbeit in der Halbzeit auf dem E-Roller zum Platz geflitzt kam, um im zweiten Durchgang noch nachziehen zu können. Aber das letzte Wort in der ersten Hälfte war noch nicht gesprochen, kurz vor dem Abpfiff köpfte Ahlmeyer die gefühlte 15. Prohner Ecke aus wenigen Metern ein, nachdem die vorherigen Kopfbälle seiner Truppe immer vorbei gegangen waren. So ging es mit einem 3:2 für die Greifswalder in die Spielunterbrechung, wobei es nach Chancen auch schon locker 5:5 hätte stehen können.

In der 10-minütigen Pause appellierten Kootsch Schönfeld und Assi Henski an die Mannschaft, defensiv endlich die Zweikämpfe ordentlich anzunehmen, hier hatte man gegen die Nummer 10 und 9 desöfteren das Nachsehen gehabt. Außerdem wurde Brinkmann zur Vorsicht gemahnt, da dieser nach einem sehr harten Einsteigen in der ersten Halbzeit und der folgenden gelben Karte bereits kurz vor dem Platzverweis stand. Für ihn sollte daher in der 53. Minute Krüger eingewechselt werden.

 

Die folgenden 45 Minuten sollten nichts mehr von der Ausgeglichenheit der Vorherigen zu tun haben. Nachdem Prohn anfangs noch ein paar ungefährliche Abschlüsse verzeichnen konnte, kippte das Spiel immer mehr in Richtung der Heimmannschaft. Seinen Teil dazu bei trug Aaron Boeck, der acht Minuten nach Wiederanpfiff die Kugel mit 200 Km/h ins kurze Eck jagte. Der Wille der Gäste war nun gebrochen, zumal Krüger sieben Zeigerumdrehungen später nach Ballgewinn durch Schwunke auf 5:2 erhöhte und wieder mit Paetzold gleichzog. Anscheinend wird es ein spannendes Rennen um den erfolgreichsten HSG-Torjäger der diesjährigen Saison, und vermutlich hat die Mannschaft endlich wieder einen, wenn nicht sogar zwei Spieler, die zweistellig treffen werden. Das Spiel war nun entschieden, den Unikickern wurde geringe Gegenwehr geboten. In den letzten 30 Minuten gab es nur noch wenige Highlights, zwischendurch bewies Lenz mal seine feine Technik, als er aus dem Stand die Kugel aus 20 Metern ans Lattenkreuz schnippelte. Hahn erlebte im Tor einen sehr entspannten Restabend und musste in Halbzeit zwei nur einmal eine gefährliche Flanke abfangen. Kurz vor Schluss gab es nochmal Aufregung, als Winter-Neuzugang Knochen-Jochen Schade in bester Brinkmann-Manier den Gegner an der Mittellinie foulte, was Doppelgelb für ihn und Paetzold nach sich zog, da dieser zuvor den Gegenspieler von hinten umklammert hatte, als wollte er mit ihm die berühmte Titanic-Szene nachspielen wollen. Kurz darauf pfiff Schiedsrichter Klinkenberg, der das Spiel routiniert geleitet hatte, ab.

 

Jetzt kam aber nun der eigentliche Höhepunkt des Abends, HSG-Legende Helmut Manthey erhielt unter den Augen der Zuschauer, unter denen auch sein Sohn Martin weilte, der zur nächste Saison nach Greifswald zurückkehren wird, sein Geschenk anlässlich seines 60. Geburtstages und durfte sich über zahlreiche Präsente freuen. Anlässlich seines Jubiläums hatte er für die Mannschaft auch eine Kiste feinsten Edelstoffes mitgebracht, die später auf dem Parkplatz genüsslich geleert wurde.

 

Durch den Sieg rückt man nun auf zwei Punkte an Kröslin heran, die ihrerseits gegen den Tabellenzweiten Jarmen verloren. Außerdem ist der frühzeitige Klassenerhalt nun auch wirklich rechnerisch (notfalls Scheffler fragen) vier Spiele vor Saisonende unter Dach und Fach, welcher aufgrund von fünf Abstiegsplätzen und des zusätzlichen Relegationsplatzes durchaus hoch anzusehen ist. Am folgenden Spieltag empfängt man nun den FC Landhagen zum Derby, während Prohn nach Richtenberg muss.

 

 

HSG spielte mit: Hahn – Knobloch, Uteß (C), Scheffler – Luig, Würzner, Schwunke, Krebes (72. Schade) – Paetzold – Brinkmann (53. Krüger), Boeck (66. Struck)

 

Text: R. Hahn

HSG ringt Sturmvogel nieder – Erster Pflichtspielsieg im Jahr 2022

 

Nach drei Niederlagen in Folge sollte und musste für die HSG im Duell mit dem SV Sturmvogel Lubmin am 1. April endlich der erste Dreier eingefahren werden, um in der Tabelle nicht weiter abzurutschen. Der Gegner hatte aus den letzten beiden Spielen vier Punkte für den Kampf um den Klassenerhalt gesammelt. Durch das beginnende Semester hatte Kootsch Schönfeld endlich wieder ordentlich Spielermaterial zur Verfügung, nur auf seinen Assistenten Henski musste er verzichten. Nachdem man das Volksstadion kurzfristig in „Sandstrandstadion“ umbenannt hatte, begab man sich auf das Feld. Bei klirrender Kälte und starkem Wind pfiff Schiedsrichter Gebauer die Partie an, nachdem er R. Hahn das Tragen einer Mütze verwehrte, der das erste Mal seit 10 Jahren mit dieser Kopfbedeckung auflaufen und damit in die Fußstapfen von Stilvorbild Jarchow treten wollte, der an diesem Spieltag in Hamburg weilte.

 

Die Lubminer hatten sich gut auf die Begegnung vorbereitet und verfolgten einen klaren Plan: Man wollte tief stehen, gezielt pressen und nach Balleroberungen über die schnellen Außen schnell umschalten. Dies funktionierte vor allem in den ersten 20 Minuten sehr gut, der Gast kam zu aussichtsreichen Abschlüssen, stets fehlte aber die nötige Genauigkeit. Die Greifswalder hatten ungewohnt lange Ballbesitzphasen und versuchten über die Dreierkette aufzubauen, was allerdings selten in schnellem Tempo passierte. Selbst die vorbildlichen Rochaden von Scheffler und Brinkmann, die jeden Schachgroßmeister stolz gemacht hätten, konnten den Gegner nicht aus der Reserve locken. Die größte Chance für die Hansestädter vergab „Knobi“ Knobloch, als er nach schicker Schnippelflanke freistehend in Schlussmann Süssmuth seinen Meister fand. Das Duell wurde nun offener und sollte in der 34. Minute sein erstes Highlight erhalten, als Kassem einen Ball an der Mittellinie eroberte, von dort aus alleine auf das Gehäuse zumarschierte und die Knitte souverän im kurzen Eck unterbrachte. Der Trainer der Gäste merkte zwar an, dass die in grün gekleideten Kicker ja gar nicht wüssten, wie sie hier führen könnten, aber die Führung war keine unverdiente. Fußballerisch klappte zwar wenig, dafür nahm man wie schon in der vorherigen Woche den Kampf sehr gut an. Lubmin hatte noch vor der Pause die Doppelchance auf den Ausgleich, HSG-Keeper Sadik parierte einen Freistoß aber stark auf der Linie und hatte anschließend etwas Glück, als der Nachschuss aus wenigen Metern über seinen Kasten ging.

 

Kurz darauf bat Gebauer zur Teepause, welche er aber erstaunlich schnell wieder beendete und die Teams wieder auf den Platz bat. Offensichtlich hätte er auch wohl gerne einen Becher von Helmuts berühmtem Früchtetee genommen, der die Astralkörper der Gastgeber in der Halbzeit von innen wärmte. So ging es nun in den zweiten Durchgang, in dem es ziemlich ruppig werden sollte. Der Unparteiische zeigte hier insgesamt sieben gelbe Karten, fünf davon für die Uni-Kicker.

 

Kurz nach Wiederanpfiff ergab sich für Kassem die Chance auf den Doppelpack, als er nach Balleroberung von Fab-Jo Friedrich und Querpass von Satzel aber den Ball nicht an Süssmuth vorbeibringen konnte. Die Lubminer waren nun nicht mehr so gefährlich wie in der ersten Hälfte, wurden aber vom Tabellendritten auch durch einige Fouls daran gehindert. Beispielhaft dafür sei die gelbe Karte von Brinkmann erwähnt, der mit einer fast schon anmutigen Bewegung dem Gegenspieler das Bein stellte und dabei aussah, als würde er wie in seinen besten Mensazeiten das Tanzbein schwingen. Nach dieser Aktion einigte ein Gedanke kurzzeitig beide Mannschaften: „Typisch Brinkmann“. Aber auch fußballerisch sollte die Partie noch einiges zu bieten haben. Einen in den Rückraum geklärten Ball lupfte „AB4“ nach 67 gespielten Minuten herrlich auf den einlaufenden M. Hahn, der wie Kapitän Uteß nach Corona – Erkrankung sein Comeback feierte. Der offensive Zwilling legte mustergültig quer auf Satzel, der sich aber im Abseits wähnte und das Spielgerät wieder zurückschob, obwohl kein Pfiff zu hören gewesen war. Der etwas überraschte Hahn nahm die Kugel an, dribbelte noch kurz und schob gekonnt im linken Eck ein. Jedoch schien sein Bein nicht mehr den Bewegungsablauf eines erfolgreichen Torschusses zu kennen, sodass sein Oberschenkel dadurch etwas in Mitleidenschaft gezogen werden sollte. Somit hatten die Gastgeber in der Rückrunde erstmalig eine Führung ausgebaut.

 

Kurz darauf kam es zum skandalösen Mützen-Komplott von Greifswald, als Lubmin den Torwart wechseln musste und der neue Schlussmann mit einem solchen Ohrenwärmer auflief. Nachdem dieser Spielertausch lange nur den wenigsten aufgefallen war (selbst so mancher Gästespiele zeigte sich überrascht vom neuen Mann zwischen den Pfosten), wurde der Verrat schließlich allen offensichtlich. R. Hahns frierende Löffel witterten eine Verschwörung, hatte Gebauer ihm vor dem Spiel doch das Tragen eines solchen Accessoires noch verboten. Assistent Gernetzki hatte aber die Ausrüstung des Zweitkeepers abgenickt und so nahm das Spiel weiter seinen Lauf. Wenig später kam der Sturmvogel in der 75. Minute zum unverhofften Anschlusstreffer, als Sadik einen eigentlich schon gefangenen Ball wieder fallen ließ. Lars Kampf schnappte sich das Leder und lupfte es von der Sechzehnerkante auf das leere Gehäuse. Von der Unterkante der Latte prallte es auf die Linie und anschließend zu Krüger, der aus kurzer Distanz nur noch einnicken musste. Kurz vorher hatten die grünen Recken noch Abwehrspieler Scheffler verloren, dessen ohnehin schön lädierter Knöchel ihm nun vollends den Dienst verweigerte. Der Gast witterte nun wieder Hoffnung und wollte den Ausgleich erzwingen, musste aber nur fünf Zeigerumdrehungen später den nächsten Rückschlag verkraften, als der frisch aus Hamburg angereiste Paetzold nach kurzem Dribbling tatsächlich die Schusstaste fand und das Runde abgezockt im langen Eck unterbrachte. Mit seinem siebten Saisontreffer schob sich der Geographentischler wieder auf Platz 1 der teaminternen Rangliste vor Martin Krüger, der zwischendurch nach starker Einzelaktion das Tor verfehlte.

 

Doch wer nun mit der Vorentscheidung gerechnet hatte, lag falsch und die Schlussphase sollte noch einiges an Spannung bieten. Vorher feierte aber Max Brecht seine Rückkehr auf das Geläuf nach mehreren Monaten Abstinenz und zeigte mit seiner ersten Aktion gleich mal einen Karate-Tritt in bester Jackie-Chan-Manier, mit dem er den Gegenspieler an der Mittellinie umlegte. Vier Minuten vor Schluss kratze der gegnerische Linksaußen das Spielgerät noch von der Grundlinie und brachte eine Flanke in den Fünfer der Greifswalder. Diese wurde immer länger und senkte sich gefährlich Richtung langer Pfosten. Sadik versuchte zu klären, lenkte sich dabei aber den Ball unglücklich ins eigene Netz. Jetzt warfen die Gäste noch einmal alles nach vorne und drängten auf den späten Ausgleich. Tatsächlich gab es noch eine letzte Gelegenheit. Bei einem Freistoß eilte sogar Mützenmann Schultz aus seinem Tor mit in den Sechzehner der Hansestädter. Der hohe Ball flog in einen Pulk aus schätzungsweise 10 Spielern, von wo aus er auf das leere Tor zuhüppelte (Sadik war ebenfalls Teil des Knäuels). Aber Brinkmann bolzte die Kugel in den Nachthimmel und verhinderte den späten Ausgleich. Kurz darauf wurde das Spiel beendet und während die Lubminer schnell Trost in Bier und Zigarette suchten, feierten die Greifswalder ihren ersten Rückrundensieg.

 

Somit konnte man den Abwärtstrend der letzten Spiele stoppen und sich im Kampf um die Spitzenplätze vor Kröslin behaupten. Nach einer umkämpften Begegnung mit ungewöhnlich vielen gelben Karten stand am Ende ein durchaus verdienter Sieg, mit dem zwischen den beiden Mannschaften des heutigen Abends nun zehn Punkte liegen. Als nächstes geht es für die HSG zum ehemaligen Angstgegner Kandelin (Aussprache: Kong-de-long), gegen die man in dieser Spielzeit den ersten Sieg überhaupt einfahren konnte. Am 9. April duelliert man sich mit dem SV auf dessen Sportplatz. Lubmin empfängt als nächstes den formstarken Traktor aus Groß Kiesow, der zuletzt mit zwei Siegen im Abstiegsrennen Boden auf das rettende Ufer wiedergutmachte.

 

 

HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann, Scheffler (71, Krebes), R. Hahn – Knobloch, Friedrich, Uteß (C), M. Hahn (84. Brecht) – Krüger – Kassem (71. Paetzold), Satzel (88. Boeck)

 

Text: Robert Hahn

Harter Fight bleibt unbelohnt – HSG verliert durch spätes Tor im Spitzenspiel

 

Nach der enttäuschenden Leistung gegen die Zweitvertretung des TSV 1860 Stralsund waren die Hansestädter im Spitzenspiel gegen den SV Blau-Weiß 21 Jarmen auf Wiedergutmachung aus. Diesen empfing man am 25. März zum Flutlichtspiel im heimischen Volksstadion, hatte vorher aber (mal wieder) mit massiven Personalproblemen zu kämpfen. Deshalb unterstützte Roulette-Routinier Nico Tratz die Truppe und durch David Schefflers großes Opfer konnte ein Einsatz von Arvid Schmidt gerade noch abgewendet werden. Dennoch war die Verteidigung arg unterbesetzt, dass sogar Arne Brinkmann zurück in die Abwehr rutschen musste, wo er nun anstelle des feindlichen Tores die Beine der Angreifer ins Visier nehmen sollte. Vorher hatte er sich noch mit Kuchen versorgt, den er in der Kabine genüsslich verzehrte. Für ihn rückte Kassem nach abgelaufener Drei-Spiele-Sperre in den Sturm, der sich in den Testspielen in guter Form zeigte. Ebenfalls musste Fab-Jo Friedrich aka Lionel Wessi auf Linksaußen ran, da auch die Leute für die Flügel größtenteils ausgeflogen waren. Jarmen hatte in der Woche zuvor gegen den Spitzenreiter Wolgast verloren und es somit nicht geschafft, die Gastgeber von Platz 2 zu verdrängen. Diese wollten ihre Tabellenposition natürlich verteidigen, dafür war aber im Vergleich zum letzten Spiel eine deutliche Leistungssteigerung notwendig.

 

Und das Team sollte liefern. Defensiv warf man sich in die Zweikämpfe, zur Überraschung aller schaffte es sogar Kapitän Brinkmann, dabei größtenteils fair zu bleiben. Nach vier Minuten konnte man den ersten gefährlichen Abschluss verzeichnen, als Kassem am Jarmener Schlussmann Kriemann scheiterte. Sieben Zeigerumdrehungen war es dann Spielmacher Krüger, heute mit Dustin auf einer Doppelacht aufgestellt, der nach Querpass über das halbleere Tor schoss. Die Gäste versuchten offensiv die schnelle Stürmerreihe mit Steckpässen zu füttern, diese konnten in der Anfangsphase aber noch gut verteidigt werden. In Minute 17 schnippelte der erst kurz vor Anstoß eingetroffene Scheffler einen Freistoß von der Mittellinie in Amiri-Manier in den Sechzehner, Frankreichs Studentenfußballer des Jahres Dustin Schwunke lief gekonnt ein und verwerte die Traumflanke volley am chancenlosen Schlussmann vorbei. Eine verdiente Führung der HSG, die bisher eine starke Partie ablieferte. Wie in den zwei vorangegangenen Spielen ging man also auch heute in Front.

 

Doch der Treffer markierte einen Wendepunkt im Spiel, die Gastgeber ließen nun in allen Belangen etwas nach und brachten den ohnehin spielstarken Gast wieder mehr in die Begegnung. Eine erste Möglichkeit zum Ausgleich nach einer Ecke konnte Torwart Sadik noch kurz vor der Linie stoppen. In der 27. Minute brach ein Jarmener in klassischer Boeck-Manier auf rechts gegen mehrere Abwehrspieler durch, die Verteidiger wollten ein Foul vermeiden und gingen somit nicht vollends in die Zweikämpfe. Somit konnte er von der Grundlinie eine scharfe flache Flanke schlagen, die im Zweikampf von Brinkmann und Ben Herrmann genau zwischen kurzen Pfosten und Sadiks Schienbein abgefälscht wurde. Ein unnötiges Gegentor, das sich aber aufgrund der zunehmenden Nachlässigkeiten der Uni-Kicker etwas angedeutet hatte. Der Tabellennachbar hatte nun Blut geleckt und wollte das Spiel drehen. Gelegenheiten dazu erspielte er sich mehrfach, scheiterte jedoch stets an Schlussmann Sadik, der seine Farben vor einem Rückstand bewahrte. Doch auch er hatte das Nachsehen, als Stürmer Gutjahr sich nach klassicher Paartanz-Wrestlingaktion gegen Scheffler an der Seitenlinie in einem harten Zweikampf den Ball eroberte und in den Sechzehner eindrang. Mit einem Schuss aufs kurze Eck überraschte er den Greifswalder Torhüter, der nicht mehr entscheidend parieren konnte. Kurz vor der Halbzeit drehten die Angereisten also die Partie und führten somit auch zur Halbzeit nicht unverdient, die HSG hatte nach sehr gutem Beginn etwas nachgelassen und vor allem das Pressing funktionierte nicht so, wie man es sich vorgestellt hatte. Staubsauger Jarchow lief sich schon im ersten Durchgang die Hacken wund beim Versuch, die immer größer werdenden Löcher vor der Abwehr zu stopfen.

 

In der Halbzeit forderte Kootsch Schönfeld sein Team zu einem konzentrierteren Auftreten auf, ähnlich wie in der ersten Viertelstunde. Das Anlaufen sollte auch besser umgesetzt werden, umso zu frühen Ballgewinnen und Chancen zu kommen. Beide Teams wechselten noch nicht, Schiri Schittek-Kaap hatte am Abend wohl noch was vor und pfiff nach ungewöhnlich kurzer Unterbrechung die zweite Hälfte an.

 

Die Gastgeber steigerten sich nun wieder und kamen schon früh zu Ausgleichsmöglichkeiten. Die beste davon hatte Schwunke, als er nach Flanke von Rechtsaußen Jan „Knobi“ Knobloch am langen Pfosten den Ball aus wenigen Metern Torentfernung nicht in diesem unterbringen konnte. Nach 15 Minuten meldete sich auch Jarmen wieder offensiv an, als man nach einem Konter einmal mehr an Sadik scheiterte. In der 63. Minute blockte Krüger im gegnerischen Sechzehner einen versuchten Befreiungsschlag, dribbelte kurz nach innen und zog eiskalt ab. Sein Abschluss konnte von Kriemann nicht pariert werden, sodass die HSG den Spielstand verdientermaßen egalisieren konnte. Die Begegnung war jetzt wieder offen, beide Mannschaften wollten den Sieg und spielten offensiv. Richtige Abschlüsse ließen aber nun auf sich warten, der eingewechselte Satzel war an den beiden Aufregern dieser Phase direkt beteiligt. Einmal setzte er sich auf Höhe der Mittellinie durch und befand sich schon allein auf weiter Flur Richtung Tor, als der Unparteiische auf einmal von seiner großzügigen Linie abließ und hier doch recht kleinlich auf Stürmerfoul entschied. Später wurde the man former known as Horni im Strafraum etwas ungestüm von hinten umgecheckt, die in grün gekleideten Spieler forderten vehement Ölfer, der ihnen aber verwehrt wurde. Eine vertretbare Entscheidung, blickt man auf die bereits angesprochene lange Leine des Schiedsrichters.

 

Als alles bereits nach Unentschieden aussah, segelte ein langer Ball der Jarmener über die Verteidigung hinweg, aus dem Nichts war Gutjahr auf einmal frei durch, überlupfte den aus seinem Gehäuse stürmenden Sadik und hatte anschließend keine Mühe, den Ball aus wenigen Metern im Tor unterzubringen und die etwas überraschende Führung zu erzielen. Sadik reklamierte zwar lautstark auf Abseits, der Stürmer hätte nach ihm mehrere Meter in der verbotenen Zone gestanden. Dies bestätigten auch die beiden Fanlager. Doch alle Proteste waren vergebens und die Gäste feierten den späten Treffer. Die Hansestädter warfen jetzt nochmal alles nach vorne und kamen tatsächlich noch einmal zur Ausgleichschance, aber Kassem konnte das Duell mit Kriemann erneut nicht für sich entscheiden. Mit der letzten Aktion konterten die Gäste noch einmal und Gutjahr vergab den eigentlich sicheren Dreierpack, als er freistehend über das Tor schoss. Dies war die letzte Aktion des Spiels, welches Schittek-Kaap anschließend abpfiff.

 

Somit verlor die HSG auch das dritte Spiel im Jahr 2022, obwohl man sich leistungstechnisch wieder deutlich steigerte. Am Ende stand ähnlich wie gegen Wolgast trotzdem eine etwas unglückliche Niederlage. Auf beiden Seiten hatte es aussichtsreiche Möglichkeiten gegeben, die die Jarmener am Ende einen Tick besser zu wissen nutzen. Diese übernahmen durch diesen Sieg Platz 2 von ihren Gegnern, welche sich wiederum endgültig aus dem Titelrennen verabschieden und nun um die Champions-League-Plätze kämpfen. An der Spitze hat Wolgast nun bei zwei Partien mehr 14 Punkte Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten, welcher auch noch ein Spiel weniger als der Rest der Konkurrenz absolviert hat. Jarmen empfängt als nächstes am 2. April die SG Empor Richtenberg II, während die Gastgeber bereits am Abend vorher wieder ein Heimspiel unter Flutlicht austragen, diesesmal gegen den Sturmvogel aus Lubmin, der zurzeit auf dem Relegationsplatz weilt und im Hinspiel gegen die Hansestädtern ein Unentschieden erreichen konnte. Hier müssen die Gastgeber endlich wieder punkten, wenn man im Kampf um die internationalen Plätze nicht abrutschen will.

 

HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann (C), Scheffler, R. Hahn – Knobloch (81. Boeck), Krüger, Jarchow, Schwunke, Friedrich – Kassem, Tratz (67. Satzel)

 

Text: Robert Hahn  

Zweite Niederlage in Folge – HSG verliert nach ganz schwachem Auftritt in Stralsund

 

Da das angedachte Spiel gegen Empor Richtenberg am 12. März coronabedingt ausgefallen war, musste die HSG eine weitere Woche warten, um nach der ersten Saisonniederlage gegen Spitzenreiter Rot-Weiß Wolgast Wiedergutmachung betreiben zu können. Dafür reiste man schließlich am Samstag nach Stralsund, um sich dort mit der Zweitvertretung des TSV 1860 Stralsund zu messen.  Diese hatte man im Hinspiel in einer wilden Partie mit 4:3 schlagen können und hoffte auch nun auf den nächsten Dreier, um den Vorsprung auf Platz 1 nicht zu groß werden zu lassen. Dabei brachte der Platz die erste Überraschung mit sich, man spielte nämlich auf dem Kunstrasen des Stralsunder Hockey-Clubs, weshalb dieser sehr stumpf und kurz war. Die nächste Überraschung fand sich in der durchaus kleinen und daher kuscheligen Kabine, als plötzlich Ballermann-Held Aaron Boeck auftauchte, um die Mannschaft zu unterstützen. Zuletzt durften die Gäste sich auch über den Support von Altmeister Arvid von und zu Schmidt-Sommerfeld-Schönfeld freuen, der nach seinem vermutlichen Karriereende heute als Fans agierte. Aufgrund des Personalmangels nahmen auch die menschgewordene PR-Abteilung Peter Rüdiger und Neu-Assi Peter Henski auf der Bank Platz. Lenz Paetzold reiste weiterhin extra von seinem Praktikum in Hamburg an, um weiter auf Torejagd gehen zu können. Sein Sturmpartner war HSG-Legende Arne „Anne“ Brinkmann, der in der Vorbereitung mit drei Treffern glänzen konnte und nun auch im Pflichtspiel seine Torjägerqualität zeigen sollte, weiterhin gaben die Langzeitverletzten LN9 und Krebes auf der linken Şaide ihr Pflichtspiel-Comeback.

 

Auf dem ungewohnten Geläuf zeigte sich bereits in den ersten Minuten, was die Zuschauer die ganze Partie über sehen würden. Das Geschehnis glich eher einem Mittelalterspektakel als einem Fußballspiel, so viele Hau- und Stechgelage entwickelten sich überall auf dem Feld. Chancen waren dabei in der ersten Hälfte Mangelware, der Gastgeber konnte in dieser keinen einzigen gefährlichen Abschluss verzeichnen. Auch die HSG tat sich sichtlich schwer, überhaupt in ihr angedachtes Pressing zu finden. Fußball wurde auch relativ wenig gespielt, selten sah man die in den letzten Wochen deutlich sichtbare fußballerische Qualität der Mannschaft. Nach ein paar halbgaren Versuchen wurde man erstmalig in der 23. Minute so richtig gefährlich, als nach einem Ballgewinn von Froschfresser Schwunke der Ball von Robert Hahn tief auf Maddin Krüger gespielt wurde. Dieser entwischte der Verteidigung und schlug von rechts eine maßgeschneiderte Flanke auf den mitgelaufenen Paetzold, der aus wenigen Metern souverän einschädelte. Somit hatte sich die Reise für den Hobby-Tischler schon gelohnt. Die Führung kam ziemlich aus dem Nichts. Zwar war man die aktivere Mannschaft, das Tor markierte jedoch den ersten wirklichen Torschuss der Begegnung.

 

Toraktionen blieben danach auch weiterhin aus, die Gäste scheiterten entweder an unsauberen Bällen oder am Abseits. Stralsund blieb ungefährlich, weshalb Sadik im Tor der Greifswalder lange ungeprüft blieb. Nach einem ereignisarmen ersten Durchgang pfiff Schiedsrichter Jenßen zum Pausentee.

 

In der Pause forderte Kootsch Schönfeld von seinen Spielern, das Pressing nun besser umzusetzen und aggressiver anzulaufen, um so zu mehr Torchancen zu kommen. Beide Teams verzichteten noch auf Wechsel, die wenigen Zuschauer sollten in der zweiten Halbzeit aber ein paar mehr Highlights bestaunen dürfen.

 

Stralsund hatte die taktische Ausrichtung etwas geändert und attackierte nun früher. Die HSG hatte enorme Schwierigkeiten, sich nach Wiederanpfiff wieder auf Fußball zu konzentrieren. Bereits nach vier Zeigerumdrehungen segelte ein unnötiger Freistoß aus dem Halbfeld in den Sechzehner der Gäste, wurde einmal quergelegt und fiel Kevin Kindemann vor die Füße, der aus wenigen Metern trockener als der bespielte Platz einschob. Sadik reklamierte noch auf Abseits und war sich diesbezüglich auch nach dem Spiel hundertprozentig sicher, der Protest blieb aber erfolglos. Dieser Treffer sollte Auftakt zu wilden und den aufregendsten Minuten der Partie sein, die ansonsten weiterhin überschaubar bleiben sollte.

 

In der 56. Minute wurde Stralsund ein Freistoß in gefährlicher Position zugesprochen, den Kapitän Raik Ehnert sehenswert über die Mauer in den Winkel schnippelte. Sogar Sadiks Ganzkörperstreckung konnte den Einschlag nicht verhindern. Somit hatten die Gastgeber mit ihren ersten Schüssen das Spiel etwas überraschend gedreht, die HSG zeigte sich in diesen Anfangsminuten sehr zerfahren. Nur 180 Sekunden später konterte dann die Zweitvertretung in einer Drei-gegen-Zwei-Situation, Daniel Hartz erkannte aus der Entfernung, dass der gegnerische Schlussmann schlecht postiert war. Daher zog er kurz nach der Mittellinie ab, sein Schuss hüppelte tatsächlich an Sadik vorbei an den Innenpfosten und sprang von dort hinter die Linie. Das dritte Gegentor der Hansestädter innerhalb von neun Minuten. Stralsund zog sich nun vollends zurück, was dem Spiel der HSG aber keinen Aufwind gab, weiterhin zeigte man sich fehlerhaft und unkonzentriert, ein richtiger Spielfluss kam nie richtig auf, technisch lieferte man die wohl schlechteste Saisonleistung. Man konnte sogar von Glück sprechen, nicht noch das vierte Gegentor zu kassieren, als Comebacker Kometen-Krebes einen Schuss kurz vor dem Tor mit dem Kopf klärte und anschließend froh war, dass der herunterfallende Ball nur knapp hinter dem Kasten landete. Der Unparteiische mit seiner kleinlichen Linie nervte den Gast zusätzlich, nur zweimal wurde man ansatzweise gefährlich. Der eingewechselte Rüdiger steckte stark auf den durchstartenden Joker Boeck durch, dem kurz vor dem Abschluss aber die Kugel versprang, weshalb keine Gefahr für das Gehäuse von Biederstädt aufkam. Kurz vor Schluss zog Schwunke mit dem Rücken zum Tor über den Kopf ab, die Knitte kugelte jedoch am langen Pfosten vorbei. Ansonsten konnte man nur noch über ein paar Dribblings von HSG-Schlussmann Sadik staunen. Nachdem das Spiel abgepfiffen worden war, waren sich beide Teams in einem Punkt einig: Schön war die Partie nicht gewesen, in der die Gäste nach zuvor ölf ungeschlagenen Duellen bereits die zweite Saisonniederlage in Folge hinnehmen mussten. Während die erste in Wolgast noch unglücklich gewesen war, zeigte man eine in jeder Hinsicht enttäuschende Leistung und ging verdient als Verlierer vom Platz.

 

Somit konnte der Spitzenreiter seinen Vorsprung auf ölf Punkte bei einem Spiel mehr ausbauen, Jarmen hat im Nachholspiel die Chance, mit den Hansestädtern gleichzuziehen. Vorher kommt es aber zum direkten Duell zwischen dem Zweiten und dem Vierten der Landesklasse II, wenn man am 25. März unter Flutlicht im Volksstadion das ausgefallene Hinspiel nachholt. Dort müssen sich die Hansestädter definitiv mächtig steigern, wenn man wieder gewinnen will. Stralsund konnte durch den Sieg den Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf fünf Punkte aufbauen.

HSG spielte mit: Sadik – Hahn, Scheffler, Krebes – Knobloch (69. Henski), Schwunke, Jarchow, LN9 (82. Boeck) – Krüger (82. Rüdiger) – Brinkmann (C), Paetzold.

 

Text: R. Hahn

Erste Saisonniederlage – HSG unterliegt Wolgast im Spitzenspiel knapp

 

Am 5.3.22 startete die Rückrunde der Landesklasse II mit einem echten Kracher. Die beiden ungeschlagenen Spitzenteams aus Wolgast und Greifswald duellierten sich im Peene-Stadion um die Tabellenspitze, die Gastgeber befanden sich dort mit zwei Punkten Vorsprung auf die Hansestädter. Beide Mannschaften wussten um die Qualitäten des Gegners, im Hinspiel hatte man sich im strömenden Greifswalder Regen ein umkämpftes Match geliefert und sich 2:2 getrennt. Vor dem Spiel hatte Wolgast durch einen 6:1-Testspielsieg gegen den höherklassigen FC Insel Usedom aufhorchen lassen. Bei den Unikickern hatte es vor dem Spieltag (mal wieder) ein paar personelle Sorgen gegeben, so fehlte „Känguru“ Arne Brinkmann beispielsweise kurzfristig und auch der Einsatz von Kapitän Uteß war lange fraglich. Dafür kam der schon in Palermo gewähnte Luka Luig zurück, um nochmal mit seinen Teamkollegen auf dem Platz zu stehen. Der jungen und technisch versierten Truppe wollten Schönfelds Schützlinge mit Giftigkeit und gezieltem Pressing begegnen. Außerdem bediente sich der Kootsch eines taktischen Kniffes und ließ Schwunke und Friedrich die Positionen tauschen, womit Lionel Wessi auf die Zehn rückte, während sein Kollege auf die Sechs wanderte. Bei der HSG vollzog sich in der Kabine noch eine Veränderung von noch unbekanntem Ausmaß. Martin (Christian?) Uteß trat seine langjährige Nummer Zehn an Namensvetter Krüger ab, der darauf vermutlich seit seinem Vereinsbeitritt gegeiert hatte. Mit dieser Portion Extramotivation konnte das Spiel beginnen. Der Eintritt dafür war zwar mit drei Euronen etwas teuer, dafür durften sich die Zuschauer über frisch geputzte Toiletten freuen, was von den Ordnern lautstark verkündet wurde.

 

Vor dem Anpfiff wurde aber noch mit einer emotionalen Rede und Gedenkminute dem verstorbenen Günter Behl gedacht, der langjährig beim FC Rot-Weiß Wolgast tätig gewesen war. Nachdem diese abgehalten wurde, pfiff Björn Wudke die Partie vor voller Kulisse nebst sieben Auswärtsfans an, die alles bieten sollte, was man von einem (Landesklassen-)Topspiel erwarten konnte. Von Anfang an zeigten sich die Gäste in den Zweikämpfen hart, aber in den aller meisten Fällen fair. Manchmal übertrieb man es aber auch mit dem Einsatz, beispielsweise als Verteidiger Robert Hahn den gegnerischen Rechtsaußen wegsäbelte und dafür die gerechtfertigte gelbe Karte sah. Sein Gegenspieler wechselte kurz darauf ehrfürchtig die Seite. Das Heimteam schien mit dieser Härte nicht gerechnet zu haben und versuchte schon früh, durch schnelles Fallen und lautstarkes Reklamieren die unangenehmen Duelle zu umgehen. Lange Zeit geschah nichts Gefährliches vor den beiden Toren, die HSG versuchte sich in ungefährlichen Distanzschüssen und auch die Versuche der Gastgeber konnten Sadik nicht bedrohen. Beide Mannschaften zeigten eine konzentrierte Leistung mit wenigen Fehlern. Das situative Anlaufen der Hansestädter erzwang in der 30. Minute einen Einwurf, der im Sechzehner beim Neuzehner Krüger landete. Kälter als der wehende Wind schob er die Kugel in die lange Ecke zur Gästeführung, die mit der ersten echten Chance des Spiels den Treffer markierten. In der Jubeltraube verkündete der Wessias Pohlschröder schon lautstark seine Vorfreude auf die bevorstehende abendliche Bierpong-Runde im Hause des Torschützen, die ihm jedoch sehr zusetzen sollte und einen sonntäglichen Kater bescherte.

 

Kurz darauf verwehrte der Unparteiische den in grün gekleideten Spielern einen klaren Ölfmeter, als Linksaußen Hahn im feindlichen Sechzehner einen Ball wegpickte und anschließend klar am Fuß getroffen wurde. Das Scheppern war zwar bis an die Nordspitze der nahegelegenen Insel Usedom zu hören, reichte Wudke aber nicht für einen Strafstoß aus. Kurz darauf parierte Schlussmann König überragend einen Kopfball von Freizeitfranzose Dustin Schwunke, wirkte von seiner Glanztat aber genauso überrascht wie die Gäste. Ansonsten waren klare Chancen weiterhin Mangelware. Mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit kam es zu einem längeren Hau- und Stechgelage in der Greifswälder Hälfte, Mittelstürmer Banouas hatte davon genug und zog aus geschätzten 30 Metern aus dem Stand ab. Die Kugel flog und flatterte gefährlich Richtung Sadiks Gehäuse, die Gebete von Abwehrmann Hahn wurden nicht erhört und die Knitte schlug unhaltbar genau oben rechts ein. Ein wahrer Sonntagsschuss am Samstag, der in letzter Sekunde dem Heimteam den Ausgleich vor dem Pausenpfiff ermöglichte. Aufgrund der bis dahin ausgebliebenen guten Abschlüsse fiel dieser Treffer dann doch etwas aus dem Nichts.

 

In der Halbzeit beglückwünschten Schönfeld und Henski ihre Schützlinge zu einem starken ersten Durchgang. Die zweite Hälfte wollte man genauso bestreiten, um die Wolgaster weiterhin vom eigenen Tor fernzuhalten. Auf beiden Seiten gab es keine Wechsel und nachdem beide Teams draußen kurz auf die Unparteiischen gewartet hatten, ging es weiter.

 

Die zweiten 45 Minuten zeigten ein ähnliches Bild wie die ersten. Beide Mannschaften spielten gut strukturiert ihr Spiel runter, aber wie zuvor blieben gute Möglichkeiten auf weitere Buden aus. Wudke stand nun zweimal im Mittelpunkt, als er den Wolgastern jeweils einen möglichen Elfmeter verwehrte. Diese hatten auch die erste richtige Gelegenheit, als Sadik einen Schuss aus 20 Metern souverän zur Ecke lenken musste. Ansonsten wurde das Spiel immer ruppiger, da das Heimteam in den Zweikämpfen kräftig dagegenhielt. Von einem Chop-Block gegen Krüger bis harte Grätschen war alles dabei, nach einem Foul von Krüger am gegnerischen Verteidiger brach eine kurze Rudelbildung aus, die der Mann an der Pfeife aber gekonnt auflöste. Erneut wurden hier die Wolgaster Proteste an der Gangart der Greifswalder laut, obwohl die eigene sich davon kaum unterschied. Eine weitere Halbchance konnte Paetzold nicht nutzen, nachdem er anstatt raufzupieken zur Eckfahne abdribbelte und sich verzettelte.

 

Und so musste eine Verkettung von Fehlern der Hansestädter her, um dem Tabellenführer zu helfen. Ein Klärungsversuch von Fab-Jan Pohlschröder flog parallel zum eigenen Sechzehner, R. Hahn schickte sich an, diesen wie viele andere Bälle zuvor wegzubolzen. Auf dem sandreichen Kunstrasen prallte dieser aber anders ab, als er es berechnet hatte, weshalb es zu einem klassischen Schienbeinschleuderer kam. Damit schoss er den rot-weißen Angreifer ab, der die Kugel mitnehmen konnte und in den Strafraum eindrang. Uteß versuchte zu klären und erwischte dabei nur den Gegner, weshalb Wudke berechtigt auf Ölfer entschied. Die rote Karte, die er nach kurzer Beratung mit dem Linienrichter zeigte, war aber etwas überhart, da der Libero definitiv den Ball und nicht den Offensivmann treffen wollte. Nach dieser Doppelbestrafung trat Theelke an und schoss die Murmel knapp an Sadiks Gräten vorbei mittig ins Tor und somit sein Team in der 85. Minute in Führung.

 

Obwohl nun sogar in Überzahl, fokussierten sich die Heimspieler nun vollends darauf, die eigene Hälfte abzudichten. Somit fiel der Mann mehr also kaum auf, da die HSG nun alles nach vorne warf und in Person von Moritz Hahn und Fab-Jo Friedrich zu aussichtsreichen Abschlüssen kam, diese aber nicht bedrohlich aufs Tor bringen konnte. Schönfeld wechselte und brachte mit Satzel und Knobloch neue Offensivkräfte in die Partie. Wolgast schwächte sich kurz vor Schluss selber, als ein Spieler unnötig sowie überhart Krüger in der Greifswalder Hälfte umsenste und nach seiner zweiten gelben Karte vom Feld musste. Generell wurde es nun unruhiger auf beiden Seiten, unter anderem sah Sadik nach einer Schimpftirade in seiner Muttersprache die gelbe Karte. Einen Aufreger gab es noch, als Krüger im Strafraum der Gastgeber ölfmeterreif gefoult wurde, der Pfiff von Wudke aber erneut ausblieb. Dieser schien gefallen am Topspiel zu haben, sodass es gefühlte zehn Minuten Nachspielzeit gab, in der alle Versuche der Gäste auf einen späten Ausgleich aber vergebens blieben. Die Gastgeber kamen zwar zu Konterchancen, konnten diese aber auch nicht in einen weiteren Treffer ummünzen. So klärte der aufgerückte Sadik einen Schuss von der Mittellinie 40 Meter vor seinem Tor mit der ausgefahrenen Stelze. Für das Highlight sorgte aber Staubsauger Max „MaJa“ Jarchow, der im Strafraum auf dem Boden liegend sich wie ein Wurm wand, um mit allen erlaubten Mitteln das Gegentor zu verhindern. Der Kommentar des hobbymäßigen Hanseforschers: „Also es ist mir ein Rätsel, wie man den nicht machen konnte.“ Somit blieben weitere Tore aus. Schließlich beendete der Spielleiter die Partie, dessen Ende von einem Wolgaster Jubelrauch begleitet wurde.

 

Somit endete der Rückrundenauftakt für die HSG mit der ersten Saisonniederlage, die aufgrund des Spielverlaufes doch etwas ärgerlich war. Mit einem Unentschieden wären beide Seiten vermutlich gut bedient gewesen. Nach der Führung hätte man diese ausbauen können und musste durch ein Traumtor den etwas unvorhersehbaren Ausgleich hinnehmen. Beide Spielhälften waren von harten Zweikämpfen auf beiden Seiten geprägt, nach dem späten Führungstor schaffte man es weder in Unterzahl noch nach wiederhergestellter Gleichzahl der Spieler, den Spielstand zu egalisieren. Dennoch kann man sich nichts vorwerfen, man zeigte über 90 Minuten eine starke Leistung, die man leider nicht belohnen konnte. Wolgast enteilt somit auf fünf Punkte, die vielleicht schon eine Art Vorentscheidung im Meisterkampf sein könnten. Der rot-weiße FC reist am nächsten Spieltag zum abstiegsbedrohten Traktor nach Groß Kiesow, während die HSG die Zweitvertretung der SG Empor Richtenberg empfängt, die man im Hinspiel knapp mit 1:0 auf deren Geläuf schlagen konnte.

 

Zuletzt sei den Wolgaster Spielern, die sich im Spiel verletzten, gute Besserung und eine schnelle Genesung gewünscht!

 

HSG spielte mit: Sadik – Pohlschröder, Uteß (C), R. Hahn (90. Satzel) – Luig, Schwunke, Jarchow, M. Hahn (90. Knobloch) – Friedrich – Paetzold, Krüger (10!)

 

Text: R. Hahn

Kassem schnürt den Hattrick – HSG mit klarem Derbysieg im letzten Testspiel

 

Das dritte Vorbereitungsspiel der Hansestädter stand unter einem ganz besonderen Vorzeichen. Arvid Schmidt, langjähriger Veteran des Gegners HFC Greifswald und nach seinem Wechsel zum Stadtrivalen zuletzt für die HSG tätig gewesen, reiste aus seiner neuen Heimat Hamburg noch einmal zurück in die Hansestadt, um ein letztes Mal die Fußballschuhe zu schnüren. Nach ganzen neun Pflichtspielen gab es für ihn den norddeutschen Blumenstrauß, eine Flasche feinsten Pfeffis, für das Leben nach dem Fußball. Dass dieses Spiel von seinen letzten beiden Klubs ausgetragen wurde, machte die Sache umso schöner. Aber erneut kamen die Unikicker, die ungewohnt im eigentlich heimischen Volksstadion als Gäste antraten, nicht ohne kurzfristige Ausfälle aus. So fehlte Fab-Jan Pohlschröder krank, Robert Hahn wurde nach seiner Boosterimpfung der Sport untersagt. Dennoch standen viele Spieler dem Kootsch Schönfeld zur Verfügung, unter anderem Haudegen Peter Struck, der nach vielen Monaten der Verletzung erstmals wieder im Kader stand. Die Hengste versuchten bereits vor dem Spiel, dem Gegner das Personal abzuwerben, als sie sich beeindruckt von den fußballerischen Qualitäten der Mannschaftsfotografin der HSG zeigten und diese sofort verpflichten wollten. Nachdem die Ordner die standesgemäße Einhaltung der 2G-Plus-Regel überprüft hatten, eröffnete Schiedsrichter Tobias Groß die Partie.

 

Dem wissenden Beobachter fielen kurz nach Anstoß bereits die ersten ungewöhnlichen Umstände auf: So verteidigte Kapitän Uteß erstmals hinten rechts und lief auch nicht mit seiner sonst so heiß geliebten und vehement verteidigten Nummer Zehn auf, sondern überließ diese gütig Stümer Krüger, der mit Stolz geschwellter Brust ins Spiel ging. Dieses hatte sein erstes Highlight nach gerade einmal zwei Minute. Knobloch bediente Fab-Jo Friedrich im Sechzehner, der Lionel Wessi der Mannschaft nahm den Ball gut mit und bediente Stürmer Kassem am Ölferpunkt. Dieser schoss gegen die Laufrichtung vom HFC-Keeper Wodke, der nicht mehr entscheiden parieren konnte. Somit traf der Goalgetter auch im dritten Testspielen des Teams und sollte auch im weiteren Verlauf des Spiels mehrfach im Mittelpunkt stehen.

 

Nach diesem frühen Führungstreffer zeigte sich auch mehr und mehr die taktische Ausrichtung der Gäste. Anstatt des aggressiven Pressings der letzten beiden Spiele wartete man heute etwas mehr ab, um dann in den entscheidenden Momenten zuzuschlagen und den Gegner anzulaufen. Dies klappte auch recht gut, der Kontrahent fand kaum ins Spiel. Selber konnte man sich weitere gute Abschlusssituationen erspielen, zielte aber noch zu ungenau. Dann war es erneut Kassem, der in der 19. Minute nach guter Kombination eine wahre Pikefackel zündete und das Leder aus 20 Meter Torentfernung in die linke Ecke jagte, Wodke streckte sich vergebens. Nur zwei Zeigerumdrehungen später gab der Doppelpacker nun den Assist für M. Hahn, der heute statt im Sturmzentrum Links im Lauf auflief. Den Pass von der Grundlinie drückte er aus drei Metern ohne Probleme unter die Latte und erhöhte somit auf 3:0.

 

Wenig später gab es auch den ersten Schreckmoment für Keeper und Dribbelkönig Sadik, als nach einem geblockten Abschluss der gegnerische Stürmer aus 10 Metern das halbleere Tor nicht traf und daneben zielte. Kapitän Uteß forderte sofort klarere Sachen von seinem Team ein, das liefern sollte. So war es erneut Kassem, der nach feinem Pass von Krüger alleine vor Wodke auftauchte und diesen gekonnt überlupfte. Es war sein insgesamt fünfter Treffer in der Vorbereitung. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gab es noch die Chance, das Ergebnis weiter in die Höhe zu schrauben, als der Unparteiische auf Handelfmeter für die HSG entschied. Krüger schnappte sich selbstbewusst die Pille und platzierte sie nicht minder enthusiastisch mehrere Meter neben dem linken Pfosten. Vielleicht war es Mitleid, vielleicht war es Unvermögen, man weiß es nicht genau. Man muss dem Schützen jedoch zugutehalten, dass er auch vom eigenen Mann abgelenkt worden war – Kassem war so früh in den Sechszehner gestartet, dass er beim Schuss Krügers bereits neben ihm auftauchte – da hätte ich mich auch erschreckt. Anscheinend hatte er versucht, den Ölfmeter selber zu schießen, was im Nachhinein vielleicht auch die bessere Idee gewesen wäre. Kurz darauf endete der erste Durchgang mit einer klaren 4:0-Führung für die Unikicker, wobei der Vorsprung aber noch höher hätte ausfallen können. Fußballerisch überzeugten Gäste wie schon letzte Woche, der Kreisligist konnte das hohe Tempo teilweise nicht mitgehen.

 

Zur 2. Halbzeit wechselte Schönfeld, der heute ohne sein Co Henski auskommen musste, dreimal und brachte Brinkmann, Arvid von und zu Schmidt-Sommerfeld und Struck für Ammar, Jarchow und Knobloch in die Partie. Mit den Greifswalder Fußball-Urgesteinen auf dem Feld ging es nun in den zweiten Durchgang. Taktisch änderte sich bei der HSG nichts, man spielte weiterhin auf Tore und versuchte wie die letzten beiden Spielen, Brinkmann den Torerfolg zu verwehren. Doch wie in der vorherigen Begegnung fand #AB4 den Weg zum Tor, als er in der 52. Minute aus diesmal tatsächlich abseitsverdächtiger Position ins leere Tor abstaubte, nachdem Wodke einen Schuss von Krüger nach dessen Solo noch pariert hatte. Mal wieder versuchte die Bank, den Schiedsrichter durch Abseitsreklamation davon zu überzeugen, das Tor nicht gelten zu lassen, aber mal wieder scheiterte dieses Unterfangen. Brinkmann, von meiner Freundin unlängst das „Känguru“ getauft, schwang sich somit zum zweitbesten Torschützen der Vorbereitung auf.

 

Nur sechs Minuten später stockte er sein Trefferkonto um einen weiteren auf, nachdem M. Hahn einen Freistoß per Kopf quer legte. Während die restlichen 20 Feldspieler nur rumstanden, entschied Brinkmann das Sprintduell zum Ball mit Wodke für sich und legte die Knitte ins Netz. Jetzt verstummten selbst Trainer und Auswechselspieler, jeder fürchtete die kommenden Selbstlobpreisungen des einst knallharten Verteidigers, der auf einmal das Toreschießen für sich entdeckt hat.

 

Das 6:0 bedeutete aber auch einen Bruch im Spiel. Durch die deutliche Führung ließ die Spannung bei den Gästen sichtlich nach und der Gegner kam besser ins Spiel. Auch sein Pressing funktionierte immer besser und so war Keeper Sadik erneut zu seinen faszinierenden Dribblings gezwungen, um den Druck der Hengste zu entgehen. Dies löste er meistens mehr als souverän und die misslungenen Aktionen klärte er entweder selber oder er verließ sich auf die eigene Defensive. Zwischendurch begeisterte Struck die Bank, als er einen Kometen gekonnte mit dem Schienbein auf den Kopf eines Ponyspielers verlängerte, sodass Sadik den Ball in Ruhe aufnehmen konnte. Sein trockener Kommentar dazu: „War doch gut.“ Besser machte es kurz darauf R. Hahn, der am Rand stehend einen Befreiungsschlag der Abwehr gekonnt mit der Pike seiner rechten Lackrakete ansaugte.

 

Die Gastgeber kamen nur vermehrt zu Chancen, konnten diese aber nicht nutzen, da man entweder an Sadik oder sich selbst scheiterte. Auf der Gegenseite verpassten es aber auch die Unikicker, weitere Treffer zu erzielen. Einen schönen Schnippler von Kassem fischte Wodke stark aus dem Kreuzeck. Später schoss Krüger freistehend vor Wodke am Tor vorbei, neben ihm war Brinkmann vollkommen blank und jubelte innerlich wahrscheinlich über den anstehen Dreierpack, den ihn der Zehner aber verwehrte. Lieber vergab er jene Chance, als diese Katastrophe zuzulassen. In den letzten Minuten des Spiels gab es dann aber noch zwei Highlights:

 

Drei Minuten vor Schluss köpfte Zumkowski eine Ecke unbedrängt ein, womit die Hengste zu ihrem verdienten Ehrentreffer kamen, sehr zum Ärger von Kootsch Schönfeld. Den Höhepunkt fand das Spiel aber kurz vor dem Abpfiff, als Arvid Schmidt ein letztes Mal ausgewechselt wurde. In einer bedeutungsschwangeren und epischen Geste zog er sich die Fußballschuhe noch auf dem Platz aus, um unschuldig und elbengleich, die Füße nur mit Stutzen bekleidet, vom Feld zu schreiten. Innerlich suchte er nach dem symbolischen Nagel, an dem er jetzt die Töppen aufhängen konnte. Da er diesen nicht fand, bot er die Botten nach in dem Spiel in der Kabine feil. Nach über zehn Jahren Vereinsfußball in der Hansestadt und weiteren Stationen in Dersekow, Görmin und Gladbeck endete hier die Amateurkarriere des Mannes, dessen Liebe zum Fußball nur von seiner Begierde nach Gin Tonic übertroffen wurde. Kurz darauf beendete Tobias Groß dann das Testspiel-Derby.

 

Dieses gewann die HSG in einem überlegenen Spiel mit 6:1, der starke Auftritt wurde nur von einer etwas schwachen letzten halben Stunde inklusive Gegentor getrübt. Dabei brillierte Kassem mit einem Hattrick und krönte damit seine starke Vorbereitung. Auch Brinkmann erzielte sehr zum Leidwesen seines Teams zwei Tore. Nachdem glanzlosen Sieg gegen Dargun zeigten die Hansestädter sich vor allem fußballerisch auf gutem Niveau, nach der Partie gegen Neubrandenburg traute man sich im letzten Spiel auch vermehrt die Abschlüsse zu, die mit Toren entsprechen belohnt wurden. Auch das Pressing funktionierte in den Spielen meistens sehr gut, die Spielidee des Trainergespanns wurde gut umgesetzt.

Nach der unglücklichen Niederlage holte man sich hier Selbstvertrauen für den ersten Spieltag der Rückrunde, bei dem man am fünften März nach Wolgast reist, um sich im absoluten Spitzenspiel mit dem Tabellenführer zu messen, der zwei Punkte vor den Hansestädtern liegt. Mit einem Sieg kann man also wieder Primus der Liga werden, mit dem jungen und technisch beschlagenen Team wartet aber der stärkste Gegner der Spielklasse auf die Uni-Kicker.

 

Zum Schluss soll an dieser Stelle noch von Luka Luig verabschiedet werden, der leider kein angemessenes Lebewohl erhalten konnte. Vor allem durch seinen fulminanten Viererpack in der letzten Saison gegen Stralsund II hat er seinen Weg in die HSG-Datenbanken gefunden. Für ihn geht es nun nach Italien, wo er von nun an hoffentlich auch fußballerisch neue Kulturen entdeckt.

 

HSG spielte mit: Sadik – Uteß (C), Scheffler, Würzner – Knobloch, Friedrich, Jarchow, Hahn – Schwunke – Krüger (10!), Kassem; Struck, Brinkmann, Schmidt

 

Text: Robert Hahn


Bittere Niederlage – HSG unterliegt Neubrandenburg trotz guten Spieles knapp mit 2:3

 

Am 12. Februar empfing die HSG den SV Nordbräu 78 Neubrandenburg zum zweiten Testspiel vor der Rückrunde der Saison 2021/22. Nach dem 3:1-Sieg in der vorherigen Woche gegen Traktor Dargun sollte nun auch im zweiten Spiel gegen ein Team mit Bierbezug ein Sieg eingefahren werden. Der eigentliche geplante Gegner VFL Bergen 94 hatte die Reise aufs Festland unter der Woche absagen müssen, sodass man kurzfristig im Team aus dem Süden des Bundeslandes Ersatz gefunden hatte.  Die Gastgeber befanden sich auch in der Favoritenrolle, da der Gegner in der Landesklasse III zurzeit den sechsten Platz belegt. Einige erinnerten sich mit Schrecken an die letzte Begegnung der beiden Mannschaften, als Greifswald in die Vier-Tore-Stadt reiste und etliche Großchancen vergab, während die Neubrandenburger aus drei Schüssen zwei Tore machten. Vor der Partie musste die HSG erneut kurzfristige Ausfälle verkraften. So fiel der französische Austauschspieler Dustin Schwunke krankheitsbedingt aus, Keeper Reichel hatte sich im Training seine laut eigener Aussage überdurchschnittlich großen Muskeln in der Wade verletzt. Dafür gab Peter Rüdiger sein umjubeltes Comeback nach längerer Zeit, in der er vor allem hinter den Kulissen tätig war. Nun juckte es ihn aber wieder in den Füßen und die Aussicht, mit Arne Brinkmann aka #AB4 zusammen das Sturmduo bilden zu können, würde doch jeden zurück auf den Platz bewegen.

Um einen ähnlichen Spielverlauf wie aus jener letzten Begegnung zu verhindern, setzte die HSG noch stärker auf Pressing, um frühe Ballgewinne zu forcieren. Dies klappte in den ersten 15 Minuten auch sehr gut, jedoch schaffte man es nicht, die Angriffe dann gut auszuspielen. Öfters traf man die falschen Entscheidungen und verpasste somit richtige Chancen auf den Führungstreffer. Sinnbildlich dazu stand die Szene, in der Stürmer Moritz Hahn den Ball 25 Meter vor dem gegnerischen Kasten eroberte und eigentlich freie Bahn auf das Gehäuse hatte. Anstatt diesen Weg zu gehen, entschied er sich aber für den Querpass auf den zwei Meter neben und vor ihm stehenden Kassem, der deutlich im Abseits lauerte. Somit war auch diese gute Ausgangssituation dahin. Nichtsdestotrotz wussten die Gastgeber fußballerisch durchaus zu überzeugen. Stark wie nie lief der Ball durch die eigenen Reihen, und auch das aufkommende Neubrandenburger Pressing konnte man geschickt überspielen. Nur Sechser Fabio Friedrich aka Lionel Wessi hatte nach der durchzechten Nacht mit Kumpel Corni noch einen Knick in der Optik, sodass vor allem seine Pässe auf Verteidiger R. Hahn ungenau waren. Selber irritiert darüber entfuhr ihm ein lautes „WAAA?“, als die Knitte erneut nicht sein Ziel fand und im Aus landete.

Doch dann wurde ein Offensivmann der Gäste vor dem Strafraum von Sadik gefoult. Thomas Duggert trat an und schnippelte die Pille herrlich ins linke Kreuzeck, keine Chance für den fliegenden Heimtorwart, dem seine beachtliche Ganzkörperstreckung dieses Mal nicht helfen konnte. So stand es nach 20 Minuten aus Sicht der grünen Kicker unglücklich 0:1. Und nur zwei Minuten später kam Hoffmeister aus 20 Metern unbedrängt zum Abschluss, die hüppelnde Kugel schlug genau im linken Eck und damit unhaltbar ein. Innerhalb von zwei Minuten war der Spielverlauf komplett auf den Kopf gestellt, selbst manche Spieler konnten das Ergebnis nicht realisieren.

Die HSG versuchte, sich nicht davon beirren zu lassen und weiter ihr Spiel aufzuziehen. Dies gelang auch weiterhin ganz gut, nur die Abschlüsse ließen noch auf sich warten. M. Hahn entschied sich trotz bester Schussposition, erneut Sturmpartner Kassem zu bedienen, dessen Schuss vom Elferpunkt dann aber ungefährlich auf den Keeper kullerte. Auch eine feine Ablage von Satzel konnte Krebes mit seinem schwächeren Rechten in aussichtsreicher Position nur kläglich nutzen. Und so kam es, dass nach 33 Minuten auch der dritte Schuss der Gäste seinen Weg ins Tor fand, als Mike Winkel die Kugel vorbei an Sadik ins Tor schob. Zwölf Minuten später beendete dann der umsichtige Schiedsrichter Keves die erste Halbzeit, in die man mit einem unglücklichen und viel zu hohen 0:3-Rückstand gehen musste.

In der Halbzeitansprache waren sich Spieler und Trainer einig: In einem fußballerisch starken Spiel lag man zu Unrecht hinten. Mit der Ansage, dass das Ergebnis in einem Testspiel nicht ganz so wichtig wäre, forderten Kootsch Schönfeld und Neu-Assi Henski von ihrer Mannschaft mehr Schüsse und das Fortsetzten des offensiven Anlaufens. Dabei ließen sie sich auch nicht von einem kleinen Flitzer stören, der urplötzlich Abwehrrecke David Scheffler von hinten anfiel. Er regelte die Liebesattacke seiner Tochter aber souverän, sodass es mit insgesamt fünf Wechseln in die zweite Hälfte gehen konnte. So brachte Defensivspieler Jakob neue Würze ins Spiel und ersetzte Uteß im Zentrum des Abwehrverbundes. Flankiert wurde er nun von Krebes und Pohlschröder, die jeweils von ihren offensiven Außenbahnen eine Position nach hinten rückten. Die Flügelzange bildeten nun die neu in die Partie gekommenen Knobloch und Comebacker Luig. Vorne kam Brinkmann erneut als Stürmer zum Einsatz und ging anstelle von Satzel auf Torejagd, nachdem ihm letzte Woche sein Blitztor aberkannt worden war. Erneut hofften alle HSG-Spieler auf ein Fortbestehen der Flaute des Unikicker-Urgesteins.

Die ersten Highlights bot in der zweiten Halbzeit jedoch außerhalb des Platzes Routinier Scheffler, der sich erstaunlich beweglich mit Hilfe der Absperrstange verrenkte und anschließend eine Buchecker fand und sie R. Hahn als Snack anbot. Satzel bekräftige die Theorie Schefflers, dass die Bucheckern-Zeit doch längst rum wäre und fügte wissend hinzu, dass diese bereits im Oktober vergangen wäre. Ein Hoch auf den Klimawandel!

Nun konnte man die Blicke auch wieder auf das Feld werfen, wo die HSG weiterhin ihr Pressing durchzog und nun auch zu Abschlüssen kam. Die Nordbräuer zogen sich anfangs weit zurück und versuchten, die Führung zu verwalten. So entwickelten die Schönfeld-Schützlinge jetzt eine noch stärkere Dominanz als in Halbzeit eins. Schließlich bolzte Krebes in der 59. Minute einen seiner klassischen Kometen aus dem Strafraum nach vorne, ein Neubrandenburger schlug ein Luftloch und brachte somit Kassem ins Spiel, der von der Mittellinie in den gegnerischen Sechzehner marschieren konnte. Dort angekommen schlug er einen Haken, ließ einen Verteidiger stehen und einen weiteren ausrutschen und traf über Schlussmann Milbradt hinweg ins Tor und zum Anschluss für die Gastgeber. Man schöpfte jetzt neue Hoffnung, die Niederlage noch abwenden zu können und drängte auf den nächsten Treffer.

Dieser fiel auch ölf Zeigerumdrehungen später, als M. Hahn mit Brinkmann einen schönen Doppelpass spielte und von der Grundlinie das Leder in die Mitte schob. Aus einem chaotischen und unübersichtlichen Durcheinander pikte schließlich jemand oder einer den Ball durch die Beine vom Gästekeeper in die Kiste, jedoch kann man unmöglich sagen, wer schlussendlich das Tor erzielte. Brinkmann versuchte, durch energisches und frenetisches Jubeln den Treffer für sich zu beanspruchen. Da dies kein anderer tat, fiel Schiedsrichter Keves tatsächlich darauf rein und schrieb ihm den Treffer zu. Glasklare Schiebung, die die HSG-Bank durch vehementes Abseitsreklamieren noch zu verhindern versuchte. Aber es war zu spät. Resignierend nahm man den Torschützen zur Kenntnis, mit dem Wissen, die nächsten Wochen stundenlange Oden von Arne über Arne und sein Zaubertor hören zu müssen. Auch wenn bei Fußball.de Brinkmann als Torschütze steht, ist das jedoch keine vertrauenswürdige Angabe. Eher hat meine Schwiegermutter den Ball über die Linie gedrückt als #AB4.

Unmittelbar nach diesem Schockerlebnis tauschte Schönfeld wieder aus, alle Männer, die sich gerade auf der Bank befanden, kamen ins Spiel. So lief nun auch Peter Rüdiger auf und versuchte, der Partie in der Schlussphase seinen PR-Stempel aufzudrücken. Diese war wie generell die zweite Halbzeit von riskanten Soli von Sadik geprägt, der wieder und wieder mehrere feindliche Stürmer austanzte, um den Ball dann mit der Pike wegzudonnern. In den letzten 15 Minuten musste er auch zweimal in seiner eigentlichen Funktion eingreifen, einmal nach einem gescheiterten Dribbling und einmal, als ein Neubrandenburger Stürmer allein auf ihn zulief. Beide Situationen meisterte er jedoch gekonnt, sodass es bis zum Ende spannend blieb. Die Gastgeber versuchten alles, um noch den späten Ausgleich zu erzielen. Gefährliche Abschlüsse kamen aber kaum noch zustande. Einen Heber-/Flankenversuch von Brinkmann fing Milbradt problemlos ab. Mit der letzten Aktion kam Rüdiger nochmal in der gefährlichen Zone an den Ball und versuchte eine seiner gefürchteten Granaten. Diese wurde jedoch abgeblockt, den zur Seite rollenden Ball konnte R. Hahn erst spät kontrollieren und in den Rückraum geben, wo aber ebenfalls keine Gefahr mehr aufkam. Danach pfiff Schiri Keves die Begegnung ab.

Diese Partie verlor die HSG unnötig und unglücklich. Vor allem in der ersten Hälfte klappte das Pressing gut, es mangelte aber an guten Chancen. Den 0:3-Rückstand zur Pause konnte man schließlich mit zwei Treffern noch etwas eindämmen, aber nicht mehr ausgleichen. Fußballerisch hingegen kann die HSG sich wenig vorwerfen, zeigte sie doch eine gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit dominante und technisch ansehnliche Vorstellung. Im Anschluss freute man sich über gleich zwei Kästen Edelstoff, unter anderem wurde HSG-Nachwuchs gefeiert, allerdings blieb auch hier die Chancenverwertung mangelhaft und so konnte Brinkmann erneut abstauben.
Nächste Woche steht mit dem Derby gegen den Kreisligisten HFC Greifswald nun der letzte Test vor dem Rückrundenauftakt Anfang März an. Den Kontrahenten kennt man noch aus zahlreichen Landesklasse-Spielen, bevor sich die Ponys/Hengste freiwillig dazu entschieden, den Gang in die unterste Liga anzutreten. Man darf sich also auf eine hoffentlich interessante Begegnung freuen, in der Arvid Arvidsson wieder auf dem Rasen stehen wird.

HSG spielte mit: Sadik – R. Hahn (45. Knobloch), Uteß (C, 45. Würzner), Scheffler (45. Luig) – Pohlschröder, Friedrich, Jarchow, Krebes – M. Hahn – Satzel (45. Brinkmann), Kassem (70. Rüdiger)

 

Text: Robert Hahn


Erfolgreicher Restart - HSG schlägt zum Jahresauftakt den SV Traktor Dargun mit 3:1


Nach Monaten des Wartens und letzten Irritationen bezüglich der geltenden Hygiene-Regeln war es da: Das erste Testspiel der HSG Uni Greifswald nach der vor dem letzten Spieltag abgebrochenen Hinrunde der Landesklasse II. Man reiste nach Dargun, um sich mit dem ortsansässigen Kreisoberligisten zu messen. Dabei durchquerte man auch Demmin, über das Mittelfeld-Staubsauger Max Jarchow einiges zu berichten wusste. Laut ihm wohnten 187 Menschen pro Quadratmeter (das nenne ich effiziente Besiedlung) in der Hansestadt. Da die Mitgliedschaft der Stadt in jener Kaufmannsvereinigung nicht vielen bekannt sein dürfte, stellte der Medizinstudent folgende Frage auf, die ich auch in meiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit in Geschichte verwenden könnte: „Wann war die Hanse ist in Demmin?“ Seine Antwort: ca. 1250.

Nachdem die Mannschaft den Platz in Dargun gefunden und das Vereinsmotto an der Wand der Umkleidekabine #dieraupeimherzen mühevoll entziffert hatte, überbrachte Kootsch Schönfeld die nächste Schreckensnachricht: Nach den kurzfristigen Ausfällen von Kapitän Uteß und Dribbelkönig Paetzold würde Veteran Peter Henski in den Trainerstab aufrücken, weil ihm sein Körper den fußballerischen Dienst wohl langfristig verweigern würde. Die Taktik für das Spiel war auch schnell erklärt. Man wollte früh den Gegner unter Druck setzen, um so zu Ballgewinnen und Torchancen zu kommen. Mit dabei von der Partie war auch Debütant Mattis Schwarck, der erst einmal auf der Bank Platz nahm.


In der Anfangsphase der Begegnung fiel es den Gästen nicht schwer, die Lücken in der SVT-Defensive ausfindig zu machen. Bereits nach sieben Minuten schnippelte Verteidiger Hahn Linksaußen Krebes den Ball ansehnlich in den Lauf. Dieser drang auf dem mit übermäßig viel Granulat bedeckten Kunstrasen in den Sechzehner ein und legte zum heutigen Kapitän Krüger ab, der statt auf der angestammten Zehn im Sturm seine oft eingeforderten, aber selten gewährten Sonderrechte als Spielführer durchzusetzen versuchte. Vom Sechzehner zog er ab, und der leicht flatternde Ball zischte am Keeper vorbei ins Netz. Dieser frühe Treffer nach dem schönsten Spielzug des Spiels war natürlich ganz im Sinne der Uni-Kicker. Als Schiedsrichter Schoknecht die Begegnung wieder anpfiff, stürmten sie der Kugel nach dem Darguner Anstoß sofort wild hinterher. Nach einer Balleroberung von Krüger tief in der Hälfte der Heimmannschaft tauchte Kassem schließlich alleine im Strafraum auf und schob überlegt ein. Somit stand es nach neun Minuten bereits 2:0 für das Team aus der Landesklasse.

Wer jetzt mit einem startenden Offensivfeuerwerk rechnete, wurde aber enttäuscht. Stattdessen schlichen sich Fehler in das Aufbau- und Passspiel der Hansestädter ein, welche die in blau und gelb gekleideten Brauereistädter mit langen Bällen auf die schnellen Stürmer zu nutzen versuchten. Diese flogen ein paar Mal über die hochstehende Verteidigerlinie um Abwehrmann Scheffler hinweg, Torwart Sadik verhinderte aber mit gutem und offensivem Stellungsspiel aber des Öfteren Schlimmeres. Einmal parierte er einen wuchtigen Fernschuss mit einer schönen Parade. Auch die HSG kam noch zu einer guten Chance in Halbzeit eins. Nach feiner Ballmitnahme scheiterte Krebes aber am gegnerischen Schlussmann. Somit ging es mit einer 2:0-Führung für die Gäste in die Halbzeit.


In dieser hielt „Peti“ Henski seine erste Ansprache, die vor allem taktische Elemente enthielt. In der nächsten Spielhälfte wollte man wieder mit aggressivem Pressing starten, welches anschließend von einer defensiveren Variante abgelöst werden sollte. Zudem wechselte das neue Trainergespann dreimal. Schwarck kam zu seinem Debüt und löste Fab-Jo Friedrich auf der Sechs ab, außerdem ersetzte HSG-Urgestein „AB4“ Brinkmann unsere Nr. 9 Kassem im Sturm und „Pille“ Reichel stellte sich für Sadik ins Tor. Fab-Jan Pohlschröder und Jan Knobloch tauschten auf der rechten Seite die Positionen, sodass Erstgenannter nun im rechten Mittelfeld agierte, wo er eine überzeugende Leistung ablieferte. Das eigentliche Wunder lag aber hierbei darin, dass er es erstmals schaffte, sich nicht nach einer Viertelstunde zu verletzten und so sein erstes Spiel über die volle Distanz - oder wie unser Kootsch in einwandfreiem Französisch sagen würde: Dustins - absolvieren konnte. Während der ersten Halbzeit war bereits Satzel für eben erwähnten Schwunke in die Partie gekommen.

Der zweite Abschnitt war von vielen Chancen auf beiden Seiten geprägt. Bereits nach nicht einmal einer Minute staubte Brinkmann mit seinem ersten Ballkontakt eiskalt aus wenigen Metern zum vermeintlichen 3:0 ab. Und während sämtliche Spieler der Gäste sich schon ausmalten, wie der umgeschulte Verteidiger ihnen mit seinem Treffer wochenlang in den Ohren liegen würde, entschied Schoknecht zu dessen Unglauben auf Abseits. Ärger bei Brinkmann, Erleichterung beim Rest der Mannschaft. Die Gastgeber schienen sich ebenfalls einiges für die zweite Hälfte vorgenommen zu haben. So konnten sich die Greifswalder mehrfach beim sehr gut aufgelegten Schlussmann Reichel bedanken, dass die Darguner nicht frühzeitig den Anschluss erzielten. Mit seinen Paraden brachte dieser Tausendsassa die gegnerische Offensive nahezu zum Verzweifeln. Als eine Flanke jedoch von der rechten Seite in der 74. Minute vom durchaus kräftigen Seitenwind getragen über ihn ins Tor segelte, hatte auch er keine Chance mehr. Zuvor verpasste es die HSG, die Führung auszubauen. Mehrfach kam man in aussichtsreiche Abschlusspositionen, scheiterte aber entweder an sich, dem Gebälk oder dem Heimkeeper. So kam die Heimölf zum verdienten Anschlusstreffer.

Der Traktor war nun mit neuer Hoffnung auf den Ausgleich betankt, zumal weiterhin bei den Gästen das Toreschießen nicht mehr klappen wollte. Erst in Minute 84 hatten die vergebenen Chancen ein Ende, als Friedrich, mittlerweile durch einen Geniestreich von Henski auf Linksaußen verfrachtet, den zweiten(!) Pfostentreffer von Schwarck abgezockt zur erneuten Zwei-Tore-Führung verwandelte. Mit diesem Treffer war das Spiel dann entschieden. In der Schlussminute hatte Brinkmann nochmal den Torschrei auf den Lippen, aber seinen Traumkopfball nach Hebefigur mit Stürmerkollege Satzel fischte der Schlusstorwart sensationell aus dem Eck. In Brinkmanns Staunen hinein beendete der Unparteiische dann das Testspiel.


Diese erste Begegnung unter 2Gplus-Auflagen entschied die HSG mit 3:1 für sich. Nach einem guten Start sank im ersten Durchgang aber die Konzentration der Gäste, weshalb man den Faden im Spiel etwas verlor. In einer chancenreichen zweiten Hälfte nutzten beide Teams nur eine der vielen Möglichkeiten auf weitere Tore, wodurch am Ende das Ergebnis eben nicht auf 4:7 anschwoll. In der kommenden Woche kommt nun mit dem VFL Bergen ein echtes Schwergewicht ins Greifswalder Volksstadion. In der Landesliga belegt der Verein gerade den zweiten Platz hinter dem TSV Bützow, den die HSG in dieser Saison in einem packenden Fight mit 5:4 aus dem Pokal geworfen hatte. Beide Mannschaften sollten also voreinander gewarnt sein.


HSG spielte mit: 

Sadik (46. Reichel) – Pohlschröder, Scheffler, Hahn – Knobloch, Friedrich (46. Schwarck), Jarchow, Krebes – Schwunke (30. Satzel) – Kassem (46. Brinkmann), Krüger (C)


Text: Robert Hahn



Trotz 0:2-Führung: HSG lässt Punkte liegen

Später Doppelschlag des SV Prohner Wiek schubst die Greifswalder von der Tabellenspitze


Bereits vor dem Spiel gab es für die Uni-Kicker Grund zum Jubeln: Endlich waren die drei Punkte aus dem ausgefallenen Spiel gegen Völschow offiziell anerkannt worden, sodass man nun mit zwei Zählern Vorsprung die Tabelle anführte. Mit diesem guten Feeling im Gepäck (und dazu noch zwei Kisten Bier) fuhr man nach Prohn, um gegen die dort ansässigen Wiek-Fußballer die Punktejagd fortzusetzen. Dabei musste Kootsch Schönfeld die Flügelzange neu besetzen, da das gefürchtete Duo Petzold/Luig nicht mitreisen konnte. Ebenso nicht dabei war Wühlmaus Tratz, der sich nach seiner starken Partie gegen die Zweitvertretung des Grimmener SV ein paar wohlverdiente Tage Urlaub gönnte, sowie Sebastian Satzel. Für die vier Ausfälle rückten R. Hahn, Friedrich, Jarchow und Pohlschröder in die Startelf.


Auf tiefem Geläuf begann das Spiel ohne große Aufreger. Die HSG ließ den Ball in den eigenen Reihen rotieren, die Gastgeber ließen dies zu, solange das Spielgerät nicht in die eigene Hälfte gelangte. Vor allem über lange Bälle versuchten die Gäste ihr Glück, diese wurden jedoch zumeist vom großgewachsenen Innenverteidiger-Duo Hannemann/Wiemer entschärft. Eine Halbchance ergab sich für Brecht, der bereits in der 20. Minute für den verletzten Pohlschröder eingewechselt wurde. Sein Abschluss mit dem schwächeren Rechten war jedoch zu zentral. Die erste gefährliche Aktion gehörte den Prohnern: Schmalofski kam im Sechszehner nach einer Flanke aus dem Halbraum zum Kopfball, jedoch war Gäste-Keeper Sadik auf dem Posten. Dabei bedurfte es einer eindrucksvollen Ganzkörperstreckung, um das Ei noch um den Pfosten zu lenken. Kurz darauf umdribbelte M.Hahn nach einem Konter den aus seinem Tor herausgeeilten „Udo“ Zieske, sein Abschluss mit dem schwächeren linken Fuß konnte jedoch noch gerade so von der Linie gekratzt werden. Nach der anschließenden Ecke kam Brecht aus guter Position zum Kopfball, der den Torwart des Heimteams aber vor keine Probleme stellte.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde dann die Führung für die HSG: Eine Ecke von M. Hahn wurde erst aus dem Strafraum befördert, fiel dort jedoch Paul Panzer-Groupie Friedrich vor die Füße, der abzog. Noch leicht abgefälscht fand das Spielgerät seinen Weg in die Maschen. Somit der erste Treffer für den Mittelfeldmann im dritten Jahr im Trikot der Hansestädter – eine bessere Quote hatte Mario Gomez während seiner Bayern-Zeit auch kaum. Kurz vor dem Pausenpfiff ergab sich erneut eine Riesengelegenheit für Schmalofski, doch erneut fand er seinen Meister in Sadik, der clever den Winkel verkürzte und parieren konnte.


In Halbzeit zwei stand die Abwehr der Prohner tiefer, um sich nicht überspielen zu lassen. Diese Umstellung zeigte Wirkung, die Greifswalder brachten kaum mehr erfolgreiche Angriffe aufs Parkett. Ebenfalls wurde das Spiel nun ruppiger, und es gab einige Schubs-und-Grätsch-Aktionen auf beiden Seiten. Wieder dauerte es seine Zeit, bis der nächste Torschrei auf den Lippen lag, als Schmalofski nach über eine Stunde seine dritte Großchance des Tages nicht nutzen konnte. Aufgrund eines Abstimmungsproblems in der HSG-Abwehr kam er aus wenigen Metern zum Kopfball, verfehlte jedoch das bereits verwaiste Tor knapp. Die Hansestädter ließen ansonsten hinten wenig zu, vorne fehlte allerdings die Durchschlagskraft. So musste ein Patzer von Keeper Zieske her, um das 0:2 einzuleiten. Einen langen Ball ließ dieser fallen (nicht zum ersten Mal an diesem Tag), Joker Brecht hatte genau darauf spekuliert und sich die freiliegende Pille geschnappt. Sein raketenmäßiger Abschluss mit dem rechten Fuß, den er sonst in bester Arjen Robben-Manier nur zum Stehen benutzt, hüppelte an Freund und Feind vorbei und fand tatsächlich seinen Weg ins Netz – Die Vorentscheidung in der 79. Minute, so dachten zumindest viele.

Doch nur zwei Zeigerumdrehungen schlugen die SVler zurück, vorausgegangen war ein katastrophaler Bock von HSG-Kapitän Uteß. Sein versuchter Klärungsschlag wurde im eigenen Sechzehner geblockt, der Ball rollte perfekt zu Ahlmeyer, der den Anschluss markierte. Die Gastgeber durchfuhr deutlich spürbar die altbekannte ´zweite Luft`, während es den Gästen nicht mehr gelang, hochzufahren. Nur kurz darauf erzielte Ohm den vermeintlichen Ausgleich, jedoch hatte der Ball bei der dem Tor vorausgegangen Flanke deutlich die Auslinie überschritten, weswegen der Treffer unter starken Protesten der Heimmannschaft zurückgenommen wurde. Dies lag aber auch daran, dass diese dachte, Schiedsrichter Lieckfeldt und sein Gespann hätten auf Abseits entschieden. Vehement wurde reklamiert, dass das gar nicht sein könne, wenn die Kugel doch auf der Grundlinie lege.

Dadurch ließen sich die Prohner aber nicht aufhalten und markierten nur Augenblicke später den tatsächlichen Ausgleich. Kapitän Romansky schob nach kurzem Durcheinander überlegt aus 18 Metern ein. Danach zeigte der Unparteiische zwei Minuten Nachspielzeit an, die es nochmal in sich haben sollten. Direkt nach dem Wiederanpfiff ergab sich für Krüger die Chance auf den Siegtreffer, eine Bananenflanke Brechts in bester Kaltz-Manier verpasste er aber haarscharf. Mit der letzten Aktion wurde der HSG noch ein Freistoß aus exzellenter Position zugesprochen, diesen drosch Uteß jedoch in die Mauer. Unmittelbar danach beendete Lieckfeldt die Begegnung


Während sich die Prohner für die Aufholjagd belohnten und weiterhin zuhause ungeschlagen sind, verlieren die Greifswalder den Platz an der Sonne an Wolgast, denen in Völschow ein phänomenaler 0:9-Sieg gelang. Aufgrund der besseren Tordifferenz wechseln die beiden Spitzenteams somit ihre Positionen. Die HSG trifft nun am Sonntag im Derby auf Landhagen, die Wolgaster empfangen die SVler aus Kröslin, die mit einem Heimsieg gegen den Drittplatzierten aus Jarmen zuletzt für Aufsehen gesorgt haben. Prohn fährt auch am Sonntag nach Greifswald, um dort gegen Groß Kiesow zu spielen.


HSG spielte mit: Sadik – Pohlschröder (20. Brecht), Ute (C), Scheffler – Knobloch (60. Kassem), Schwunke, Jarchow, Friedrich, R. Hahn (78. Würzner) – Krüger, M. Hahn


Text: Moritz Hahn


Souveräner Sieg am Freitagabend

Greifswalder schlagen dank effizienter zweiter Halbzeit den Grimmener SV II mit 4:0


Die Rollenverteilung vor dem Auftakt in den 9. Spieltag schien eindeutig: Die Greifswalder grüßten von (fast) ganz oben, während die Grimmener Kicker auf Platz 10 standen, durch einen 8:2-Kantersieg gegen den SV Prohner Wiek am vorherigen Wochenende jedoch mit ordentlich Rückenwind in die Partie gehen konnten. Die Greifswalder hatten in Kröslin durch einen Last-Minute-Kopfballtreffer durch Raubein Schwunke – schon drei gelbe Karten in nur vier Einsätzen für die Hansestädter – 1:0 gesiegt und ihre Serie ohne Niederlage ausgebaut. Kootsch Schönfeld hatte seine Ölf nur marginal geändert: Krüger lief für Kabinen-DJ Friedrich auf – jener bevorzugte es, sich bei Paul Panzer einige Lacher und gegebenenfalls noch Mode-Tipps abzuholen. Dazu ersetzte Satzel Boeck im Sturm.


Die Gäste begannen zurückgezogen und mit langen Bällen agierend, was die Greifswalder mit hohem Anlaufen zu verhindern versuchten. Die Anfangsminuten gehörten den Hausherren, welchen es jedoch schwerfiel, die tiefstehende Defensive zu durchbrechen bzw. Angriffe zu Ende zu spielen. Chancen waren dementsprechend Mangelware. Der erste Abschluss aus aussichtsreicher Position ergab sich für M.Hahn, der nach einem langen Ball aus zwölf Metern zum Abschluss kam, den Ball jedoch danebensetze und somit einen Zuschauer Ballkontakte sammeln ließ, was von seinen Freunden lautstark gefeiert wurde. Die Gäste konnten Heimtorwart Sadik nicht in Bedrängnis bringen, den einzig richtigen Torschuss aus gefühlten 48 Metern fing er nach kurzer Darbietung seiner Tango -Hüfte souverän.

Mitte der ersten Halbzeit kam Grimmen besser ins Spiel, kombinierte sich hier und da gefällig durchs Mittelfeld, brenzlig wurde es trotzdem nur im Ansatz. In den letzten zehn Minuten forderten die Greifswalder zweimal zaghaft einen Elfmeterpfiff, zuerst war Lenz bei einem Abschluss klar gehalten, kurz darauf ´Horni Sep` Satzel im Sechszehner von den Beinen geholt worden. Die Pfeife vom Unparteiischen Wöllner blieb jedoch stumm. Kurz vor dem wortwörtlichen Pausentee – ein Vorteil an der kalten Jahreszeit: Helmut spendiert wieder sein berühmt-berüchtigtes Heißgetränk in der Halbzeit – dann die Riesenchance für die Gäste: Gau kam nach einem Konter komplett frei zum Kopfball, vergab aber aus wenigen Metern. 

So ging es mit einem 0:0 in die Pause.


Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts schien es, als käme die Zweitvertretung des Landesligisten besser ins Spiel. Abschlüsse aus der zweiten Reihe brachten Sadik jedoch nicht ins Schwitzen. In der 51. Minute dann die Führung für die Gastgeber: Nach einem hohen Ball konnte der Gästekeeper den Ball zunächst aus dem Strafraum fausten, dort suchte Wühlmaus Tratz den Abschluss. Diesen konnte der Schlussmann noch parieren, der Abpraller fiel jedoch Krüger vor die Füße, der sich nicht bitten ließ und aus wenigen Metern vollendete.

Nur 180 Sekunden später kam dann M. Hahn zu seinem ersten Saisontor und verdoppelte den Vorsprung der Hansestädter, als er einen Flugball aus der eigenen Hälfte von Kapitän Uteß mit dem Rücken zum Tor über den etwas zu weit vor seiner Hütte stehenden Keeper lupfte. Und wiederum etwas mehr als fünf Minuten später erhöhte Lulatsch Lenz – nach eigenen Aussagen misst er 1,96 Meter – per Kopf. Einen Freistoß aus dem Halbfeld hatte Uteß in den Strafraum geprügelt, die Nummer 16 der Greifswalder sich in die Luft geschraubt (mein Jugendtrainer würde sagen: „Da kannste ja kaum ein Löschblatt drunterlegen“) und per Kopf vollendet.

In der 70. Minute war es dann erneut der Bruder des Kootsches, der den Ball im Netz zappeln ließ. Joker R. Hahn hatte eine Ecke hoch in den Sechszehner geschaufelt, wo der Spielmacher zunächst das Spielgerät per Kopf auf den Keeper bugsierte. Dieser baggerte den Ball in die Luft, Krügers Nachschuss eierte quer durch den Fünfer und fand seinen Weg ins Tor. Zehn Zeigerumdrehungen vor dem Abpfiff drehte Uteß noch einen Freistoß von der linken Seite an die Latte. Pünktlich beendete dann der Schiedsrichter die Partie.


Mit dem ersten deutlichen Sieg der Saison (zuvor beendete man alle Spiele mit maximal einem Tor Vorsprung) bleibt die HSG auf der Sonnenseite der Tabelle, mit den drei Punkten im Sinn aus dem ausgefallenen Spiel gegen den Sturmvogel aus Völschow steht man nun an der Spitze. Die Gäste fallen durch die Niederlage auf den vorletzten Rang zurück und empfangen am nächsten Spieltag den Traktor aus Groß Kiesow. Die Greifswalder fahren als nächstes nach Prohn, um dort die Jagd nach Punkten fortzusetzen.


HSG spielte mit: Sadik – Knobloch (56. Pohlschröder), Uteß (C), Scheffler – Luig, Schwunke, Tratz, Paetzold (67. R. Hahn) – Krüger – M. Hahn (72. Boeck), Satzel


Text: Moritz Hahn



HSG springt an die Tabellenspitze

Greifswalder besiegen den „Fluch von Kandelin“ dank Doppelpacker Lenz und grüßen von der Spitze


Die Favoritenrolle schien vor dem Spiel recht deutlich verteilt: Während die Hansestädter nach je 2 Siegen und Unentschieden auf Platz 2 standen, rangierten die Gäste aus Kandelin – oder wie der Experte mit französischem Akzent sagt: „Kong-de-Long“ – im unteren Tabellenbereich, hatten aber durch den zuletzt eingefahrenen 6:0-Kanterieg gegen Prohn Selbstvertrauen getankt. Darüber hinaus durfte man die SVler mit Fug und Recht als Angstgegner der HSG-Kicker bezeichnen, gab es doch in bisher 11 Aufeinandertreffen in Pflicht- sowie Testspielen in den ersten 7 Begegnungen nur Niederlagen für die jetzigen Gastgeber, zuletzt konnten immerhin 2 Unentschieden aus 4 Spielen ergattert werden, einen Sieg für die Greifswalder gab es gegen den SVK aber noch nicht (Quelle: Fussball.de).

Kootsch Schönfeld hatte sich eine neue taktische Feinheit einfallen lassen, im Mittelfeld agierte man neuerdings mit einem klaren Sechser und davor zwei Achtern, auf den klassischen Zehner wurde verzichtet. Geburtstagskind (und Urlaubsrückkehrer) Krüger erhielt zudem ein besonderes Geschenk und durfte das Spiel auf der Bank beginnen, um dort den lieblichen Klängen des Bierschlürfens durch Interpret Peter Henski zu lauschen – ein Privatkonzert zum Ehrentag, ein schöneres Geschenk kann man sich kaum vorstellen.


Die Systemumstellung machte sich schnell bemerkbar, es fehlte die Verbindungsstelle zwischen Mittelfeld und Angriff. Die Kandeliner, wie erwartet robust in den Zweikämpfen und meistens mit langen Bällen agierend, zwangen den Gastgebern ihr Spiel auf, wodurch eine sehr chancenarme Partie entstand. Ernstzunehmende Abschlüsse waren Mangelware, ab und zu wurde das Leder aus der zweiten Reihe Richtung Tor gescheuert, wobei weder Sadik (HSG) noch Bahls (SVK) ihr volles Können zeigen mussten, um etwaige Einschläge zu verhindern. Beide Mannschaften neutralisierten sich lange zwischen den Strafräumen, Angriffe verpufften oftmals, da der (vor-)letzte Pass ausblieb oder zu ungenau war. Zudem gab es viele kleine Fouls, die Spielfluss nicht wirklich aufkommen ließen.

Nach etwa 30 Minuten erlangte die HSG leichte spielerische Vorteile, ließ nun den Ball etwas flüssiger zirkulieren und kombinierte sich hier und da Richtung gegnerischen 16er, ohne dabei jedoch zu großen Chancen zu kommen. Bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit passierte nichts wirklich Aufsehenerregendes, einzig das Auge des Kandeliner Kapitäns Meyer sorgte für Aufsehen: Nach einem unglücklichen Zweikampf schwoll die Gegend rund um den Sehapparat so dermaßen an, dass er kaum mehr sehen konnte und ausgewechselt werden musste. Erste Hilfe leistete auch Ticker-Gott Arvid von und zu Schönfeld-Schmidt-Sommerfeld, der einen Kühlakku beisteuerte. Gute Besserung an dieser Stelle nach Kandelin!

Gefährlich wurde es kurz vor der Pause noch für die Ordner und Verkäuferin am Einlass, als Spielführer Uteß einen Freistoß über den Fangzaun und gegen die Brinkmannsche Edelkarosse jagte – nur knapp kamen die Gelbwesten mit dem Leben davon. Und als sie sich kaum von diesem Schock erholt hatten, fiel dann der Führungstreffer für die Hausherren. Tratz hatte in seiner unnachahmlichen Art im 1:3-Dribbling einen Freistoß erzwungen, den Friedrich dann auf das Torwarteck setzte. Bahls konnte den Treffer noch verhindern, den Ball jedoch nur nach vorne abklatschen lassen, wo Lulatsch Lenz abstaubte. So gingen die Greifswalder mit einer Führung im Rücken in die Halbzeit.


Arne Brinkmann wusste die Anfangsphase des zweiten Spielabschnitts für sich zu nutzen: In der 54. Minute sah er für eine Grätsche an der Mittellinie zurecht die gelbe Karte. 5 Zeigerumdrehungen später dann schon der Platzverweis für Mister JAKO, als sein Gegenspieler clever den Kontakt im Mittelfeld annahm, den AB4 noch zu vermeiden versuchte. Eine vielleicht etwas überharte Entscheidung, das erste Foul nach der Verwarnung direkt mit der Ampelkarte zu bestrafen, aber eine vertretbare Entscheidung. Ein Fuchs, dieser Brinkmann, der jetzt drei fußballfreie Wochenenden hintereinander vor sich hat: Nächste Woche hat die HSG regulär spielfrei im Ligabetrieb, danach dann die Sperre gegen Völschow durch den eingehandelten Platzverweis gegen Kandelin. Im darauffolgenden Pokalspiel ist er durch eine gelb-rote Karte aus der letzten Runde ebenso gesperrt – nicht nur einen buschigen Schwanz haben, Fuchs muss man sein.

Nun in Unterzahl agierend zog sich die HSG zurück und konzentrierte sich darauf, die Führung zu halten. Durch einen Entlastungsangriff über die rechte Seite in der 74. Spielminute konnten die Gastgeber dann die Führung verdoppeln. Von der rechten Seite kam die Flanke auf den langen Pfosten, wo Lenz den Ball aus der Luft pflückte, 2 Gegenspieler mit locker-lässigen Lupfern ausspielte und anschließend das Spielgerät auf seinen einschussbereiten Fuß fallen ließ, von wo aus dieses durch die Beine des Torwartes über die Linie hüppelte.

Keine 10 Minuten später erfolgte dann die Antwort der Kandeliner, die durch Obuba den Anschluss erzielen konnten. Jener hatte zunächst vor allem auf dem Oberschenkel von HSG-Mittelfeldterrier Jarchow Eindruck hinterlassen. Nach einer Flanke von der linken Angriffsseite vollendete er artistisch und sehr ansehnlich per Seitfallzieh-Aufsetzer, vom Innenpfosten überquerte der Ball die Linie. Ordner, Fans und Platzwart waren sich einig: Keine Chance für den Torwart, dazu wurde ein Diskurs angeregt, ob ein Kopfball nicht die leichtere Variante gewesen wäre – so oder so, Kandelin war zurück im Spiel.

Zuvor und auch danach waren die lange Bällen relativ leichte Beute für die vielköpfige Abwehr der Greifswalder bzw. für Keeper Sadik, der scheinbar Kleber an den Händen hatte, so sicher fischte er die langen Eier aus der Luft. So brachte die HSG die Führung ohne die größte Not über die Zeit und sichert sich so den 2. Heimsieg der Saison.


So gibt es im 12. Aufeinandertreffen den ersten Dreier für die Hausherren, der „Fluch von Kandelin“ ist also gebrochen. Die Hansestadt grüßt nach 5 Spieltagen von Platz 1, wenn auch Helmut zurecht anmahnt, es sei weiterhin das oberste Ziel, auf oder über dem 7. Rang am Ende der Saison zu stehen. Kandelin liegt weiterhin im Keller der Tabelle auf Position 10. Der SVK erwartet nächste Woche den Traktor aus Groß Kiesow zum Duell der Tabellennachbarn (Stand: Vor den Sonntagsspielen des 5. Spieltages), die Greifswalder haben spielfrei und können die morschen Knochen hochlegen.

Ein besonderer Dank geht noch raus an die West-Verwandtschaft von Fabio Friedrich: Auch wenn sie ihn nicht zu seinem ersten Tor für die HSG motivieren konnten, so zeigten sie sich nichtsdestotrotz gönnerhaft und öffneten das Portemonnaie, 20€ gab es für die Mannschaftskasse – das nennt man wohl ein modernes West-Paket. Keine Sorge, wir werden die Spende sinnvoll zu investieren wissen.


HSG spielte mit: Sadik – Knobloch, Uteß (C), Brinkmann – Luig (85. Boeck), Friedrich, Jarchow, Schwunke (75. Würzner), Paetzold – Tratz, Satzel (79. Krüger)


Text: Moritz Hahn 


HSG nach sechs (Pokal-)Spieltagen weiter ungeschlagen


Der 4. Landesklassenspieltag führte die HSG Uni Greifswald am Samstag, dem 11.09.2021 in das nicht allzu weit entfernte Lubmin, dort wartete der SV Sturmvogel auf neuem Geläuf samt feiner Leichtathletik-Anlage auf die Chance, dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage hinzuzufügen. Das dies so kommen sollte wurde im Vorfeld durchaus im Bereich des Möglichen gesehen, da sich bis Donnerstag nur zehn(!) Spieler im HSG-Kader wiederfanden.

Die vielen Urlauber sowie einige Verletzungen (derlei drei nahm man aus der Pokalsensation gegen des TSV Bützow mit) sorgten also dafür, dass sogar die lebende Libero-Legende Lohmann kurz vor ihrem Comeback stand, allerdings zeigte auch Pille starken Einsatz und inkludierte das Spiel in seinen Familienurlaub, sodass man letztendlich mit 12 schlagkräftigen Mannen aufdribbeln konnte.

Auf der Hinfahrt wetteten der Kootsch Schönfeld und seine Stütze (oder eher Krücke) noch, wer die Tore für die HSG schießen würde, (fürs Protokoll: Kootsch tippt Pille, Krücke tippt Brecht per Kopf) und nach einer fixen Ansage sowie konzentrierten Erwärmung blies Schiri Kogina nach erfolgreicher Überprüfung der Spielerausrüstung zum Anpfiff.


Und schon ziemlich bald nach diesem ging es zur Sache: In Minute drei sah sich Brecht ob der laschen Stollenüberprüfung durch das Gespann dazu genötigt, selbst Hand oder besser Wange anzulegen und Biss nach einem Luftzweikampf in den Stollen des lubminischen Angreifers. Dieser schien ihm nicht besonders zu schmecken, denn sofort sammelte Zeugwart, Biertransporteur und Hebamme Schmidt seine ersten Meter auf dem Feld und durfte einen stattlichen Cut bei unserem 3er versorgen. Die kurzzeitige Unterzahl steckte die HSG locker weg, nicht ganz so locker gestaltete sich dafür in den ersten 30 Minuten das Spiel mit dem Ball. Es gelangen wenig Ballstaffetten, freie Mitspieler wurden nicht gefunden und die heute relativ neu formierte Mannschaft musste sich sichtlich erst einmal reinfinden in dieses Spiel. Auch Lubmin tat nicht unbedingt viel für die schöne Seite des Spiels, gelangte allerdings immer mal wieder und vor allem nach Standards in gefährliche Räume, ohne jedoch die Abschlüsse wesentlich bedrohlicher zu gestalten. Einzig ein schöner Seitfallzieher nach kurzer Ecke muss hier erwähnt werden, dieser wurde jedoch gewohnt abgeklärt von Keeper Sadik, der auch alle weiteren Möglichkeiten in Hälfte eins souverän bereinigte, an den Pfosten telepathiert. Im Anschluss dann zeigte sich die HSG endlich zielstrebiger und nach einem niedlichen 30-m-Hoppelschuss von Pille kam es zur ersten Großchance durch Liga-Debütant nr.1 Paetzold. Jener umkurvte nach feinem Steilpass von Friedrich den Keeper, traute dann jedoch seiner linken Stelze nicht ganz und rotierte, anstatt den Schuss aus spitzem Winkel zu versuchen, noch um ein bis drei weitere Verteidiger und vertändelte schließlich die Gelegenheit. Nach einer Ecke dann säbelte Debütant nr. 2 Schwunke im Rückraum einen Dropkick in die Fangzaunmaschen, nur vier Minuten später dann wurde Paetzold die abermalige Führungschance per Abseitsfahne vom Fuß weggenommen; nach filigranem Steckpass von Schwunke hob der SRA2 zum Leidwesen der HSG-Bank seinen rechten Arm samt Winkelement. Eine Minute vor dem Pausentee dann der nächste Aufreger: Nach gescheiterter Freistoßvariante von Kapitän Uteß legte Schwunke den Ball am Gegner vorbei und sich selber in die schöne Strafraumwiese, noch bevor allerdings der dann übliche Schrei kommen konnte, hatte der heute mit kurzer und konsequenter Leine agierende Chef auf dem Platz für Schwalbe befunden und den gelben Karton hübsch präsentiert. Somit ging es ohne Tore in die Pause, ein Zwischenstand, mit dem die HSG gut leben konnte, hatte man doch mit Ball noch einige Probleme, diesen gescheit laufen zu lassen sowie ohne Ball das ein ums andere Mal dem Gegner zu viel Raum bei der An- und Mitnahme gegeben.


Diese angesprochenen Verhaltensweisen wollte man in der zweiten Halbzeit verbessern, jedoch sahen sich die Uni-Kicker gleich mal einer kleinen Druckphase ausgesetzt. Die körperlich dominanten Sturmvögel konnten jedoch kein Kapital aus ihren Vorträgen schlagen, entweder flogen die Schüsse soweit neben das Tor, dass Sadik nun wirklich gar keine Chance hatte, den Ball zu halten, oder aber in seinen Handschuhen war Endstation. Und so setzte nach elf Minuten die HSG dann einen erfolgreichen Nadelstich: Nach einer guten Ecke von links (Friedrich) setzte Brecht zum Kopfball an und an der Seitenlinie frohlockte man schon ob der gewonnenen Wette, allerdings landete der Ball auf dem Fuß und einen ersten Schussversuch konnte der Heim-Keeper zunächst parieren, gegen das energische Gestocher des Linksverteidigers jedoch nichts mehr entgegensetzen und so stand es 0:1, mal wieder hatte man über einen Standard genetzt.

Das Tor sollte der HSG ein bisschen mehr Sicherheit geben und man war bemüht, direkt nachzulegen, allerdings stoppte die Nr.3 der Gäste ein aussichtsreiches Dribbling unserer Nr. 16 sehr unschön, in dem der Fuß von hinten ohne Chance auf den Ball den Schienbeinkopf suchte und auch fand. Das weithin hörbare Scheppern zog dunkelgelb nach sich und zum Glück schien die Aktion keine Folgeschäden nach sich zu ziehen, den fälligen Freistoß zirkelte Brecht dann äußerst knapp rechts am Gehäuse vorbei, und vertagte so eine mögliche Vorentscheidung.

Insgesamt wurde das Spiel nun etwas ruppiger (O-Ton Henski: „Giftigeeer“) und auch die Trainerbänke wollten irgendwie auf das Geschehen einwirken, mit positiven wie negativen Folgen, denn so wurde der Heimspielertrainer Kusch in der 71. Minute nach zu wildem Meckern verwarnt.

Kurz vor Beginn der Schlussphase sollte dann der Regen einsetzen und Keeper Sadik signalisierte, neues Schuhwerk zu benötigen, weswegen der Autor dieses Textes den verdienten 1:1-Ausgleichstreffer leider lediglich per Audiosignal aus der Kabine zur Kenntnis nahm.

Kusch hatte nun genug gesehen und wechselte sich selber ein, Schönfeld reagierte und warf Athmani (seit Kurzem auch als Doebler gefürchtet, herzlichsten Glückwunsch nochmal!) für den ausgelaugten Reichel ins Spiel und beide Mannschaften krampften sich dem Ende entgegen. In der Seestraße setzten die Grünen dem Sturm noch einmal alles entgegen und hatten auch Glück, dass die Heimmannschaft nicht konsequent abschloss. In der anderen Spielfeldhälfte kombinierte man noch vereinzelt gut, nur um sich dann meist einmal zu oft zu verdribbeln.

Und so blieb es schließlich bei einem leistungsgerechten Unentschieden in einem sicherlich nicht hochwertigen Spiel, aber anhand der fertigen Gesichter und dem Drang nach hopfenhaltigen Erfrischungsgetränken konnte man erahnen, dass jeder Spieler viel investiert hatte, gerade die Flügelzange Luig-Knobloch musste resümieren, den Fußballsport in den zurückliegenden 90 Minuten vor allem als Laufsport mit seltenem Ballkontakt erlebt zu haben.


Unter dem Strich bleibt die HSG mit acht Punkten nach vier Spieltagen wie auch der SV mit deren sechs Punkten ungeschlagen und über jenem Abstiegsstrich, der nach 24 Spielen hinter dem Siebt-/Achtplatzierten gezogen wird.

Schon kommenden Samstag lädt das Greifswalder Team dann um 14 Uhr den SV Kandelin aufs heimische Kunstrasenfeld ein, Lubmin begrüßt nur 24 Stunden später den Traktor aus Groß Kiesow.


HSG spielte mit: Sadik - Brinkmann, Uteß, Brecht - Friedrich, Henski - Knobloch, Schwunke, Luig - Reichel (83. Athmani) , Paetzold


Text: Christoph-Isaak Krebes



Hart erarbeiteter Auswärtssieg – HSG schlägt Zweitvertretung von Empor Richtenberg


Nach dem erkämpften Unentschieden gegen den FC Rot-Weiß Wolgast ging es für die HSG am Sonntag, dem 22. August zum zweiten Spieltag der Landesklasse II nach Richtenberg, wo man sich mit der Zweitvertretung der SG Empor duellieren sollte. Diese beendete die vergangene Corona-Saison auf dem ersten Platz der Kreisoberliga und war somit neu in die Landesklasse aufgestiegen. Zu diesem Spiel reisten die Uni-Kicker aus allen Winkeln Mecklenburg-Vorpommerns an. Steve Athmani kam aus Rostock, Robert Hahn reiste aus Toddin an und nahm unterwegs noch Maximilian Brecht aus Rövershagen mit. Kapitän Uteß und der Rest traten aus Greifswald und Umgebung die Reise an. Peter Henski, Starsechser der vergangenen beiden Spiele, kurierte sein in diesen Begegnungen stark lädiertes Knie mit freundlicher Unterstützung von Peter Struck auf dem Pangea-Festival aus. Diese Kuranstalt muss demnächst vielleicht auch Moritz Hahn besuchen, der kurzfristig mit Oberschenkelproblemen ausfiel. Kootsch Schönfeld wollte von seiner Truppe erneut den Einsatz und den Kampf sehen, welche den erfolgreichen Saisonstart ermöglicht hatten.

Erste Highlights setzte vorab schon der Stadionsprecher mit dem korrekten Vorlesen der Aufstellung nebst feierlicher Einlaufmusik.

Ammar Kassem kam nach überstandener Muskelverletzung zu seinem Startelfcomeback. Ein Fragezeichen stand vor der Partie noch vor dem Einsatz von Arne Brinkmann, der sich mit einem kaputten Zeh rumschlug (mehr Details siehe vorangegangene Spielberichte). Die HSG-Legende konnte aber starten und bestand den ersten Belastungsversuch nach wenigen Minuten souverän, als es im Zweikampf mit dem Richtenberger Oliver Kohls das erste Mal schepperte. Beide Spieler blieben liegen, aber im Gegensatz zum Gegner konnte Brinkmann weiterspielen. Sein Kontrahent musste in jener siebten Spielminute ausgewechselt werden, der Gästeverteidiger jedoch malochte nach dem Motto „Was schon kaputt ist, kann nicht mehr kaputt gehen“ weiter über das Feld. Die Hansestädter taten sich von Anfang an mit dem Rasenplatz schwer, den sie ziemlich stumpf und teilweise löchrig vorfanden. Das angestrebte Kurzpassspiel wurde damit entscheidend gestört, sodass kaum gute Kombinationen entstanden. Die Heimmannschaft, die sich mit dem Geläuf etwas besser auskannte, umging das Risiko von hüppelnden flachen Anspielen, indem sie ihr Spiel größtenteils über lange Bälle aufzog. Eine erste gefährliche Situation konnte vom Generationenduo Brinkmann/Hahn mit vereinten Kräften geklärt werden. Später war auch Schlussmann Sadik das erste Mal gefordert, als er nach einem weiteren langen Ball stark im 1-gegen-1 die Null hielt. Von den Gästen kam offensiv in der ersten Hälfte ziemlich wenig, neben dem Feld beeinflusste auch die Hektik das eigene Spiel, wodurch der Spielfluss deutlich gehemmt wurde. Kapitän Uteß erfreute sich derweil eines klassischen Manndeckers, der getreu dem Motto „und du folgst ihm bis zur Toilette und zurück“ agierte. Somit musste die HSG in der Mitte vermehrt über Tratz nach vorne stoßen, und genau so kam es auch zur einzigen nennenswerten Chance für die Uni-Kicker in der ersten Hälfte: nach einem starken Solo - der mehrfach angewandte Trick wird wahlweise Roulette, Zidane oder Süle genannt - durch das Mittelfeld verfehlte Tratz mit einem Schuss aus der Distanz nur knapp das Gehäuse von Heimkeeper Lenker. Vier Minuten vor der Halbzeit mussten die Gastgeber dann bereits das nächste Mal wechseln, auch Stephan Lang musste angeschlagen runter, nachdem er von R. Hahn einen Pferdekuss abbekommen hatte. Mit einem 0:0 ging es anschließend in die Pause.

Die HSG zeigte eine fußballerisch eher unterdurchschnittliche erste Halbzeit. Da die Gastgeber relativ tief standen, fanden sich im Spielaufbau wenig Lücken. Dies veranlasste Abwehrchef Schmidt zu wilden Armbewegungen, die aussahen, als würde er sich zu Peter Henski in den Club der etwas älteren Enten gesellen wollen. Das Pressing, welches von Schönfeld angeordnet wurde, wurde wenig bis gar nicht umgesetzt und blieb daher wirkungslos. Vielmehr riskierte man durch das unkoordinierte Anlaufen eher, in einen gegnerischen Konter zu laufen. Der Wille und der Einsatz waren zwar noch gar nicht auf dem Niveau der vorherigen Spiele, aber dennoch der größte Faktor im Spiel des angereisten Teams.

Die zweite Spielhälfte begann mit etwas angepasster taktischer Ausrichtung, ähnlich wie Richtenberg sollten es nun lange Bälle für die HSG richten, da man bei Kassem Geschwindigkeitsvorteile im Vergleich zu seinem Gegenspieler erkannt hatte. Das Aufbauspiel klappte nun besser, da man es schaffte, mit mehr Ruhe den Ball zu verteilen. Chancen konnte man sich jedoch weiterhin nicht herausspielen, nur nach einem weiteren Distanzschuss von Tratz kam einmal Gefahr auf. Die besseren Möglichkeiten hatte weiterhin der Gastgeber, der ein weiteres Mal Sadik im 1-gegen-1 prüfte und erneut am starken Schlussmann scheiterte.

Nach einem hohen Ball von der linken Seite durch Hahn segelte Linksaußen Krebes nur knapp an dieser Flanke vorbei.

In der 65. Minute tauschten die Gäste das erste Mal, Maximilian Brecht ersetzte Brinkmann und seinen arg gebeutelten Zeh. Ersterer zeigte nach seiner Hereinnahme eine gute Leistung auf der linken Abwehr-Şeide. Sieben Zeigerumdrehungen später nahm sich Verteidiger Hahn ein Vorbild am sagenumwobenen Kometen-Krebes, mutierte zum Raketen-Robert und scheuerte die Kugel aus dem Mittelfeld hoch in den gegnerischen Sechzehner. Krebes versuchte, die Pille zu erwischen. Bei seinem eigentlich erfolglosen Versuch schaffte er es jedoch, Torhüter Lenker entscheiden zu irritieren, der sich auf Höhe seines Fünfmeterraumes befand. Zwischen diesen beiden trumpfte das Spielgerät auf und flog Richtung Grundlinie. Kassem schaltete am schnellsten und köpfte den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor. In gefühlter Zeitlupe flog die Knitte Richtung Tor und Lenker dem Leder hinterher. Er erreichte es zwar, jedoch nicht mehr rechtzeitig und konnte die Kugel nur noch weiter in sein Tor hineinpatschen, wodurch die HSG etwas aus dem Nichts in Führung lag. Nach anschließendem Ronaldo-Jubel und einer kurzen Irritation seitens des Offiziellengespanns um Schiedsrichter Daniel Rühling, der den Treffer zuerst Tratz gutschreiben wollte, begann die Schlussphase der Partie.

In dieser legten die Gäste in Bezug auf den Einsatz noch einmal eine Schippe drauf und taten alles dafür, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen oder besser die Vorentscheidung herbeizuführen. Durch die nun aufrückenden Richtenberger ergaben sich weitere Chancen für die Gäste. Erst schoss Krebes aus aussichtsreicher Position genau auf den Keeper, später vergab Satzel eine sehr aussichtsreiche Gelegenheit, als er nach der besten Kombination des Tages die Kugel knapp über das Tor setzte. Das Heimteam konnte dem Tor von Sadik nicht mehr richtig gefährlich werden. Einmal gab es noch Aufregung, als im Strafraum der Uni-Kicker ein Gegner zu Boden ging. Doch der Unparteiische entschied zurecht nicht auf Elfmeter, ein strafwürdiger Kontakt hatte nicht vorgelegen. In der 85. Minute kam mit Steve Athmani der zweite und zeitgleich letzte Joker von Schönfeld ins Spiel und sollte dabei helfen, das Ergebnis zu sichern. Dies tat er auch durchaus geschickt, als er kurz vor Schluss aus 15 Metern Abseits ins Spiel eingriff, was logischerweise zurückgepfiffen wurde. Somit hatte er überaus clever wichtige Sekunden für sein Team herausgeholt. Für ein weiteres Highlight sorgte Schmidt, als er einen langen Ball geschickt sowie aus Versehen durch die eigenen Beine passieren ließ, um Hahn das Spotlight für den geklärten Ball zu überlassen. Wenig später beendete Rühling schließlich und endlich die Partie. Und während Hahn seine Freude in die Richtenberger Feld- und Seenlandschaft hinausschrie, wirkte der Rest eher so, als hätte er gerade die Lieblingsoma Hildegard zu Grabe getragen. Dies lag aber an der das Team umfassenden Erschöpfung nach einem durchaus kräftezehrenden Spiel.

Die HSG sicherte sich im zweiten Saisonspiel den ersten Sieg und schaffte es, sowohl hinten die Null zu halten als auch auswärts zu gewinnen. Beides war dem Team in den vergangenen Spielzeiten durchaus schwergefallen. In einem fußballerisch schwachen Spiel entschied am Ende neben Keeper Sadik auch eine kleine Portion Glück die Begegnung. Bezogen auf den Willen zeigte man sich vor allem nach dem Führungstreffer wieder auf dem Level der zwei vorherigen Begegnungen. Durch den Sieg klettert die HSG auf Rang Vier der Landesklasse und hat wie Völschow und Lubmin nun vier Punkte auf dem Konto. Am nächsten Spieltag empfängt man am Freitag, dem 27. August nun den aktuellen Spitzenreiter, die zweite Mannschaft des TSV 1860 Stralsund. Als einziges Team war es jener Mannschaft gelungen, die ersten beiden Spiele zu gewinnen. Richtenberg begibt sich zwei Tage später nach Groß Kiesow, um sich mit der ortsansässigen SG Traktor zu messen.


HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann (65. Brecht), Schmidt, Hahn – Knobloch, Uteß, Tratz, Krebes – Satzel – Kassem, Boeck (85. Athmani)


Text: Robert Hahn



Unentschieden zum Auftakt – HSG erkämpft sich Punkt gegen Wolgast


Am Freitag, dem 13. August war es angerichtet: Nach einer viel zu langen Zwangspause durch Corona begann für die HSG Uni Greifswald endlich wieder der Ligabetrieb im heimischen Volksstadion. Die Vorbereitung konnte man durchaus erfolgreich nutzen, um sich für dieses Spiel zu präparieren. Nun ging es gegen den FC Rot-Weiß Wolgast, der in einer Umfrage des Sportbuzzers kürzlich zum Staffelfavoriten gewählt wurde (die HSG folgte übrigens auf Platz 2, man konnte also von einem theoretischen „Spitzenspiel“ sprechen). Robert Hahn vermutete bei Ankunft des Gegners vorschnell, dieser würde heute mit der B-Jugend antreten. Tatsächlich zeigten sich die Auswärtsmannen mit vielen jungen, hochmotivierten Spielern, Trainer Lanske schätzte den Altersdurchschnitt auf kaum älter als 20 Jahre, jung und spritzig also. Kootsch Schönfeld schwor seine Truppe auf diese schwere Prüfung ein und wollte vor allem an die körperliche Präsenz des Pokalerfolges gegen Kröslin anknüpfen. Weiterhin wurde vor Anpfiff noch der neue Kapitän der pfeffigrünen Truppe verkündet: Liberozehner Martin Uteß trägt in der kommenden Saison 2021/22 die Binde am Arm.

Beinahe hätte Wolgast die HSG aber kalt erwischt, als nach zwei Minuten ein Fernschuss aus grob geschätzten 37,8 Metern in einem hohen Bogen auf die Latte des Tores von Schlussmann Sadik klatschte. Dem anschließend zur Seitenauslinie rollenden Ball rannte jener wie ein Besengter hinterher und sorgte dafür, dass die Kugel sicher die Spielfeldmarkierung passieren konnte. In den Anfangsminuten zogen sich Hansestädter in die eigene Hälfte zurück und wollten mit schnellen Gegenstößen erfolgreich sein. Und schon bald sollten sich so erste Chancen ergeben: in Minute vier fand Stürmer Satzel nach Pass von Krebes im 1-gegen-1 mit dem letzten Verteidiger keinen Abschluss. Da hatte wohl Lenz Paetzold den Controller in der Hand, der seine Schusstaste für gewöhnlich ausbaut, da sie ihn beim Dribbeln stört. Wenig später schob Linksaußen Krebes eine Flanke von Satzel, der sich vorher auf dem rechten Flügel stark durchgesetzt hatte, technisch anspruchsvoll nur knapp neben den linken Pfosten. Da bekanntlich alle guten Dinge drei sind, war der nächste Schuss der Uni-Kicker erfolgreich. Einen Chipball von Abstoßspezialist Schmidt verlängerte Satzel in den Lauf von Knobloch, der in der achten Minute eiskalt vollendete. Die wilden Abseitsreklamationen der Gäste blieben ungehört, sie lagen nun in Rückstand. Die Gastgeber zeigten sich in der ersten halben Stunde defensiv konzentriert und aggressiv in den Zweikämpfen, wodurch Wolgast sein spielerisches Potenzial kaum ausschöpfen konnte. Nur einmal gab es aus dem Nichts die Riesengelegenheit für sie, auszugleichen. Einen langen Ball verlängerte M. Hahn unglücklich über Libero Arvid Schmidt, wodurch zwei Wolgaster Jungspunde alleine auf das Greifswalder Tor zuliefen. R. Hahn versuchte zwar noch, hinterherzuhecheln, befand sich aber in keiner guten Position, um zu einer seiner berüchtigten Grätschen anzusetzen. Seine pure Präsenz verunsicherte vermutlich den Wolgaster, der den Ball urplötzlich verstolperte. Der am Bolden liegende Sadik verrenkte sich den Arm wie ein Schlangenmensch und konnte so die Gefahr abwehren. Ansonsten blieb die HSG ihrer taktischen Linie treu und kam auch zu Chancen, die Führung auszubauen. So verzog Satzel nach Jahrtausendpass von Stürmerkollege Boeck knapp. Letzterer setzte einem eigentlich ungefährlich Richtung Wolgast-Schlussmann Zimmermann kullernden Ball stark nach und kam vor diesem noch zum Abschluss. Der Keeper konnte aber entscheidend zur Ecke abfälschen.

Der Gast änderte während der Halbzeit seine Taktik und versuchte es vermehrt mit langen Bällen, die aber meistens erfolglos blieben. Auch die technische Qualität der eigenen Spieler wurde damit mehr oder weniger geschickt umgangen. Die HSG allerdings musste dem läuferischen Mehraufwand mit der Zeit Rechnung tragen, und so wurde in Minute 36 der ballführende Spieler der Rot-Weißen zu lange nicht gestört, sodass dieser in Ruhe einen Flugball in den 16er der HSG schlagen konnte. Dort lief Morice Theelke perfekt ein und versenkte das Leder durchaus anspruchsvoll direkt im rechten Eck. Der Ausgleich stärkte die Gäste für die restliche Halbzeit. Zwei Zeigerumdrehungen vor der Pause stand Künnemann zentral völlig blank auf der Markierung des Strafraums, wurde per Flanke bedient und setzte die Kugel mit einem feinen Volleyschuss hinein ins Tor der Gastgeber. Ein aus Sicht der Greifswalder unnötiger Rückstand, hatte man selber die Möglichkeiten zu weiteren eigenen Treffern schließlich nicht genutzt. Wenig später hatten sie dann etwas Glück, als Verteidiger R. Hahn im Sechzehner etwas übermotiviert zur Grätsche ansetzte und beinahe den feindlichen Stürmer abräumte. Dieser nahm diese Vorlage zu einem Elfmeter aber nicht an, womit man vor weiteren Ärgernissen verschont blieb.

In der Halbzeit dann der nächste Schock: Der angehende HSG-Hall-of-Famer Brinkmann musste mit kaputtem Zeh runter, da dieser bereits begann eine stolze blaue Farbe anzunehmen. So kam Ammar Kassem zu seinem etwas verfrühten Comeback nach monatelanger Verletzung, eigentlich war er nur für 20 bis 30 Minuten (Stichwort letztes Tor entscheidet) eingeplant und sollte behutsam wieder an die Belastung herangeführt werden. Aber die Landesklasse schreibt schließlich ihre eigenen Gesetze.


Die zweite Hälfte begann mit offensiven Wolgastern, die in den ersten fünf Minuten zwei aussichtsreiche Abschlussmöglichkeiten liegen lassen. Diese Halbzeit sollte von der geballten Willens- und Kampfkraft der Heimmannschaft geprägt sein. Wolgast blieb ihrer neuen Ausrichtung mit langen Bällen treu und verpasste es dadurch, seine eigentliche technische Überlegenheit auszuspielen. So konnten die Flugbälle in den meisten Fällen souverän verteidigt werden. Die Hansestädter verzichteten auf ein erneutes frühes Feuerwerk und fokussierten sich primär darauf, kein weiteres Gegentor zu kassieren, was definitiv den Genickbruch hätte bedeuten können. Durch den neuen, frischen Kassem kam offensiv zwar etwas mehr Schwung und Tempo in das Spiel, gefährliche Abschlüsse entstanden jedoch nicht annähernd. Doch dann hatte Satzel einen Geistesblitz. Ein flaches Anspiel im Zentrum schnippelt er unnachahmlich mit dem/der rechten großen Onkel/Innenseite/Pike in den Lauf von Spielführer Uteß, der sich physisch stark im Zweikampf durchsetze und aus linker Position im Strafraum die Pille über Torhüter Zimmermann zum 2:2 in die Maschen wuchtete. Ein durchaus unerwarteter, aber dennoch nicht unverdienter Ausgleich. Dieser entflammte den Willen der Heimmannschaft auf ein noch höheres Niveau, überall sah man in den Zweikämpfen die Greifswalder hervorgehen. Dieses Feuer manifestierte sich in Sechser Henski, der nach einem Sprint von der Mittellinie bis zum eigenen Strafraum, für den er nur sechs Schritte brauchte, zu einer sensationellen Grätsche ansetzte, die Tackling-Fanatiker R. Hahn noch so manch feuchte Träume bescheren wird. Kurze Zeit später lag Henski am Boden und bei der HSG musste man sich (mal wieder) fragen, ob dem Spieler (trotz neuer Kniebandage in bester Arjen-Robben-Manier) jetzt endgültig das Knie den Dienst verweigert hatte. Aber wie jedes Mal stand Henski auf wie ein Boxer, der eigentlich schon K.O. ist, aber gerne nochmal die hübschen Damen sehen möchte, die zwischen den Runden die Schilder hochhalten. 

Mit einsetzendem Platzregen, begleitet von Blitz und Donner in nicht allzu weiter Ferne, ging die Partie in die Schlussphase. Ein Assistent des Unparteiischen Niklas Knaak forderte schon leise und nur für sich ein, der Offizielle möge die Partie doch unterbrechen. Dies wäre aufgrund der Wetterlage auch nicht verwunderlich gewesen. Knaak hingegen ließ weiterspielen und ermöglichte der HSG somit eine weitere Regen-Flutlicht-Schlacht in den Annalen des Unisportvereins. Jeder Spieler gab alles, um das Ergebnis zu sichern. Man vergab sogar in Person von Kassem die Chance, erneut in Führung zu gehen. Vorher hatte Krebes in einer starken Pressingaktion den Ball erobert und war anschließend durchaus elfmeterwürdig gefoult worden, was aber keine entsprechenden Konsequenzen hatte. Dem Gast gelang es nicht, entscheidend vor das gegnerische Gehäuse zu kommen, stets war ein gegnerisches Abwehrbein dazwischen. In den Schlussminuten sorgte Sadik bei Schmidt noch einmal für einen Herzkasper, als er eine Bogenlampe souverän auf die Latte seines Tores schaute. Der Libero hatte schon Flashbacks an Piplica, blieb von einem solchen Ereignis aber verschont. Kurz nach diesem letzten Aufreger beendete Knaak die Begegnung. In den Gesichtern der grün gekleideten Spieler machte sich pure Freude und Erleichterung breit, während der Gast eher zerknirscht wirkte.


Somit endete die erste Partie der HSG Uni Greifswald mit einem leistungsgerechten 2:2 gegen den vermeintlichen Staffelfavoriten, der selber aber auch aufgrund des niedrigen Altersdurchschnittes kleinere Brötchen bäckt. Nach der frühen Führung und dem unglücklichen sowie unnötigen Rückstand zeigte man eine wahre Mentalitätsleistung und erkämpfte sich im strömenden Regen ein Unentschieden, das man wie einen Sieg feierte. Am nächsten Spieltag fährt man dann zu ungewohnter Stunde am Sonntag, dem 22. August nach Richtenberg, um sich dort um 14:00 Uhr mit der Zweitvertretung der SG Empor zu duellieren. Diese hat nach zwei Aufstiegen in vier Spielzeiten den Schritt in die Landesebene geschafft. Wolgast misst sich ebenfalls mit einem Aufsteiger und empfängt einen Tag vorher die SG Traktor Groß Kiesow im heimischen Peenestadion.


HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann (45. Kassem), Schmidt, R. Hahn – Knobloch, Uteß, Henski, Krebes – M. Hahn – Satzel, Boeck


Text: Robert Hahn



Packender Pokalfight unter Flutlicht 

HSG schlägt SV Kröslin 1950 mit 4:3


Zum ersten Mal seit dem 2. September 2017 (einer 0:5-Niederlage in der zweiten Runde gegen Malchin) gab es für die HSG wieder ein Pokalspiel im eigenen Stadion. Man empfing am 6. August 2021 zum Auftakt des großen Greifswalder Pokalwochenendes (am folgenden Tag spielte der GFC im heimischen Volksstadion gegen FC Augsburg) den Aufsteiger aus Kröslin, mit dem man sich auch in der kommenden Spielzeit zweimal in der Landesklasse duellieren wird, zur ersten Runde des Lübzer-Pils-Cups. Die Euphorie des Pokals war bei den Spielern schon im Voraus spürbar. Andre „Pille“ Reichel hatte seinen Urlaub verschoben, Spielmacher Martin Krüger seine Schicht getauscht und Robert Hahn ignorierte den angebrochenen Zeh und die ärztlich verschriebene und eigentlich noch geltende Ruhepause, um bei diesem Event dabei zu sein. Vor dem Anpfiff warnte Coach Schönfeld seine Schützlinge vor der physisch harten Gangart der Gegner. Vor einer Zuschauermenge, die die meisten der Spieler wahrscheinlich noch nie erlebt haben dürften (sogar Kandelin schaute nach seinem Testspiel noch vorbei), pfiff Schiedsrichter Robby Kullat die Begegnung an.

Die HSG zeigte sich von Beginn an defensiv konzentriert und offensiv mit guten Ansätzen, jedoch mangelte es eine Zeit lang an der Präzision. So zeigte R. Hahn eindrucksvoll, warum er für seine Grätschen und nicht für seinen Abschluss bekannt ist, als er nach einem Boeck-ähnlichen Durchbruch auf der rechten Seite nach feinem Zusammenspiel mit Tratz viel zu hektisch abzog und das Leder weit links am gegnerischen Kasten vorbeisetzte. Wenig später reaktivierte Krüger seine längst vergessene Breakdance-Vergangenheit, als er den Ball im Sitzen unglaublich filigran quer durch den gegnerischen Sechzehner zu Tratz legte, der jedoch anschließend das halbleere Tor verfehlte. Die ruppige Spielweise der Gäste musste dann Arvid Schmidt am eigenen Leib beziehungsweise Auge im vollen Umfang erleben, als er im Zweikampf mit dem Kapitän dessen Ellenbogen ins Gesicht bekam und mit einem Cut das Spielfeld verlassen musste. Die Blutung schien nicht mehr aufhören zu wollen, wodurch der eine oder andere vielleicht schon mit einer länger anhaltenden Unterzahl der Gastgeber rechnete. Diese schien der eine Mann weniger aber nicht zu stören. Den fälligen Freistoß aus der eigenen Hälfte drosch Linksaußen Krebes in gewohnter Kometen-Manier nach vorne, der auftrumpfende Ball überforderte einmal mehr an diesem Abend die Verteidigung der Krösliner. Tratz setzte sich geschickt im Zweikampf gegen den Abwehrspieler durch und schob die Kugel souverän im linken unteren Eck ein. Nach 24 Minuten war somit die verdiente Führung für die HSG erzielt.

Nach dieser gab es jedoch einen kleinen Bruch im Spiel der Hansestädter. Kröslin schob nun höher und schaffte es somit, den Spielaufbau der Heimmannschaft effektiv zu stören, wodurch man vermehrt auf lange Bälle zurückgreifen musste, die dennoch nicht ungefährlich blieben. In der 34. Minute dann auf einmal der Schock: Nach eigenem Freistoß verloren die Hausherren den Ball, beim anschließenden Konter wurde dieser gut durchgesteckt, sodass R. Hahn als letzter Mann zu einer riskanten Grätsche ansetzen musste und im ersten Moment bewies, dass er diese Technik lehrbuchmäßig beherrscht. Er schaffte es zunächst, fair den Ball zu spielen, musste nach einem Moment der Euphorie aber mit ansehen, wie dieser am verdutzten Keeper Sadik vorbeirollte und den Weg ins eigene Tor fand. Durch diese unglückliche Aktion war das Spiel aus dem Nichts wieder ausgeglichen, und die Gäste zogen aus diesem plötzlichen Erfolgserlebnis nun Energie. Sieben Minuten später landete ein Diagonalball rechts in der Box bei Marlon Thiemke, der das Leder gut mitnahm und aus spitzem Winkel abzog. Sein Schuss schlängelte sich irgendwie durch die Beine von Sadik und landete in den Maschen, womit die Begegnung nun zugunsten der Gastmannschaft gedreht war. Die Hansestädter wollten nicht mit diesem aus ihrer Sicht unglücklichen Ergebnis in die Pause gehen und versuchten, davor noch den Ausgleich zu erzielen. Nach einer Flanke von Paetzold von der linken Seite kam Kometen-Krebes aus sechs Metern unbedrängt zum Abschluss, platzierte diesen jedoch kläglich genau auf dem Schlussmann, der somit problemlos parieren konnte. Also ging es mit einem knappen Rückstand in die Halbzeit.


Hier kam es nun zur Weissagung des Fast-Propheten und Abwehrspielers Würzner, der bei seinem Pflichtspieldebut seinem Team in der zweiten Hälfte drei Tore voraussagte. Dadurch angespornt und mit neuer taktischer Ausrichtung startete man in den zweiten Abschnitt der Partie. Aufgrund des nun durchgeführten hohen Pressings brachte man den Gegner immer wieder in die Bredouille und konnte einige frühe Ballgewinne erzwingen. Ebenfalls näherte man sich Schritt für Schritt dem feindlichen Gehäuse an. So tauchte Paetzold alleine vor jenem auf, stand allerdings im Abseits. Wenig später konnte Moritz Hahn, verwandt oder verschwägert mit Verteidiger R. Hahn, einen langen Ball von Uteß nicht kontrollieren und verpasste die Ausgleichschance. In der 62. Minute belohnten sich die Hansestädter schließlich, als Krüger eine Flanke von Krebes unnachahmlich im Fallen in die kurze Ecke pikte. Jener Treffer sollte Auftakt zu ereignisreichen Minuten sein. Nur drei Minuten später steckte Henski bei einem Konter blitzsauber zu M. Hahn durch, der freistehend vor Torwart Kanz seinem Motto „nur Luppen“ treu blieb und es mit einem Heber versuchte. Mit angehaltenem Atem verfolgten Spieler, Trainer und Zuschauer den langsam Richtung Tor hüppelnden Ball, der schließlich nicht die Linie überquerte. Er prallte vom Pfosten zurück ins Feld. Moritz Wegener war damit wohl überfordert und konnte die ihn nahezu anspringende Kugel nicht annehmen. Von seinem Schienbein aus überquerte das Leder nun doch die Linie, die HSG bejubelte die erneute Führung. 

Dieses Hoch wurde jedoch jäh unterbrochen, als eine Zeigerumdrehung später Gästekapitän Jacubowsky sich von links in den Strafraum dribbelte. Sein eigentlich schon verlorener Ball kam auf unerklärliche Weise zu ihm zurück, und er setzte erneut zum Sololauf an. Er fand die Lücke in der Verteidigung, stieß hinein und legte das Spielgerät überlegt in die lange rechte Ecke. Dieser Treffer bedeutete auch ein abruptes Ende der gerade frisch aufgekommenen Hochstimmung der Heimfans sowie eine dampfende Glatze bei Trainer Schönfeld. Das Spiel zeigte sich weiterhin schon länger durchaus ruppig, so musste mehrmals bei Henski befürchtet werden, dass dieser nun endgültig ein künstliches Kniegelenk bräuchte. Wie durch ein Wunder schaffte er es aber bis zu seiner Auswechslung in Minute 84 weiterzuspielen.

Der Kootsch brachte zuvor in der 72. Minute die HSG-Legende Brinkmann ins Spiel, welcher sofort dem Gegner die Grenzen aufzeigte. Kurz nach seiner Einwechslung legte er sich mit dem Torschützen des 3:3 an, in wessen Folge beide Gelb sahen. Jens Simoleit sah schon in diesem Moment den ehemaligen Spielführer später das Feld vorzeitig verlassen. Das Spiel stand nun auf Messers Schneide, beide Teams spielten auf Sieg und wollten eine Verlängerung verhindern. So fanden beide Mannschaften jeweils mehrmals den Weg in die gegnerische Zone, ihnen mangelte es dennoch an gefährlichen Abschlüssen. Dies änderte sich acht Minuten vor Schluss, als Paetzold rechts im Strafraum zum Pikeschuss ansetzte. Sein abgefälschter Schuss passierte den fliegenden Henski, der in diesem Moment grazil wie eine etwas ältere Ente durch den 16er segelte und auch ähnliche Laute von sich gab. Alles natürlich nur Ablenkung. Das Leder landete überraschend links beim völlig freien Krüger, der noch ein paar Schritte in die Mitte zog und dann in die lange Ecke zum 4:3 traf. Die Vorhersage der Halbzeit von Würzner hatte sich somit erfüllt. Grenzenloser Jubel bei den Gastgebern, der auch spannende Schlussminuten einläuten sollte. 

Kröslin wollte sich mit dem frühen Pokal-Aus nicht abfinden und warf noch einmal alles nach vorne. Zuerst verhinderte Sadiks rechte Patsche, dass der Abschluss des gegnerischen Stürmers nicht ins, sondern nur am Tor vorbeirollte. Bei einem langen Ball konnte er in letzter Sekunde verhindern, dass die ihn erst überspringende Kugel vollständig die Linie passierte. Mit ablaufender Zeit zeigten sich auch immer mehr die Emotionen der Gästefans, die am Ende fast im Minutentakt ihre Meinung über das Unparteiischengespann kundtaten. Die letzten Zeigerumdrehungen wurden immer brenzliger für die HSG und man sehnte nur noch den Schlusspfiff herbei. Als Brinkmann im eigenen Strafraum noch einmal zur Grätsche ansetzte, stockte allen kurz der Atem und Simoleit sah seine Voraussagung einer roten Karte für den Abwehrspieler wohl bestätigt. Der Mann, dessen Namen nur in Kombination mit seiner legendären Nummer Vier genannt werden darf, spielte jedoch fair den Ball, belehrte Simoleit eines Besseren und bereinigte gekonnt die Situation. Kurz vor Abpfiff gab es eine letzte Riesenchance für die Gäste, doch noch den Ausgleich zu erzielen. Ein Krösliner konnte plötzlich zwölf Meter vor dem Tor vollkommen frei abziehen. Sadik konnte das entscheidende 1-gegen-1 aber für sich gewinnen und sicherte seiner Mannschaft mit diesen mutigen Paraden somit den Einzug in die nächste Pokalrunde, denn wenig später beendete der Offizielle Kullat die Begegnung.

Dieser Erfolg bedeutete den ersten Heimsieg im Pokal seit dem 6. September 2014, damals ein 5:3-Erfolg gegen den FSV Reinsberg. Beim Comeback im zweiten Wettbewerb neben dem Ligabetrieb nach zweijähriger Abstinenz startete die HSG stark in die Partie, lag dennoch zur Halbzeit ein wenig unverdient hinten. Durch eine Leistungssteigerung, ein wenig Glück und schließlich Torhüter Sadik erreichte man letztendlich die zweite Runde des Lübzer-Pils-Cups, in der man am 4. September ebenfalls im Volksstadion den Landesligisten TSV Bützow empfängt, die nach dem Abstieg aus der Verbandsliga in ihre Saison in der Landesliga Nord starten. Weiter geht es für die Hansestädter aber am 13. August, wo unter Flutlicht gegen den FC Rot-Weiß Wolgast die neue Saison begonnen wird. Kröslin spielt an diesem ersten Spieltag gegen den Sturmvogel aus Lubmin.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch an alle Ordner und Helfer im Hintergrund, die den ganzen Abend zu einer gelungenen Sache abgerundet haben.


HSG spielte mit: Sadik – R. Hahn (72. Brinkmann), Würzner, Schmidt – M. Hahn, Uteß, Henski (84. Boeck), Krebes – Krüger – Tratz, Paetzold (88. Reichel)


Text: Robert Hahn



Schützenfest in Steinhagen

HSG beendet Vorbereitung mit furiosem 15:1-Sieg


Zum letzten Test vor den Pflichtspielen ging es für die HSG am 30. Juli nach Steinhagen zum ortsansässigen Kreisligisten, bei dem mit Kapitän Nils Methling auch ein ehemaliger HSG-Halbprofi in der Startaufstellung stand. Nach dem Unentschieden in der Vorwoche gegen die SG Insel Rügen wollten die Hansestädter die Vorbereitung mit einem guten Ergebnis abschließen und starteten dementsprechend motiviert. Mit Gastspieler Niclas „Niclas“ Gleisner, der sein erstes Spiel für die HSG absolvierte, zeigte sich die Gästemannschaft von Anfang an stark im Pressing und gekonnt in den Kombinationen. Bereits in der fünften Minute ergab sich die erste Gelegenheit auf das 0:1, Rechtsaußen Knobloch scheiterte jedoch am rechten Außenpfosten. Vier Zeigerumdrehungen hatte Mittelstürmer Moritz Hahn die große Chance auf die Führung, seinen Lupfer alleine vor dem Torwart setzte er jedoch übers Tor. Sein selbst deklariertes Motto „Nur luppen“ hat somit weiterhin eine beeindruckende nullprozentige Erfolgsquote. Besser machte es in der zehnten Spielminute Nico Tratz, der einen Torwartfehler ausnutzte und den fallengelassenen Ball mit der Hacke durch die Beine des Keepers ins Netz schob. Dies sollte der Auftakt zu einer denkwürdigen und wahrscheinlich noch nie dagewesenen ersten Greifswalder Halbzeit sein. Nur 60 Sekunden später erhöhte Hahn auf 2:0, als er einen Steckpass erlief und souverän einschob. Vier Minuten später überwand Lenz Paetzold seine Ladehemmungen sowie Torhüter Kohls und erzielte sein erstes Tor für die HSG mit einem schönen Schlenzer aus der Distanz ins lange Eck. Dieses Mal ließ man der überforderten Heimelf, die mit dem hohen Anlaufen des Gegners nicht zurechtkam, sieben Minuten Pause bis zum nächsten Treffer. Brecht erzielte mit einem starken Abschluss schon sein zweites Tor in der Vorbereitung, da scheint der eigentliche Verteidiger wohl auf den Geschmack des Toreschießens gekommen zu sein. In der 23. Minute erzielte Gleisner nach einer auffälligen Anfangsphase nun sein erster Tor, als er nach einem Abschluss von Stürmerkollege Hahn richtig stand und eiskalt ins leere Gehäuse abstaubte. Ein Umstand, der nicht nur das Bierministerium erfreute. Generell sollte die Begegnung viele Kisten für die Mannschaftskasse der HSG bedeuten, später dazu mehr.

Der Torreigen wurde jedoch jäh unterbrochen, als nach einem Freistoß aus dem Halbfeld eine gut getretene Flanke in den Sechzehner der Gäste segelte und Ronny Witt den Anschlusstreffer aus dem absoluten Nichts erzielte. Bis dato hatte Steinhagen keinen Fuß in den gegnerischen Strafraum setzen können und war den Hansestädtern in allen Belangen gnadenlos unterlegen gewesen. Unmittelbar danach ergab sich sofort die Gelegenheit, den Rückstand weiter zu verkleinern. Bei einem vier gegen zwei Konter vergab man jedoch aus bester Position den zweiten Treffer. Glück für Schlussmann Reichel in dieser Situation, dessen mit Ibuprofen gestärkter Körper anschließend eine ruhige restliche erste Hälfte erlebte. Nun kamen wieder die Gäste, bei denen Hahn drei Minuten nach dem Treffer der Heimelf erneut erfolgreich war und das 1:5 erzielte. Paetzold eiferte seinem Offensivkollegen zwei Minuten später nach und traf ebenfalls das zweite Mal an diesem Tag. Auch Brecht reihte sich in die Garde der Doppeltorschützen ein, als er mit einem sehenswerten Kopfball nach einer Ecke von Hahn für die HSG erhöhte. Neustürmer Gleisner ließ dies nicht auf sich sitzen und schnürte eine Minute vor der Pause ebenfalls souverän den Doppelpack. Nachdem er im 1-gegen-1 zuvor am Schlussmann gescheitert war, schnappte er sich den zurückspringenden Ball und schob ein. Mit einem beeindruckenden 1:9 ging es also in die Halbzeit, und trotzdem war die Chancenverwertung der Gäste nicht optimal. So scheiterten sowohl Uteß als auch Goalgetter Hahn in faszinierender Weise mehr an sich selbst als am gegnerischen Goalie und schossen diesen bei ihren guten Abschlussmöglichkeiten stets an.

Die zweite Hälfte begann für Hahn mit der Belohnung seiner starken ersten 45 Minuten, indem er das erste Mal die sagenumwobene und Bierkästen einbringende Kapitänsbinde der HSG um den Arm tragen durfte. Stolz wie Bolle präsentierte er seinem Bruder jenes Stück Stoff, doch Robert Hahn mit seiner bereits zweimaligen Spielführererfahrung ließ das kalt. Der frisch von der Arbeit nach Steinhagen gebrauste Krüger, der nun in die Partie kam, tat es nun M. Hahn gleich und setzte das Leder kurz nach der Halbzeit anstatt in den Winkel auf den perplexen Schlussmann und diesem genau zwischen die Augen, wovon dieser sich anschließend erst einmal erholen musste. In der zweiten Halbzeit begeisterte Außenspieler Paetzold erneut mit seinen locker-lässigen Dribblings, die ihn gegen andere Gegenspieler als die sehr fairen Steinhagener wohl den ein oder anderen blutigen Fuß, Bänderriss oder Knochenbruch beschert hätte. In der 70. Minute belohnte sich Krüger für seine Need-for-Speed-ähnliche Autofahrt, als den Versuch Arvid Schmidts, eine direkte Ecke zu erzielen, unterband, indem er den Ball am langen Pfosten gediegen mit dem hinteren linken Stollen ins Tor kullern ließ. Als sieben mal sechzig Sekunden später Paetzold rechts durchbrach und vor Kohls querlegte, ballerte der inzwischen eingewechselte Nehls die Knitte unnachahmlich aus vier Metern zu seinem ersten HSG-Tor in die Maschen. Auch für ihn war es also ein geschichtsträchtiger Samstag.

Steinhagen fand auch in den zweiten 45 Minuten kaum Mittel gegen die HSG und musste zwei Minuten später den zweiten Gegentreffer durch Krüger hinnehmen. Am Ende zeigten die Gäste noch einmal ihre neu erworbene Standardstärke. Gleisner demonstrierte, wieso Cristiano Ronaldo vor seinem Wechsel zu Juventus Turin bei ihm Nachhilfe in Sachen Sprungkraft und Kopfballspiel genommen hatte, als er eine Ecke von Uteß in beeindruckender Manier einschädelte. Zwei Minuten vor Schluss setzte Tratz aus dem Mittelfeld zu einem seiner berüchtigten Sololäufe an und schloss im Fallen aus 25 Metern ab. Sein präziser Linksschuss schlug im linken Eck ein und bescherte der HSG somit das 1:14. Kurze Zeit später traf der heutige Spielertrainer Krebes, der sich kurz zuvor in Günter Netzer Manier selber eingewechselt hatte, in einer fast perfekten Kopie des 1:13 ebenfalls per Omme nach Ecke von Uteß. Wenig später beendete Schiedsrichter Robby Kullat die Begegnung, die 25 Zuschauer in den „Sportplatz an der Schule“ gezogen hatte. Letztere erweckte übrigens die Erinnerung an feinste DDR-Bildungsstätten, die Erich Honecker zu Lebzeiten stolz gemacht hätten.

Somit beendet die HSG die Vorbereitungsphase der Saison 2021/22 mit einem deutlichen Kantersieg, der trotzdem auch noch höher hätte ausfallen. Bei einem 15:1 sollte man sich aber nicht über zu wenig Tore beschweren. Das Team zeigte eine durchgehend konzentrierte und fußballerisch ansehnliche Leistung, die Hans Oldach in den höchsten Tönen schwärmen ließ. Vor allem das starke Pressing und das gute Kombinationsspiel waren ein entscheidender Faktor für das Torfestival. Ebenfalls glücklich zeigte sich Robert Hahn vom Bierministerium, konnte er doch einen zweistelligen Betrag an Kisten, unter anderem für die (Neu-) Torschützen Paetzold, Brecht und Nehls notieren. Neubomber „Niclas“ zeigte sich nach seinem starken Debüt mit drei Toren und vier eingebrockten Kästen demütig und brachte beim nachfolgenden Training direkt einen mit. Am 6. August beginnt nun die ernste Zeit des Jahres, um 19:30 empfangen die Hansestädter Landesklassegegner Kröslin zur ersten Runde des Lübzer-Pils-Cups.

An dieser Stelle sei nun auf den definitiv lesenswerten und amüsanten Liveticker zum Spiel aus der Feder des Tastaturvirtuosen Alexander Bogdain hingewiesen, der für diesen Zweck testweise von seinem Heimatverein Lok Eberswalde ausgeliehen wurde. Sein Gastspiel sorgte für HSG-interne Rufe nach einer festen Verpflichtung des auch am Glas starken Neu-Goethe. 


Der Liveticker ist hier zu finden: https://www.fussball.de/spiel/sv-steinhagen-hsg-uni-greifswald/-/spiel/02EMNUVTO4000000VS5489B4VVB933FB#!/section/course



HSG spielte mit: Reichel – Schmidt, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Henski, Lenz – Hahn, Tratz, Gleisner (aufgrund der wirren Berichterstattung von Fußball.de können leider keine Angaben zu den Einwechslungen gemacht werden, aber dem Leser sei versichert, dass alle Bankspieler, auch der Satzel, auf ihre Einsatzminuten gekommen sind)


Text: Robert Hahn


Kein dritter Sieg in Folge 

HSG unterliegt U19 des Greifswalder FC knapp


Nach den ersten beiden Testspielerfolgen „reiste“ die HSG am 17. Juli zum Auswärtsspiel auf den Westplatz des Volksstadions, auf dem man sich mit der A-Jugend des Greifswalder FC messen sollte. Diese hatte bereits die Männermannschaft von Traktor Kemnitz mit 7:1 abgefertigt und auch die zweite Mannschaft des Grimmener SV, in der kommenden Spielzeit auch Gegner der HSG, mit 4:1 besiegen können. Man war also gewarnt vor der spielerischen Qualität der Junioren und wollte dementsprechend auch defensiv erst einmal sicher stehen. Mit einigen Änderungen in der Startelf startete man in die Partie, so fehlte beispielsweise der ausschließlich in seiner Funktion als Kabinen-DJ vermisste Fabio Friedrich auf der Doppelsechs. Bei drückender Hitze, durch die der eine oder andere wohl bereits seine Anwesenheit auf dem Platz bereute, pfiff Schiedsrichter Pekruhl die Begegnung an.

Das Spiel begannen die Gäste direkt, wie man es sich nicht besser hätte vorstellen können. Nach einem weiten Ball von Würzner bolzte Linksaußen Krebes in der zweiten Spielminute einen seiner gefürchteten Kometen in den Sechzehner des GFC. Keeper Harang hatte beim Fangen der eigentlich ungefährlichen Flanke einige Probleme und konnte den Ball nur aus dem Strafraum befördern. Knobloch realisierte, dass der Torhüter nun sehr weit außerhalb seines Tores stand und setzte zum Schuss mit dem schwachen Linken an, der sonst eigentlich nur als Standbein taugt. Aus dem laut eigener Aussage eigentlich gewollten „Schlenzer unter die Latte“ wurde eine Bogenlampe von unbeschreiblicher Höhe und langsamer Geschwindigkeit, die ihren Weg nicht etwa über den Fangzaun, sondern tatsächlich ins gegnerische Gehäuse fand. Mit- sowie Gegenspieler reagierten auf dieses unerwartete Traumtor gleichermaßen mit einem Mix aus Verwunderung und Anerkennung. Die frühe Führung passte gut in den eigenen Spielplan, konnte man sich jetzt erst recht auf die eigene Defensive konzentrieren und dem Gegner das Spielfeld überlassen. Vom Einsatz her zeigte man eine gute Anfangsviertelstunde, Verteidiger Hahn versuchte in den ersten zehn Minuten, das vor dem Spiel angekündigte Dutzend an Grätschen direkt in die Tat umzusetzen und befand sich in dieser Zeit nahezu permanent im Tiefflug durch die gegnerischen Reihen, die davon sichtlich genervt waren. 

Nach 16 Minuten dann jedoch der Schock, als die bis dahin kaum gefährlichen Junioren einen Konter über die linke Seite blitzsauber zu Ende spielten und Philippen am langen Pfosten eiskalt zum Ausgleich vollstreckte. Nur sechs Minuten später fiel dann die Führung für den Gastgeber nach ähnlichem Prinzip, nach Ballverlust der HSG ging es schnell und zielstrebig Richtung Tor, Boldt tunnelte Sadik zum 2:1. Somit war innerhalb kurzer Zeit die komfortable Ausgangssituation für die HSG komplett gekippt und man lag nun hinten. Zwölf Minuten später setzte es den nächsten Schlag, als nach erfolgreichem Pressing der auffällige Dumrese unbedrängt aus der Distanz abzog. Sein platzierter Schuss landete am Pfosten, prallte jedoch vom Rücken von Sadik in dessen Tor ab. Dieser Rückstand sollte bis zur Halbzeit anhalten und war für die in grün gekleideten Recken besonders bitter, da man einige gute Chancen noch liegen ließ. So konnte weder Satzel noch Knobloch noch Paetzold eine dreißigsekündige Piek- und Stochersituation im gegnerischen Strafraum erfolgreich abschließen, da sich stets ein Abwehrbein fand, um den Schuss zu blocken. Kurz vor der Halbzeit scheiterte der aufgerückte Brecht mit seinem schwächeren Rechten am Schlussmann des GFC, als er nach einem ruhenden Ball aus kurzer Distanz zum Abschluss kam und genau auf diesen zielte. Mit einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis ging es nun also in die Pause.

Coach Schönfeld wechselte dreimal und brachte Tratz, Nehls und Athmani in die Partie. Letzterer stand nach drei Minuten direkt im Fokus. Uteß knüppelte einen Ball scharf nach vorne, den Satzel per Kopf zu seinem neuen Sturmkollegen verlängerte. Nun hieß es in bester Werner-Marnier „Doppelkopfball des gefürchteten Sturmduos“, denn Athmani legte die Kugel perfekt in den Lauf von Satzel zurück. Dieser schloss direkt und über den etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Harang hinweg ab, der nicht mehr entscheidend an den Ball kam, womit der alte Abstand von einem Tor wiederhergestellt war. Die HSG zeigte sich in der zweiten Hälfte defensiv sehr stabil, die wenigen Fernschüsse und brenzligen Situationen hielt und bereinigte Sadik souverän. Nach vorne war man weiterhin auch gefährlich, so scheiterte Athmani nach einer Ecke per Kopf am Gegenspieler, der den Ball für den chancenlosen Torhüter vor der Linie klärte. Weitere Situationen wurden, ähnlich wie auch so manche in der ersten Halbzeit, nicht gut ausgespielt, womit man weiterhin dem einen Tor Rückstand hinterherrannte. Die U19 versuchte sichtlich platt die knappe Führung noch über die Zeit zu retten. Sie schenkte der HSG noch zwei Freistöße kurz vor Schluss, von denen der letzte noch einmal besonders gefährlich wurde. Die Flanke von Krebes legte Krüger per Kopf quer zu Hahn, der jedoch einen halben Schritt zu weit vorne stand und den Ball nicht richtig erwischte. Es kam zu einer ähnlichen Situation wie in der ersten Halbzeit, stets wurden die Abschlüsse der Gäste irgendwie noch geblockt. Am Ende landete Krebes' Direktschuss aus der Distanz weit über dem Tor im Fangnetz. Direkt danach wurde die Partie beendet. An dieser Stelle gehen unsere besten Genesungswünsche raus an den Sportsfreund Schulze der Heimelf, der sich das Knie bei einem der gefürchteten Roulettes von Tratz verdrehte und anschließend ausgewechselt werden musste.

Somit endete das dritte Testspiel der HSG mit deren erster Niederlage der Saisonvorbereitung, über die man sich im Nachhinein aufgrund der einfachen Gegentore und der vergebenen Chancen etwas ärgern muss. Dennoch kann man viele positive Dinge mitnehmen, wie beispielsweise die defensive Stabilität und die guten spielerischen Ansätze, die in der Zukunft etwas effizienter in Tore umgewandelt werden müssten. Zum vierten Test geht es am 24. Juli nun für die Hansestädter nach Binz, wo man es mit der frisch formierten Männermannschaft der SG Insel Rügen zu tun bekommt. 


HSG spielte mit: 

Sadik – Hahn, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Schmidt (46. Tratz), Krebes (46. Nehls) – Krüger (46. Athmani) – Paetzold, Satzel


Text: Robert Hahn 



1:4 in Demmin - HSG gewinnt auch das zweite Testspiel


Am 10. Juli reiste die HSG aus Greifswald nach Demmin, wo sie das erste Spiel nach dem offiziellen Ende der Ära Langbecker bestritt. Der langjährige Spieler und Spielertrainer hatte sich eine Woche zuvor beim 12:0 Schützenfest gegen den Pelsiner SV verabschiedet, wobei er selber sogar nochmal einen Treffer erzielen konnte. In seine Fußstapfen tritt nun unter anderem Fabio Friedrich, der seinen lädierten Muskel durch die Behandlung mit mehreren, gegensätzlich wirkenden Salben und einer guten alten Ibuprofen auf das Spiel vorbereitete. (Es war übrigens seine allererste Schmerztablette, was tut man nicht alles, um bei einem 12-Mann-Kader in der Startelf zu stehen). 

Bei angenehmen 20 Grad und Sonnenschein ging es nun also gegen den Kreisoberligisten Demminer SV 91, von dem man nun etwas mehr Gegenwehr erwartete. Dabei musste die sonst in grün auflaufende HSG auf die ungewohnten, wenig benutzten und in geringer Stückzahl vorhandenen roten Auswärtstrikots ausweichen, da die Heimmannschaft diese Farbe bereits für sich beansprucht hatte. Diese erwischte auch einen guten Start und konnte mehrere brenzlige Situationen heraufbeschwören, ohne jedoch den entscheidenden Abschluss zu finden. Stets konnte die Situation von der hauseigenen Dreierkette, in der Jakob Würzner sein Debüt feierte, am Ende noch einen Fuß dazwischen kriegen. Völlig unerwartet fiel dann das Führungstor der HSG in der 14. Spielminute, als nach einer Ecke von Moritz Hahn Sebastian Satzel das Leder unbedrängt aus fünf Metern auf den Torwart köpfen durfte, der es nicht mehr abwehren konnte und so nur noch ins eigene Netz lenkte. Nach kurzer Verwirrung aufgrund der ruhig bleibenden Pfeife des Offiziellen Tobias Schoknecht bejubelte man die etwas überraschende Führung. Direkt nach Wiederanpfiff vergab die Heimmannschaft die Riesenmöglichkeit auf den schnellen Ausgleich, als ein Demminer Stürmer den Ball aus wenigen Metern nicht im halbleeren Tor unterbringen konnte.

In der Folge fing sich die HSG auch defensiv und versuchte, mit flachen Kombinationen nach vorne zu spielen. In der 40. Minute schloss Stürmer Moritz Hahn nach Steckpass des zweiten Neulings Lenz Paetzold aus spitzem Winkel ab. Den eigentlichen nicht ganz so gefährlichen Schuss ließ Heimkeeper Eggert jedoch passieren, wodurch die Hansestädter nun dank ihrer effektiven Chancenverwertung mit zwei Treffern in Front lag. Neben der plötzlichen Standardstärke zeigte man hier auch bereits Verbesserungen im Vergleich zu den letzten Spielzeiten. Mit dem neuen Ergebnis ging es auch in der Pause, den sich die HSG durch eine Leistungssteigerung vor allem im Defensivbereich auch mittlerweile verdiente.

In der zweiten Hälfte brachte Gästetrainer Schönfeld seinen einzigen Wechsler Boeck ins Spiel und stellte sein Team auf mehreren Positionen um. So rückte beispielweise Paetzold von seiner ursprünglichen Position als Spielmacher auf die linke Seite, von wo er sich deutlich aktiver zeigte. Mit starken Dribblings ließ er des Öfteren mehrere Gegenspieler stehen, nur die Schusstaste schien im entscheidenden Moment immer zu klemmen. Da die Gastgeber bis zur 64. Minute insgesamt sieben Mal wechselten, übernahm die HSG immer mehr die Kontrolle über das Spiel und konnte sich auch mehrere gute Chancen herausspielen. So setzte beispielsweise Moritz Hahn im Versuch, seinen zweiten Treffer zu erzielen, einen Lupfer aus 16 Metern über den Kasten.

In der 70. Minute belohnte er sich erneut für seine starke Leistung, indem er nach einer hübschen Kombination mit Zwillingsbruder Robert aufs Neue aus spitzem Winkel traf. Zwar wirkte auch dieser Schuss nicht unhaltbar, aber durch das brasilianische Flair, welches bei der Passstaffette der Brüder versprüht wurde, war wohl auch Neukeeper Stöwesand beeindruckt. Nur vier Minuten später rauschte ein Freistoß von Kapitän Uteß von halblinks quer durch den Strafraum an Freund und Feind vorbei ins lange Eck, somit führte die HSG unter den Augen der 50 Zuschauer mittlerweile mit 4:0. Demmin bäumte sich in der Schlussviertelstunde noch einmal auf und wollte für die Fans wenigstens noch den Ehrentreffer erzielen. Dies gelang, als in der 87. Minute ein Schuss von Bräuer aus der zweiten Reihe unhaltbar abgefälscht wurde und präzise im linken Eck einschlug. Kurz darauf beendete Schiedsrichter Schoknecht das Spiel. Eine besondere Ehre wurde vorher noch dem ehemaligen Hengste-Urgestein Arvid Schmidt zuteil, der nach einer zwischenzeitlichen Auswechslung für Uteß eingewechselt wurde und die Kapitänsbinde von diesem übernehmen durfte. Stolz wie Bolle zeigte er sich auch nach Abpfiff. Es war der Moment, wo „Goooch“ Schönfeld seine Entscheidung zu bereuen began mit dem Wissen, dass er sich das noch mehrere Monate anhören dürfe.

Somit endete auch das zweite Testspiel der neuen Saison erfolgreich für die HSG. Nach anfänglichen defensiven Problemen verbesserte man sich im Laufe des Spiels immer weiter und verdiente sich so auch die zwischenzeitliche Führung mit vier Toren Unterschied. Sieben Tage später geht es nun zurück ins Volksstadion, wo man auf dem Westplatz, den man selber sehr selten bespielt, auf die U19 des Greifswalder FC trifft. Man darf gespannt sein, wie man sich gegen diesen jungen Gegner schlagen wird.


HSG spielte mit: 

Reichel – Würzner, Uteß, Schmidt – Knobloch, Henski, Friedrich (46. Boeck), R. Hahn – Paetzold – Satzel, M. Hahn


Text: Robert Hahn