Spielberichte der Saison 2021 / 2022

Trotz 0:2-Führung: HSG lässt Punkte liegen

Später Doppelschlag des SV Prohner Wiek schubst die Greifswalder von der Tabellenspitze


Bereits vor dem Spiel gab es für die Uni-Kicker Grund zum Jubeln: Endlich waren die drei Punkte aus dem ausgefallenen Spiel gegen Völschow offiziell anerkannt worden, sodass man nun mit zwei Zählern Vorsprung die Tabelle anführte. Mit diesem guten Feeling im Gepäck (und dazu noch zwei Kisten Bier) fuhr man nach Prohn, um gegen die dort ansässigen Wiek-Fußballer die Punktejagd fortzusetzen. Dabei musste Kootsch Schönfeld die Flügelzange neu besetzen, da das gefürchtete Duo Petzold/Luig nicht mitreisen konnte. Ebenso nicht dabei war Wühlmaus Tratz, der sich nach seiner starken Partie gegen die Zweitvertretung des Grimmener SV ein paar wohlverdiente Tage Urlaub gönnte, sowie Sebastian Satzel. Für die vier Ausfälle rückten R. Hahn, Friedrich, Jarchow und Pohlschröder in die Startelf.


Auf tiefem Geläuf begann das Spiel ohne große Aufreger. Die HSG ließ den Ball in den eigenen Reihen rotieren, die Gastgeber ließen dies zu, solange das Spielgerät nicht in die eigene Hälfte gelangte. Vor allem über lange Bälle versuchten die Gäste ihr Glück, diese wurden jedoch zumeist vom großgewachsenen Innenverteidiger-Duo Hannemann/Wiemer entschärft. Eine Halbchance ergab sich für Brecht, der bereits in der 20. Minute für den verletzten Pohlschröder eingewechselt wurde. Sein Abschluss mit dem schwächeren Rechten war jedoch zu zentral. Die erste gefährliche Aktion gehörte den Prohnern: Schmalofski kam im Sechszehner nach einer Flanke aus dem Halbraum zum Kopfball, jedoch war Gäste-Keeper Sadik auf dem Posten. Dabei bedurfte es einer eindrucksvollen Ganzkörperstreckung, um das Ei noch um den Pfosten zu lenken. Kurz darauf umdribbelte M.Hahn nach einem Konter den aus seinem Tor herausgeeilten „Udo“ Zieske, sein Abschluss mit dem schwächeren linken Fuß konnte jedoch noch gerade so von der Linie gekratzt werden. Nach der anschließenden Ecke kam Brecht aus guter Position zum Kopfball, der den Torwart des Heimteams aber vor keine Probleme stellte.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde dann die Führung für die HSG: Eine Ecke von M. Hahn wurde erst aus dem Strafraum befördert, fiel dort jedoch Paul Panzer-Groupie Friedrich vor die Füße, der abzog. Noch leicht abgefälscht fand das Spielgerät seinen Weg in die Maschen. Somit der erste Treffer für den Mittelfeldmann im dritten Jahr im Trikot der Hansestädter – eine bessere Quote hatte Mario Gomez während seiner Bayern-Zeit auch kaum. Kurz vor dem Pausenpfiff ergab sich erneut eine Riesengelegenheit für Schmalofski, doch erneut fand er seinen Meister in Sadik, der clever den Winkel verkürzte und parieren konnte.


In Halbzeit zwei stand die Abwehr der Prohner tiefer, um sich nicht überspielen zu lassen. Diese Umstellung zeigte Wirkung, die Greifswalder brachten kaum mehr erfolgreiche Angriffe aufs Parkett. Ebenfalls wurde das Spiel nun ruppiger, und es gab einige Schubs-und-Grätsch-Aktionen auf beiden Seiten. Wieder dauerte es seine Zeit, bis der nächste Torschrei auf den Lippen lag, als Schmalofski nach über eine Stunde seine dritte Großchance des Tages nicht nutzen konnte. Aufgrund eines Abstimmungsproblems in der HSG-Abwehr kam er aus wenigen Metern zum Kopfball, verfehlte jedoch das bereits verwaiste Tor knapp. Die Hansestädter ließen ansonsten hinten wenig zu, vorne fehlte allerdings die Durchschlagskraft. So musste ein Patzer von Keeper Zieske her, um das 0:2 einzuleiten. Einen langen Ball ließ dieser fallen (nicht zum ersten Mal an diesem Tag), Joker Brecht hatte genau darauf spekuliert und sich die freiliegende Pille geschnappt. Sein raketenmäßiger Abschluss mit dem rechten Fuß, den er sonst in bester Arjen Robben-Manier nur zum Stehen benutzt, hüppelte an Freund und Feind vorbei und fand tatsächlich seinen Weg ins Netz – Die Vorentscheidung in der 79. Minute, so dachten zumindest viele.

Doch nur zwei Zeigerumdrehungen schlugen die SVler zurück, vorausgegangen war ein katastrophaler Bock von HSG-Kapitän Uteß. Sein versuchter Klärungsschlag wurde im eigenen Sechzehner geblockt, der Ball rollte perfekt zu Ahlmeyer, der den Anschluss markierte. Die Gastgeber durchfuhr deutlich spürbar die altbekannte ´zweite Luft`, während es den Gästen nicht mehr gelang, hochzufahren. Nur kurz darauf erzielte Ohm den vermeintlichen Ausgleich, jedoch hatte der Ball bei der dem Tor vorausgegangen Flanke deutlich die Auslinie überschritten, weswegen der Treffer unter starken Protesten der Heimmannschaft zurückgenommen wurde. Dies lag aber auch daran, dass diese dachte, Schiedsrichter Lieckfeldt und sein Gespann hätten auf Abseits entschieden. Vehement wurde reklamiert, dass das gar nicht sein könne, wenn die Kugel doch auf der Grundlinie lege.

Dadurch ließen sich die Prohner aber nicht aufhalten und markierten nur Augenblicke später den tatsächlichen Ausgleich. Kapitän Romansky schob nach kurzem Durcheinander überlegt aus 18 Metern ein. Danach zeigte der Unparteiische zwei Minuten Nachspielzeit an, die es nochmal in sich haben sollten. Direkt nach dem Wiederanpfiff ergab sich für Krüger die Chance auf den Siegtreffer, eine Bananenflanke Brechts in bester Kaltz-Manier verpasste er aber haarscharf. Mit der letzten Aktion wurde der HSG noch ein Freistoß aus exzellenter Position zugesprochen, diesen drosch Uteß jedoch in die Mauer. Unmittelbar danach beendete Lieckfeldt die Begegnung


Während sich die Prohner für die Aufholjagd belohnten und weiterhin zuhause ungeschlagen sind, verlieren die Greifswalder den Platz an der Sonne an Wolgast, denen in Völschow ein phänomenaler 0:9-Sieg gelang. Aufgrund der besseren Tordifferenz wechseln die beiden Spitzenteams somit ihre Positionen. Die HSG trifft nun am Sonntag im Derby auf Landhagen, die Wolgaster empfangen die SVler aus Kröslin, die mit einem Heimsieg gegen den Drittplatzierten aus Jarmen zuletzt für Aufsehen gesorgt haben. Prohn fährt auch am Sonntag nach Greifswald, um dort gegen Groß Kiesow zu spielen.


HSG spielte mit: Sadik – Pohlschröder (20. Brecht), Ute (C), Scheffler – Knobloch (60. Kassem), Schwunke, Jarchow, Friedrich, R. Hahn (78. Würzner) – Krüger, M. Hahn


Text: Moritz Hahn


Souveräner Sieg am Freitagabend

Greifswalder schlagen dank effizienter zweiter Halbzeit den Grimmener SV II mit 4:0


Die Rollenverteilung vor dem Auftakt in den 9. Spieltag schien eindeutig: Die Greifswalder grüßten von (fast) ganz oben, während die Grimmener Kicker auf Platz 10 standen, durch einen 8:2-Kantersieg gegen den SV Prohner Wiek am vorherigen Wochenende jedoch mit ordentlich Rückenwind in die Partie gehen konnten. Die Greifswalder hatten in Kröslin durch einen Last-Minute-Kopfballtreffer durch Raubein Schwunke – schon drei gelbe Karten in nur vier Einsätzen für die Hansestädter – 1:0 gesiegt und ihre Serie ohne Niederlage ausgebaut. Kootsch Schönfeld hatte seine Ölf nur marginal geändert: Krüger lief für Kabinen-DJ Friedrich auf – jener bevorzugte es, sich bei Paul Panzer einige Lacher und gegebenenfalls noch Mode-Tipps abzuholen. Dazu ersetzte Satzel Boeck im Sturm.


Die Gäste begannen zurückgezogen und mit langen Bällen agierend, was die Greifswalder mit hohem Anlaufen zu verhindern versuchten. Die Anfangsminuten gehörten den Hausherren, welchen es jedoch schwerfiel, die tiefstehende Defensive zu durchbrechen bzw. Angriffe zu Ende zu spielen. Chancen waren dementsprechend Mangelware. Der erste Abschluss aus aussichtsreicher Position ergab sich für M.Hahn, der nach einem langen Ball aus zwölf Metern zum Abschluss kam, den Ball jedoch danebensetze und somit einen Zuschauer Ballkontakte sammeln ließ, was von seinen Freunden lautstark gefeiert wurde. Die Gäste konnten Heimtorwart Sadik nicht in Bedrängnis bringen, den einzig richtigen Torschuss aus gefühlten 48 Metern fing er nach kurzer Darbietung seiner Tango -Hüfte souverän.

Mitte der ersten Halbzeit kam Grimmen besser ins Spiel, kombinierte sich hier und da gefällig durchs Mittelfeld, brenzlig wurde es trotzdem nur im Ansatz. In den letzten zehn Minuten forderten die Greifswalder zweimal zaghaft einen Elfmeterpfiff, zuerst war Lenz bei einem Abschluss klar gehalten, kurz darauf ´Horni Sep` Satzel im Sechszehner von den Beinen geholt worden. Die Pfeife vom Unparteiischen Wöllner blieb jedoch stumm. Kurz vor dem wortwörtlichen Pausentee – ein Vorteil an der kalten Jahreszeit: Helmut spendiert wieder sein berühmt-berüchtigtes Heißgetränk in der Halbzeit – dann die Riesenchance für die Gäste: Gau kam nach einem Konter komplett frei zum Kopfball, vergab aber aus wenigen Metern. 

So ging es mit einem 0:0 in die Pause.


Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts schien es, als käme die Zweitvertretung des Landesligisten besser ins Spiel. Abschlüsse aus der zweiten Reihe brachten Sadik jedoch nicht ins Schwitzen. In der 51. Minute dann die Führung für die Gastgeber: Nach einem hohen Ball konnte der Gästekeeper den Ball zunächst aus dem Strafraum fausten, dort suchte Wühlmaus Tratz den Abschluss. Diesen konnte der Schlussmann noch parieren, der Abpraller fiel jedoch Krüger vor die Füße, der sich nicht bitten ließ und aus wenigen Metern vollendete.

Nur 180 Sekunden später kam dann M. Hahn zu seinem ersten Saisontor und verdoppelte den Vorsprung der Hansestädter, als er einen Flugball aus der eigenen Hälfte von Kapitän Uteß mit dem Rücken zum Tor über den etwas zu weit vor seiner Hütte stehenden Keeper lupfte. Und wiederum etwas mehr als fünf Minuten später erhöhte Lulatsch Lenz – nach eigenen Aussagen misst er 1,96 Meter – per Kopf. Einen Freistoß aus dem Halbfeld hatte Uteß in den Strafraum geprügelt, die Nummer 16 der Greifswalder sich in die Luft geschraubt (mein Jugendtrainer würde sagen: „Da kannste ja kaum ein Löschblatt drunterlegen“) und per Kopf vollendet.

In der 70. Minute war es dann erneut der Bruder des Kootsches, der den Ball im Netz zappeln ließ. Joker R. Hahn hatte eine Ecke hoch in den Sechszehner geschaufelt, wo der Spielmacher zunächst das Spielgerät per Kopf auf den Keeper bugsierte. Dieser baggerte den Ball in die Luft, Krügers Nachschuss eierte quer durch den Fünfer und fand seinen Weg ins Tor. Zehn Zeigerumdrehungen vor dem Abpfiff drehte Uteß noch einen Freistoß von der linken Seite an die Latte. Pünktlich beendete dann der Schiedsrichter die Partie.


Mit dem ersten deutlichen Sieg der Saison (zuvor beendete man alle Spiele mit maximal einem Tor Vorsprung) bleibt die HSG auf der Sonnenseite der Tabelle, mit den drei Punkten im Sinn aus dem ausgefallenen Spiel gegen den Sturmvogel aus Völschow steht man nun an der Spitze. Die Gäste fallen durch die Niederlage auf den vorletzten Rang zurück und empfangen am nächsten Spieltag den Traktor aus Groß Kiesow. Die Greifswalder fahren als nächstes nach Prohn, um dort die Jagd nach Punkten fortzusetzen.


HSG spielte mit: Sadik – Knobloch (56. Pohlschröder), Uteß (C), Scheffler – Luig, Schwunke, Tratz, Paetzold (67. R. Hahn) – Krüger – M. Hahn (72. Boeck), Satzel


Text: Moritz Hahn



HSG springt an die Tabellenspitze

Greifswalder besiegen den „Fluch von Kandelin“ dank Doppelpacker Lenz und grüßen von der Spitze


Die Favoritenrolle schien vor dem Spiel recht deutlich verteilt: Während die Hansestädter nach je 2 Siegen und Unentschieden auf Platz 2 standen, rangierten die Gäste aus Kandelin – oder wie der Experte mit französischem Akzent sagt: „Kong-de-Long“ – im unteren Tabellenbereich, hatten aber durch den zuletzt eingefahrenen 6:0-Kanterieg gegen Prohn Selbstvertrauen getankt. Darüber hinaus durfte man die SVler mit Fug und Recht als Angstgegner der HSG-Kicker bezeichnen, gab es doch in bisher 11 Aufeinandertreffen in Pflicht- sowie Testspielen in den ersten 7 Begegnungen nur Niederlagen für die jetzigen Gastgeber, zuletzt konnten immerhin 2 Unentschieden aus 4 Spielen ergattert werden, einen Sieg für die Greifswalder gab es gegen den SVK aber noch nicht (Quelle: Fussball.de).

Kootsch Schönfeld hatte sich eine neue taktische Feinheit einfallen lassen, im Mittelfeld agierte man neuerdings mit einem klaren Sechser und davor zwei Achtern, auf den klassischen Zehner wurde verzichtet. Geburtstagskind (und Urlaubsrückkehrer) Krüger erhielt zudem ein besonderes Geschenk und durfte das Spiel auf der Bank beginnen, um dort den lieblichen Klängen des Bierschlürfens durch Interpret Peter Henski zu lauschen – ein Privatkonzert zum Ehrentag, ein schöneres Geschenk kann man sich kaum vorstellen.


Die Systemumstellung machte sich schnell bemerkbar, es fehlte die Verbindungsstelle zwischen Mittelfeld und Angriff. Die Kandeliner, wie erwartet robust in den Zweikämpfen und meistens mit langen Bällen agierend, zwangen den Gastgebern ihr Spiel auf, wodurch eine sehr chancenarme Partie entstand. Ernstzunehmende Abschlüsse waren Mangelware, ab und zu wurde das Leder aus der zweiten Reihe Richtung Tor gescheuert, wobei weder Sadik (HSG) noch Bahls (SVK) ihr volles Können zeigen mussten, um etwaige Einschläge zu verhindern. Beide Mannschaften neutralisierten sich lange zwischen den Strafräumen, Angriffe verpufften oftmals, da der (vor-)letzte Pass ausblieb oder zu ungenau war. Zudem gab es viele kleine Fouls, die Spielfluss nicht wirklich aufkommen ließen.

Nach etwa 30 Minuten erlangte die HSG leichte spielerische Vorteile, ließ nun den Ball etwas flüssiger zirkulieren und kombinierte sich hier und da Richtung gegnerischen 16er, ohne dabei jedoch zu großen Chancen zu kommen. Bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit passierte nichts wirklich Aufsehenerregendes, einzig das Auge des Kandeliner Kapitäns Meyer sorgte für Aufsehen: Nach einem unglücklichen Zweikampf schwoll die Gegend rund um den Sehapparat so dermaßen an, dass er kaum mehr sehen konnte und ausgewechselt werden musste. Erste Hilfe leistete auch Ticker-Gott Arvid von und zu Schönfeld-Schmidt-Sommerfeld, der einen Kühlakku beisteuerte. Gute Besserung an dieser Stelle nach Kandelin!

Gefährlich wurde es kurz vor der Pause noch für die Ordner und Verkäuferin am Einlass, als Spielführer Uteß einen Freistoß über den Fangzaun und gegen die Brinkmannsche Edelkarosse jagte – nur knapp kamen die Gelbwesten mit dem Leben davon. Und als sie sich kaum von diesem Schock erholt hatten, fiel dann der Führungstreffer für die Hausherren. Tratz hatte in seiner unnachahmlichen Art im 1:3-Dribbling einen Freistoß erzwungen, den Friedrich dann auf das Torwarteck setzte. Bahls konnte den Treffer noch verhindern, den Ball jedoch nur nach vorne abklatschen lassen, wo Lulatsch Lenz abstaubte. So gingen die Greifswalder mit einer Führung im Rücken in die Halbzeit.


Arne Brinkmann wusste die Anfangsphase des zweiten Spielabschnitts für sich zu nutzen: In der 54. Minute sah er für eine Grätsche an der Mittellinie zurecht die gelbe Karte. 5 Zeigerumdrehungen später dann schon der Platzverweis für Mister JAKO, als sein Gegenspieler clever den Kontakt im Mittelfeld annahm, den AB4 noch zu vermeiden versuchte. Eine vielleicht etwas überharte Entscheidung, das erste Foul nach der Verwarnung direkt mit der Ampelkarte zu bestrafen, aber eine vertretbare Entscheidung. Ein Fuchs, dieser Brinkmann, der jetzt drei fußballfreie Wochenenden hintereinander vor sich hat: Nächste Woche hat die HSG regulär spielfrei im Ligabetrieb, danach dann die Sperre gegen Völschow durch den eingehandelten Platzverweis gegen Kandelin. Im darauffolgenden Pokalspiel ist er durch eine gelb-rote Karte aus der letzten Runde ebenso gesperrt – nicht nur einen buschigen Schwanz haben, Fuchs muss man sein.

Nun in Unterzahl agierend zog sich die HSG zurück und konzentrierte sich darauf, die Führung zu halten. Durch einen Entlastungsangriff über die rechte Seite in der 74. Spielminute konnten die Gastgeber dann die Führung verdoppeln. Von der rechten Seite kam die Flanke auf den langen Pfosten, wo Lenz den Ball aus der Luft pflückte, 2 Gegenspieler mit locker-lässigen Lupfern ausspielte und anschließend das Spielgerät auf seinen einschussbereiten Fuß fallen ließ, von wo aus dieses durch die Beine des Torwartes über die Linie hüppelte.

Keine 10 Minuten später erfolgte dann die Antwort der Kandeliner, die durch Obuba den Anschluss erzielen konnten. Jener hatte zunächst vor allem auf dem Oberschenkel von HSG-Mittelfeldterrier Jarchow Eindruck hinterlassen. Nach einer Flanke von der linken Angriffsseite vollendete er artistisch und sehr ansehnlich per Seitfallzieh-Aufsetzer, vom Innenpfosten überquerte der Ball die Linie. Ordner, Fans und Platzwart waren sich einig: Keine Chance für den Torwart, dazu wurde ein Diskurs angeregt, ob ein Kopfball nicht die leichtere Variante gewesen wäre – so oder so, Kandelin war zurück im Spiel.

Zuvor und auch danach waren die lange Bällen relativ leichte Beute für die vielköpfige Abwehr der Greifswalder bzw. für Keeper Sadik, der scheinbar Kleber an den Händen hatte, so sicher fischte er die langen Eier aus der Luft. So brachte die HSG die Führung ohne die größte Not über die Zeit und sichert sich so den 2. Heimsieg der Saison.


So gibt es im 12. Aufeinandertreffen den ersten Dreier für die Hausherren, der „Fluch von Kandelin“ ist also gebrochen. Die Hansestadt grüßt nach 5 Spieltagen von Platz 1, wenn auch Helmut zurecht anmahnt, es sei weiterhin das oberste Ziel, auf oder über dem 7. Rang am Ende der Saison zu stehen. Kandelin liegt weiterhin im Keller der Tabelle auf Position 10. Der SVK erwartet nächste Woche den Traktor aus Groß Kiesow zum Duell der Tabellennachbarn (Stand: Vor den Sonntagsspielen des 5. Spieltages), die Greifswalder haben spielfrei und können die morschen Knochen hochlegen.

Ein besonderer Dank geht noch raus an die West-Verwandtschaft von Fabio Friedrich: Auch wenn sie ihn nicht zu seinem ersten Tor für die HSG motivieren konnten, so zeigten sie sich nichtsdestotrotz gönnerhaft und öffneten das Portemonnaie, 20€ gab es für die Mannschaftskasse – das nennt man wohl ein modernes West-Paket. Keine Sorge, wir werden die Spende sinnvoll zu investieren wissen.


HSG spielte mit: Sadik – Knobloch, Uteß (C), Brinkmann – Luig (85. Boeck), Friedrich, Jarchow, Schwunke (75. Würzner), Paetzold – Tratz, Satzel (79. Krüger)


Text: Moritz Hahn 


HSG nach sechs (Pokal-)Spieltagen weiter ungeschlagen


Der 4. Landesklassenspieltag führte die HSG Uni Greifswald am Samstag, dem 11.09.2021 in das nicht allzu weit entfernte Lubmin, dort wartete der SV Sturmvogel auf neuem Geläuf samt feiner Leichtathletik-Anlage auf die Chance, dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage hinzuzufügen. Das dies so kommen sollte wurde im Vorfeld durchaus im Bereich des Möglichen gesehen, da sich bis Donnerstag nur zehn(!) Spieler im HSG-Kader wiederfanden.

Die vielen Urlauber sowie einige Verletzungen (derlei drei nahm man aus der Pokalsensation gegen des TSV Bützow mit) sorgten also dafür, dass sogar die lebende Libero-Legende Lohmann kurz vor ihrem Comeback stand, allerdings zeigte auch Pille starken Einsatz und inkludierte das Spiel in seinen Familienurlaub, sodass man letztendlich mit 12 schlagkräftigen Mannen aufdribbeln konnte.

Auf der Hinfahrt wetteten der Kootsch Schönfeld und seine Stütze (oder eher Krücke) noch, wer die Tore für die HSG schießen würde, (fürs Protokoll: Kootsch tippt Pille, Krücke tippt Brecht per Kopf) und nach einer fixen Ansage sowie konzentrierten Erwärmung blies Schiri Kogina nach erfolgreicher Überprüfung der Spielerausrüstung zum Anpfiff.


Und schon ziemlich bald nach diesem ging es zur Sache: In Minute drei sah sich Brecht ob der laschen Stollenüberprüfung durch das Gespann dazu genötigt, selbst Hand oder besser Wange anzulegen und Biss nach einem Luftzweikampf in den Stollen des lubminischen Angreifers. Dieser schien ihm nicht besonders zu schmecken, denn sofort sammelte Zeugwart, Biertransporteur und Hebamme Schmidt seine ersten Meter auf dem Feld und durfte einen stattlichen Cut bei unserem 3er versorgen. Die kurzzeitige Unterzahl steckte die HSG locker weg, nicht ganz so locker gestaltete sich dafür in den ersten 30 Minuten das Spiel mit dem Ball. Es gelangen wenig Ballstaffetten, freie Mitspieler wurden nicht gefunden und die heute relativ neu formierte Mannschaft musste sich sichtlich erst einmal reinfinden in dieses Spiel. Auch Lubmin tat nicht unbedingt viel für die schöne Seite des Spiels, gelangte allerdings immer mal wieder und vor allem nach Standards in gefährliche Räume, ohne jedoch die Abschlüsse wesentlich bedrohlicher zu gestalten. Einzig ein schöner Seitfallzieher nach kurzer Ecke muss hier erwähnt werden, dieser wurde jedoch gewohnt abgeklärt von Keeper Sadik, der auch alle weiteren Möglichkeiten in Hälfte eins souverän bereinigte, an den Pfosten telepathiert. Im Anschluss dann zeigte sich die HSG endlich zielstrebiger und nach einem niedlichen 30-m-Hoppelschuss von Pille kam es zur ersten Großchance durch Liga-Debütant nr.1 Paetzold. Jener umkurvte nach feinem Steilpass von Friedrich den Keeper, traute dann jedoch seiner linken Stelze nicht ganz und rotierte, anstatt den Schuss aus spitzem Winkel zu versuchen, noch um ein bis drei weitere Verteidiger und vertändelte schließlich die Gelegenheit. Nach einer Ecke dann säbelte Debütant nr. 2 Schwunke im Rückraum einen Dropkick in die Fangzaunmaschen, nur vier Minuten später dann wurde Paetzold die abermalige Führungschance per Abseitsfahne vom Fuß weggenommen; nach filigranem Steckpass von Schwunke hob der SRA2 zum Leidwesen der HSG-Bank seinen rechten Arm samt Winkelement. Eine Minute vor dem Pausentee dann der nächste Aufreger: Nach gescheiterter Freistoßvariante von Kapitän Uteß legte Schwunke den Ball am Gegner vorbei und sich selber in die schöne Strafraumwiese, noch bevor allerdings der dann übliche Schrei kommen konnte, hatte der heute mit kurzer und konsequenter Leine agierende Chef auf dem Platz für Schwalbe befunden und den gelben Karton hübsch präsentiert. Somit ging es ohne Tore in die Pause, ein Zwischenstand, mit dem die HSG gut leben konnte, hatte man doch mit Ball noch einige Probleme, diesen gescheit laufen zu lassen sowie ohne Ball das ein ums andere Mal dem Gegner zu viel Raum bei der An- und Mitnahme gegeben.


Diese angesprochenen Verhaltensweisen wollte man in der zweiten Halbzeit verbessern, jedoch sahen sich die Uni-Kicker gleich mal einer kleinen Druckphase ausgesetzt. Die körperlich dominanten Sturmvögel konnten jedoch kein Kapital aus ihren Vorträgen schlagen, entweder flogen die Schüsse soweit neben das Tor, dass Sadik nun wirklich gar keine Chance hatte, den Ball zu halten, oder aber in seinen Handschuhen war Endstation. Und so setzte nach elf Minuten die HSG dann einen erfolgreichen Nadelstich: Nach einer guten Ecke von links (Friedrich) setzte Brecht zum Kopfball an und an der Seitenlinie frohlockte man schon ob der gewonnenen Wette, allerdings landete der Ball auf dem Fuß und einen ersten Schussversuch konnte der Heim-Keeper zunächst parieren, gegen das energische Gestocher des Linksverteidigers jedoch nichts mehr entgegensetzen und so stand es 0:1, mal wieder hatte man über einen Standard genetzt.

Das Tor sollte der HSG ein bisschen mehr Sicherheit geben und man war bemüht, direkt nachzulegen, allerdings stoppte die Nr.3 der Gäste ein aussichtsreiches Dribbling unserer Nr. 16 sehr unschön, in dem der Fuß von hinten ohne Chance auf den Ball den Schienbeinkopf suchte und auch fand. Das weithin hörbare Scheppern zog dunkelgelb nach sich und zum Glück schien die Aktion keine Folgeschäden nach sich zu ziehen, den fälligen Freistoß zirkelte Brecht dann äußerst knapp rechts am Gehäuse vorbei, und vertagte so eine mögliche Vorentscheidung.

Insgesamt wurde das Spiel nun etwas ruppiger (O-Ton Henski: „Giftigeeer“) und auch die Trainerbänke wollten irgendwie auf das Geschehen einwirken, mit positiven wie negativen Folgen, denn so wurde der Heimspielertrainer Kusch in der 71. Minute nach zu wildem Meckern verwarnt.

Kurz vor Beginn der Schlussphase sollte dann der Regen einsetzen und Keeper Sadik signalisierte, neues Schuhwerk zu benötigen, weswegen der Autor dieses Textes den verdienten 1:1-Ausgleichstreffer leider lediglich per Audiosignal aus der Kabine zur Kenntnis nahm.

Kusch hatte nun genug gesehen und wechselte sich selber ein, Schönfeld reagierte und warf Athmani (seit Kurzem auch als Doebler gefürchtet, herzlichsten Glückwunsch nochmal!) für den ausgelaugten Reichel ins Spiel und beide Mannschaften krampften sich dem Ende entgegen. In der Seestraße setzten die Grünen dem Sturm noch einmal alles entgegen und hatten auch Glück, dass die Heimmannschaft nicht konsequent abschloss. In der anderen Spielfeldhälfte kombinierte man noch vereinzelt gut, nur um sich dann meist einmal zu oft zu verdribbeln.

Und so blieb es schließlich bei einem leistungsgerechten Unentschieden in einem sicherlich nicht hochwertigen Spiel, aber anhand der fertigen Gesichter und dem Drang nach hopfenhaltigen Erfrischungsgetränken konnte man erahnen, dass jeder Spieler viel investiert hatte, gerade die Flügelzange Luig-Knobloch musste resümieren, den Fußballsport in den zurückliegenden 90 Minuten vor allem als Laufsport mit seltenem Ballkontakt erlebt zu haben.


Unter dem Strich bleibt die HSG mit acht Punkten nach vier Spieltagen wie auch der SV mit deren sechs Punkten ungeschlagen und über jenem Abstiegsstrich, der nach 24 Spielen hinter dem Siebt-/Achtplatzierten gezogen wird.

Schon kommenden Samstag lädt das Greifswalder Team dann um 14 Uhr den SV Kandelin aufs heimische Kunstrasenfeld ein, Lubmin begrüßt nur 24 Stunden später den Traktor aus Groß Kiesow.


HSG spielte mit: Sadik - Brinkmann, Uteß, Brecht - Friedrich, Henski - Knobloch, Schwunke, Luig - Reichel (83. Athmani) , Paetzold


Text: Christoph-Isaak Krebes



Hart erarbeiteter Auswärtssieg – HSG schlägt Zweitvertretung von Empor Richtenberg


Nach dem erkämpften Unentschieden gegen den FC Rot-Weiß Wolgast ging es für die HSG am Sonntag, dem 22. August zum zweiten Spieltag der Landesklasse II nach Richtenberg, wo man sich mit der Zweitvertretung der SG Empor duellieren sollte. Diese beendete die vergangene Corona-Saison auf dem ersten Platz der Kreisoberliga und war somit neu in die Landesklasse aufgestiegen. Zu diesem Spiel reisten die Uni-Kicker aus allen Winkeln Mecklenburg-Vorpommerns an. Steve Athmani kam aus Rostock, Robert Hahn reiste aus Toddin an und nahm unterwegs noch Maximilian Brecht aus Rövershagen mit. Kapitän Uteß und der Rest traten aus Greifswald und Umgebung die Reise an. Peter Henski, Starsechser der vergangenen beiden Spiele, kurierte sein in diesen Begegnungen stark lädiertes Knie mit freundlicher Unterstützung von Peter Struck auf dem Pangea-Festival aus. Diese Kuranstalt muss demnächst vielleicht auch Moritz Hahn besuchen, der kurzfristig mit Oberschenkelproblemen ausfiel. Kootsch Schönfeld wollte von seiner Truppe erneut den Einsatz und den Kampf sehen, welche den erfolgreichen Saisonstart ermöglicht hatten.

Erste Highlights setzte vorab schon der Stadionsprecher mit dem korrekten Vorlesen der Aufstellung nebst feierlicher Einlaufmusik.

Ammar Kassem kam nach überstandener Muskelverletzung zu seinem Startelfcomeback. Ein Fragezeichen stand vor der Partie noch vor dem Einsatz von Arne Brinkmann, der sich mit einem kaputten Zeh rumschlug (mehr Details siehe vorangegangene Spielberichte). Die HSG-Legende konnte aber starten und bestand den ersten Belastungsversuch nach wenigen Minuten souverän, als es im Zweikampf mit dem Richtenberger Oliver Kohls das erste Mal schepperte. Beide Spieler blieben liegen, aber im Gegensatz zum Gegner konnte Brinkmann weiterspielen. Sein Kontrahent musste in jener siebten Spielminute ausgewechselt werden, der Gästeverteidiger jedoch malochte nach dem Motto „Was schon kaputt ist, kann nicht mehr kaputt gehen“ weiter über das Feld. Die Hansestädter taten sich von Anfang an mit dem Rasenplatz schwer, den sie ziemlich stumpf und teilweise löchrig vorfanden. Das angestrebte Kurzpassspiel wurde damit entscheidend gestört, sodass kaum gute Kombinationen entstanden. Die Heimmannschaft, die sich mit dem Geläuf etwas besser auskannte, umging das Risiko von hüppelnden flachen Anspielen, indem sie ihr Spiel größtenteils über lange Bälle aufzog. Eine erste gefährliche Situation konnte vom Generationenduo Brinkmann/Hahn mit vereinten Kräften geklärt werden. Später war auch Schlussmann Sadik das erste Mal gefordert, als er nach einem weiteren langen Ball stark im 1-gegen-1 die Null hielt. Von den Gästen kam offensiv in der ersten Hälfte ziemlich wenig, neben dem Feld beeinflusste auch die Hektik das eigene Spiel, wodurch der Spielfluss deutlich gehemmt wurde. Kapitän Uteß erfreute sich derweil eines klassischen Manndeckers, der getreu dem Motto „und du folgst ihm bis zur Toilette und zurück“ agierte. Somit musste die HSG in der Mitte vermehrt über Tratz nach vorne stoßen, und genau so kam es auch zur einzigen nennenswerten Chance für die Uni-Kicker in der ersten Hälfte: nach einem starken Solo - der mehrfach angewandte Trick wird wahlweise Roulette, Zidane oder Süle genannt - durch das Mittelfeld verfehlte Tratz mit einem Schuss aus der Distanz nur knapp das Gehäuse von Heimkeeper Lenker. Vier Minuten vor der Halbzeit mussten die Gastgeber dann bereits das nächste Mal wechseln, auch Stephan Lang musste angeschlagen runter, nachdem er von R. Hahn einen Pferdekuss abbekommen hatte. Mit einem 0:0 ging es anschließend in die Pause.

Die HSG zeigte eine fußballerisch eher unterdurchschnittliche erste Halbzeit. Da die Gastgeber relativ tief standen, fanden sich im Spielaufbau wenig Lücken. Dies veranlasste Abwehrchef Schmidt zu wilden Armbewegungen, die aussahen, als würde er sich zu Peter Henski in den Club der etwas älteren Enten gesellen wollen. Das Pressing, welches von Schönfeld angeordnet wurde, wurde wenig bis gar nicht umgesetzt und blieb daher wirkungslos. Vielmehr riskierte man durch das unkoordinierte Anlaufen eher, in einen gegnerischen Konter zu laufen. Der Wille und der Einsatz waren zwar noch gar nicht auf dem Niveau der vorherigen Spiele, aber dennoch der größte Faktor im Spiel des angereisten Teams.

Die zweite Spielhälfte begann mit etwas angepasster taktischer Ausrichtung, ähnlich wie Richtenberg sollten es nun lange Bälle für die HSG richten, da man bei Kassem Geschwindigkeitsvorteile im Vergleich zu seinem Gegenspieler erkannt hatte. Das Aufbauspiel klappte nun besser, da man es schaffte, mit mehr Ruhe den Ball zu verteilen. Chancen konnte man sich jedoch weiterhin nicht herausspielen, nur nach einem weiteren Distanzschuss von Tratz kam einmal Gefahr auf. Die besseren Möglichkeiten hatte weiterhin der Gastgeber, der ein weiteres Mal Sadik im 1-gegen-1 prüfte und erneut am starken Schlussmann scheiterte.

Nach einem hohen Ball von der linken Seite durch Hahn segelte Linksaußen Krebes nur knapp an dieser Flanke vorbei.

In der 65. Minute tauschten die Gäste das erste Mal, Maximilian Brecht ersetzte Brinkmann und seinen arg gebeutelten Zeh. Ersterer zeigte nach seiner Hereinnahme eine gute Leistung auf der linken Abwehr-Şeide. Sieben Zeigerumdrehungen später nahm sich Verteidiger Hahn ein Vorbild am sagenumwobenen Kometen-Krebes, mutierte zum Raketen-Robert und scheuerte die Kugel aus dem Mittelfeld hoch in den gegnerischen Sechzehner. Krebes versuchte, die Pille zu erwischen. Bei seinem eigentlich erfolglosen Versuch schaffte er es jedoch, Torhüter Lenker entscheiden zu irritieren, der sich auf Höhe seines Fünfmeterraumes befand. Zwischen diesen beiden trumpfte das Spielgerät auf und flog Richtung Grundlinie. Kassem schaltete am schnellsten und köpfte den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor. In gefühlter Zeitlupe flog die Knitte Richtung Tor und Lenker dem Leder hinterher. Er erreichte es zwar, jedoch nicht mehr rechtzeitig und konnte die Kugel nur noch weiter in sein Tor hineinpatschen, wodurch die HSG etwas aus dem Nichts in Führung lag. Nach anschließendem Ronaldo-Jubel und einer kurzen Irritation seitens des Offiziellengespanns um Schiedsrichter Daniel Rühling, der den Treffer zuerst Tratz gutschreiben wollte, begann die Schlussphase der Partie.

In dieser legten die Gäste in Bezug auf den Einsatz noch einmal eine Schippe drauf und taten alles dafür, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen oder besser die Vorentscheidung herbeizuführen. Durch die nun aufrückenden Richtenberger ergaben sich weitere Chancen für die Gäste. Erst schoss Krebes aus aussichtsreicher Position genau auf den Keeper, später vergab Satzel eine sehr aussichtsreiche Gelegenheit, als er nach der besten Kombination des Tages die Kugel knapp über das Tor setzte. Das Heimteam konnte dem Tor von Sadik nicht mehr richtig gefährlich werden. Einmal gab es noch Aufregung, als im Strafraum der Uni-Kicker ein Gegner zu Boden ging. Doch der Unparteiische entschied zurecht nicht auf Elfmeter, ein strafwürdiger Kontakt hatte nicht vorgelegen. In der 85. Minute kam mit Steve Athmani der zweite und zeitgleich letzte Joker von Schönfeld ins Spiel und sollte dabei helfen, das Ergebnis zu sichern. Dies tat er auch durchaus geschickt, als er kurz vor Schluss aus 15 Metern Abseits ins Spiel eingriff, was logischerweise zurückgepfiffen wurde. Somit hatte er überaus clever wichtige Sekunden für sein Team herausgeholt. Für ein weiteres Highlight sorgte Schmidt, als er einen langen Ball geschickt sowie aus Versehen durch die eigenen Beine passieren ließ, um Hahn das Spotlight für den geklärten Ball zu überlassen. Wenig später beendete Rühling schließlich und endlich die Partie. Und während Hahn seine Freude in die Richtenberger Feld- und Seenlandschaft hinausschrie, wirkte der Rest eher so, als hätte er gerade die Lieblingsoma Hildegard zu Grabe getragen. Dies lag aber an der das Team umfassenden Erschöpfung nach einem durchaus kräftezehrenden Spiel.

Die HSG sicherte sich im zweiten Saisonspiel den ersten Sieg und schaffte es, sowohl hinten die Null zu halten als auch auswärts zu gewinnen. Beides war dem Team in den vergangenen Spielzeiten durchaus schwergefallen. In einem fußballerisch schwachen Spiel entschied am Ende neben Keeper Sadik auch eine kleine Portion Glück die Begegnung. Bezogen auf den Willen zeigte man sich vor allem nach dem Führungstreffer wieder auf dem Level der zwei vorherigen Begegnungen. Durch den Sieg klettert die HSG auf Rang Vier der Landesklasse und hat wie Völschow und Lubmin nun vier Punkte auf dem Konto. Am nächsten Spieltag empfängt man am Freitag, dem 27. August nun den aktuellen Spitzenreiter, die zweite Mannschaft des TSV 1860 Stralsund. Als einziges Team war es jener Mannschaft gelungen, die ersten beiden Spiele zu gewinnen. Richtenberg begibt sich zwei Tage später nach Groß Kiesow, um sich mit der ortsansässigen SG Traktor zu messen.


HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann (65. Brecht), Schmidt, Hahn – Knobloch, Uteß, Tratz, Krebes – Satzel – Kassem, Boeck (85. Athmani)


Text: Robert Hahn



Unentschieden zum Auftakt – HSG erkämpft sich Punkt gegen Wolgast


Am Freitag, dem 13. August war es angerichtet: Nach einer viel zu langen Zwangspause durch Corona begann für die HSG Uni Greifswald endlich wieder der Ligabetrieb im heimischen Volksstadion. Die Vorbereitung konnte man durchaus erfolgreich nutzen, um sich für dieses Spiel zu präparieren. Nun ging es gegen den FC Rot-Weiß Wolgast, der in einer Umfrage des Sportbuzzers kürzlich zum Staffelfavoriten gewählt wurde (die HSG folgte übrigens auf Platz 2, man konnte also von einem theoretischen „Spitzenspiel“ sprechen). Robert Hahn vermutete bei Ankunft des Gegners vorschnell, dieser würde heute mit der B-Jugend antreten. Tatsächlich zeigten sich die Auswärtsmannen mit vielen jungen, hochmotivierten Spielern, Trainer Lanske schätzte den Altersdurchschnitt auf kaum älter als 20 Jahre, jung und spritzig also. Kootsch Schönfeld schwor seine Truppe auf diese schwere Prüfung ein und wollte vor allem an die körperliche Präsenz des Pokalerfolges gegen Kröslin anknüpfen. Weiterhin wurde vor Anpfiff noch der neue Kapitän der pfeffigrünen Truppe verkündet: Liberozehner Martin Uteß trägt in der kommenden Saison 2021/22 die Binde am Arm.

Beinahe hätte Wolgast die HSG aber kalt erwischt, als nach zwei Minuten ein Fernschuss aus grob geschätzten 37,8 Metern in einem hohen Bogen auf die Latte des Tores von Schlussmann Sadik klatschte. Dem anschließend zur Seitenauslinie rollenden Ball rannte jener wie ein Besengter hinterher und sorgte dafür, dass die Kugel sicher die Spielfeldmarkierung passieren konnte. In den Anfangsminuten zogen sich Hansestädter in die eigene Hälfte zurück und wollten mit schnellen Gegenstößen erfolgreich sein. Und schon bald sollten sich so erste Chancen ergeben: in Minute vier fand Stürmer Satzel nach Pass von Krebes im 1-gegen-1 mit dem letzten Verteidiger keinen Abschluss. Da hatte wohl Lenz Paetzold den Controller in der Hand, der seine Schusstaste für gewöhnlich ausbaut, da sie ihn beim Dribbeln stört. Wenig später schob Linksaußen Krebes eine Flanke von Satzel, der sich vorher auf dem rechten Flügel stark durchgesetzt hatte, technisch anspruchsvoll nur knapp neben den linken Pfosten. Da bekanntlich alle guten Dinge drei sind, war der nächste Schuss der Uni-Kicker erfolgreich. Einen Chipball von Abstoßspezialist Schmidt verlängerte Satzel in den Lauf von Knobloch, der in der achten Minute eiskalt vollendete. Die wilden Abseitsreklamationen der Gäste blieben ungehört, sie lagen nun in Rückstand. Die Gastgeber zeigten sich in der ersten halben Stunde defensiv konzentriert und aggressiv in den Zweikämpfen, wodurch Wolgast sein spielerisches Potenzial kaum ausschöpfen konnte. Nur einmal gab es aus dem Nichts die Riesengelegenheit für sie, auszugleichen. Einen langen Ball verlängerte M. Hahn unglücklich über Libero Arvid Schmidt, wodurch zwei Wolgaster Jungspunde alleine auf das Greifswalder Tor zuliefen. R. Hahn versuchte zwar noch, hinterherzuhecheln, befand sich aber in keiner guten Position, um zu einer seiner berüchtigten Grätschen anzusetzen. Seine pure Präsenz verunsicherte vermutlich den Wolgaster, der den Ball urplötzlich verstolperte. Der am Bolden liegende Sadik verrenkte sich den Arm wie ein Schlangenmensch und konnte so die Gefahr abwehren. Ansonsten blieb die HSG ihrer taktischen Linie treu und kam auch zu Chancen, die Führung auszubauen. So verzog Satzel nach Jahrtausendpass von Stürmerkollege Boeck knapp. Letzterer setzte einem eigentlich ungefährlich Richtung Wolgast-Schlussmann Zimmermann kullernden Ball stark nach und kam vor diesem noch zum Abschluss. Der Keeper konnte aber entscheidend zur Ecke abfälschen.

Der Gast änderte während der Halbzeit seine Taktik und versuchte es vermehrt mit langen Bällen, die aber meistens erfolglos blieben. Auch die technische Qualität der eigenen Spieler wurde damit mehr oder weniger geschickt umgangen. Die HSG allerdings musste dem läuferischen Mehraufwand mit der Zeit Rechnung tragen, und so wurde in Minute 36 der ballführende Spieler der Rot-Weißen zu lange nicht gestört, sodass dieser in Ruhe einen Flugball in den 16er der HSG schlagen konnte. Dort lief Morice Theelke perfekt ein und versenkte das Leder durchaus anspruchsvoll direkt im rechten Eck. Der Ausgleich stärkte die Gäste für die restliche Halbzeit. Zwei Zeigerumdrehungen vor der Pause stand Künnemann zentral völlig blank auf der Markierung des Strafraums, wurde per Flanke bedient und setzte die Kugel mit einem feinen Volleyschuss hinein ins Tor der Gastgeber. Ein aus Sicht der Greifswalder unnötiger Rückstand, hatte man selber die Möglichkeiten zu weiteren eigenen Treffern schließlich nicht genutzt. Wenig später hatten sie dann etwas Glück, als Verteidiger R. Hahn im Sechzehner etwas übermotiviert zur Grätsche ansetzte und beinahe den feindlichen Stürmer abräumte. Dieser nahm diese Vorlage zu einem Elfmeter aber nicht an, womit man vor weiteren Ärgernissen verschont blieb.

In der Halbzeit dann der nächste Schock: Der angehende HSG-Hall-of-Famer Brinkmann musste mit kaputtem Zeh runter, da dieser bereits begann eine stolze blaue Farbe anzunehmen. So kam Ammar Kassem zu seinem etwas verfrühten Comeback nach monatelanger Verletzung, eigentlich war er nur für 20 bis 30 Minuten (Stichwort letztes Tor entscheidet) eingeplant und sollte behutsam wieder an die Belastung herangeführt werden. Aber die Landesklasse schreibt schließlich ihre eigenen Gesetze.


Die zweite Hälfte begann mit offensiven Wolgastern, die in den ersten fünf Minuten zwei aussichtsreiche Abschlussmöglichkeiten liegen lassen. Diese Halbzeit sollte von der geballten Willens- und Kampfkraft der Heimmannschaft geprägt sein. Wolgast blieb ihrer neuen Ausrichtung mit langen Bällen treu und verpasste es dadurch, seine eigentliche technische Überlegenheit auszuspielen. So konnten die Flugbälle in den meisten Fällen souverän verteidigt werden. Die Hansestädter verzichteten auf ein erneutes frühes Feuerwerk und fokussierten sich primär darauf, kein weiteres Gegentor zu kassieren, was definitiv den Genickbruch hätte bedeuten können. Durch den neuen, frischen Kassem kam offensiv zwar etwas mehr Schwung und Tempo in das Spiel, gefährliche Abschlüsse entstanden jedoch nicht annähernd. Doch dann hatte Satzel einen Geistesblitz. Ein flaches Anspiel im Zentrum schnippelt er unnachahmlich mit dem/der rechten großen Onkel/Innenseite/Pike in den Lauf von Spielführer Uteß, der sich physisch stark im Zweikampf durchsetze und aus linker Position im Strafraum die Pille über Torhüter Zimmermann zum 2:2 in die Maschen wuchtete. Ein durchaus unerwarteter, aber dennoch nicht unverdienter Ausgleich. Dieser entflammte den Willen der Heimmannschaft auf ein noch höheres Niveau, überall sah man in den Zweikämpfen die Greifswalder hervorgehen. Dieses Feuer manifestierte sich in Sechser Henski, der nach einem Sprint von der Mittellinie bis zum eigenen Strafraum, für den er nur sechs Schritte brauchte, zu einer sensationellen Grätsche ansetzte, die Tackling-Fanatiker R. Hahn noch so manch feuchte Träume bescheren wird. Kurze Zeit später lag Henski am Boden und bei der HSG musste man sich (mal wieder) fragen, ob dem Spieler (trotz neuer Kniebandage in bester Arjen-Robben-Manier) jetzt endgültig das Knie den Dienst verweigert hatte. Aber wie jedes Mal stand Henski auf wie ein Boxer, der eigentlich schon K.O. ist, aber gerne nochmal die hübschen Damen sehen möchte, die zwischen den Runden die Schilder hochhalten. 

Mit einsetzendem Platzregen, begleitet von Blitz und Donner in nicht allzu weiter Ferne, ging die Partie in die Schlussphase. Ein Assistent des Unparteiischen Niklas Knaak forderte schon leise und nur für sich ein, der Offizielle möge die Partie doch unterbrechen. Dies wäre aufgrund der Wetterlage auch nicht verwunderlich gewesen. Knaak hingegen ließ weiterspielen und ermöglichte der HSG somit eine weitere Regen-Flutlicht-Schlacht in den Annalen des Unisportvereins. Jeder Spieler gab alles, um das Ergebnis zu sichern. Man vergab sogar in Person von Kassem die Chance, erneut in Führung zu gehen. Vorher hatte Krebes in einer starken Pressingaktion den Ball erobert und war anschließend durchaus elfmeterwürdig gefoult worden, was aber keine entsprechenden Konsequenzen hatte. Dem Gast gelang es nicht, entscheidend vor das gegnerische Gehäuse zu kommen, stets war ein gegnerisches Abwehrbein dazwischen. In den Schlussminuten sorgte Sadik bei Schmidt noch einmal für einen Herzkasper, als er eine Bogenlampe souverän auf die Latte seines Tores schaute. Der Libero hatte schon Flashbacks an Piplica, blieb von einem solchen Ereignis aber verschont. Kurz nach diesem letzten Aufreger beendete Knaak die Begegnung. In den Gesichtern der grün gekleideten Spieler machte sich pure Freude und Erleichterung breit, während der Gast eher zerknirscht wirkte.


Somit endete die erste Partie der HSG Uni Greifswald mit einem leistungsgerechten 2:2 gegen den vermeintlichen Staffelfavoriten, der selber aber auch aufgrund des niedrigen Altersdurchschnittes kleinere Brötchen bäckt. Nach der frühen Führung und dem unglücklichen sowie unnötigen Rückstand zeigte man eine wahre Mentalitätsleistung und erkämpfte sich im strömenden Regen ein Unentschieden, das man wie einen Sieg feierte. Am nächsten Spieltag fährt man dann zu ungewohnter Stunde am Sonntag, dem 22. August nach Richtenberg, um sich dort um 14:00 Uhr mit der Zweitvertretung der SG Empor zu duellieren. Diese hat nach zwei Aufstiegen in vier Spielzeiten den Schritt in die Landesebene geschafft. Wolgast misst sich ebenfalls mit einem Aufsteiger und empfängt einen Tag vorher die SG Traktor Groß Kiesow im heimischen Peenestadion.


HSG spielte mit: Sadik – Brinkmann (45. Kassem), Schmidt, R. Hahn – Knobloch, Uteß, Henski, Krebes – M. Hahn – Satzel, Boeck


Text: Robert Hahn



Packender Pokalfight unter Flutlicht 

HSG schlägt SV Kröslin 1950 mit 4:3


Zum ersten Mal seit dem 2. September 2017 (einer 0:5-Niederlage in der zweiten Runde gegen Malchin) gab es für die HSG wieder ein Pokalspiel im eigenen Stadion. Man empfing am 6. August 2021 zum Auftakt des großen Greifswalder Pokalwochenendes (am folgenden Tag spielte der GFC im heimischen Volksstadion gegen FC Augsburg) den Aufsteiger aus Kröslin, mit dem man sich auch in der kommenden Spielzeit zweimal in der Landesklasse duellieren wird, zur ersten Runde des Lübzer-Pils-Cups. Die Euphorie des Pokals war bei den Spielern schon im Voraus spürbar. Andre „Pille“ Reichel hatte seinen Urlaub verschoben, Spielmacher Martin Krüger seine Schicht getauscht und Robert Hahn ignorierte den angebrochenen Zeh und die ärztlich verschriebene und eigentlich noch geltende Ruhepause, um bei diesem Event dabei zu sein. Vor dem Anpfiff warnte Coach Schönfeld seine Schützlinge vor der physisch harten Gangart der Gegner. Vor einer Zuschauermenge, die die meisten der Spieler wahrscheinlich noch nie erlebt haben dürften (sogar Kandelin schaute nach seinem Testspiel noch vorbei), pfiff Schiedsrichter Robby Kullat die Begegnung an.

Die HSG zeigte sich von Beginn an defensiv konzentriert und offensiv mit guten Ansätzen, jedoch mangelte es eine Zeit lang an der Präzision. So zeigte R. Hahn eindrucksvoll, warum er für seine Grätschen und nicht für seinen Abschluss bekannt ist, als er nach einem Boeck-ähnlichen Durchbruch auf der rechten Seite nach feinem Zusammenspiel mit Tratz viel zu hektisch abzog und das Leder weit links am gegnerischen Kasten vorbeisetzte. Wenig später reaktivierte Krüger seine längst vergessene Breakdance-Vergangenheit, als er den Ball im Sitzen unglaublich filigran quer durch den gegnerischen Sechzehner zu Tratz legte, der jedoch anschließend das halbleere Tor verfehlte. Die ruppige Spielweise der Gäste musste dann Arvid Schmidt am eigenen Leib beziehungsweise Auge im vollen Umfang erleben, als er im Zweikampf mit dem Kapitän dessen Ellenbogen ins Gesicht bekam und mit einem Cut das Spielfeld verlassen musste. Die Blutung schien nicht mehr aufhören zu wollen, wodurch der eine oder andere vielleicht schon mit einer länger anhaltenden Unterzahl der Gastgeber rechnete. Diese schien der eine Mann weniger aber nicht zu stören. Den fälligen Freistoß aus der eigenen Hälfte drosch Linksaußen Krebes in gewohnter Kometen-Manier nach vorne, der auftrumpfende Ball überforderte einmal mehr an diesem Abend die Verteidigung der Krösliner. Tratz setzte sich geschickt im Zweikampf gegen den Abwehrspieler durch und schob die Kugel souverän im linken unteren Eck ein. Nach 24 Minuten war somit die verdiente Führung für die HSG erzielt.

Nach dieser gab es jedoch einen kleinen Bruch im Spiel der Hansestädter. Kröslin schob nun höher und schaffte es somit, den Spielaufbau der Heimmannschaft effektiv zu stören, wodurch man vermehrt auf lange Bälle zurückgreifen musste, die dennoch nicht ungefährlich blieben. In der 34. Minute dann auf einmal der Schock: Nach eigenem Freistoß verloren die Hausherren den Ball, beim anschließenden Konter wurde dieser gut durchgesteckt, sodass R. Hahn als letzter Mann zu einer riskanten Grätsche ansetzen musste und im ersten Moment bewies, dass er diese Technik lehrbuchmäßig beherrscht. Er schaffte es zunächst, fair den Ball zu spielen, musste nach einem Moment der Euphorie aber mit ansehen, wie dieser am verdutzten Keeper Sadik vorbeirollte und den Weg ins eigene Tor fand. Durch diese unglückliche Aktion war das Spiel aus dem Nichts wieder ausgeglichen, und die Gäste zogen aus diesem plötzlichen Erfolgserlebnis nun Energie. Sieben Minuten später landete ein Diagonalball rechts in der Box bei Marlon Thiemke, der das Leder gut mitnahm und aus spitzem Winkel abzog. Sein Schuss schlängelte sich irgendwie durch die Beine von Sadik und landete in den Maschen, womit die Begegnung nun zugunsten der Gastmannschaft gedreht war. Die Hansestädter wollten nicht mit diesem aus ihrer Sicht unglücklichen Ergebnis in die Pause gehen und versuchten, davor noch den Ausgleich zu erzielen. Nach einer Flanke von Paetzold von der linken Seite kam Kometen-Krebes aus sechs Metern unbedrängt zum Abschluss, platzierte diesen jedoch kläglich genau auf dem Schlussmann, der somit problemlos parieren konnte. Also ging es mit einem knappen Rückstand in die Halbzeit.


Hier kam es nun zur Weissagung des Fast-Propheten und Abwehrspielers Würzner, der bei seinem Pflichtspieldebut seinem Team in der zweiten Hälfte drei Tore voraussagte. Dadurch angespornt und mit neuer taktischer Ausrichtung startete man in den zweiten Abschnitt der Partie. Aufgrund des nun durchgeführten hohen Pressings brachte man den Gegner immer wieder in die Bredouille und konnte einige frühe Ballgewinne erzwingen. Ebenfalls näherte man sich Schritt für Schritt dem feindlichen Gehäuse an. So tauchte Paetzold alleine vor jenem auf, stand allerdings im Abseits. Wenig später konnte Moritz Hahn, verwandt oder verschwägert mit Verteidiger R. Hahn, einen langen Ball von Uteß nicht kontrollieren und verpasste die Ausgleichschance. In der 62. Minute belohnten sich die Hansestädter schließlich, als Krüger eine Flanke von Krebes unnachahmlich im Fallen in die kurze Ecke pikte. Jener Treffer sollte Auftakt zu ereignisreichen Minuten sein. Nur drei Minuten später steckte Henski bei einem Konter blitzsauber zu M. Hahn durch, der freistehend vor Torwart Kanz seinem Motto „nur Luppen“ treu blieb und es mit einem Heber versuchte. Mit angehaltenem Atem verfolgten Spieler, Trainer und Zuschauer den langsam Richtung Tor hüppelnden Ball, der schließlich nicht die Linie überquerte. Er prallte vom Pfosten zurück ins Feld. Moritz Wegener war damit wohl überfordert und konnte die ihn nahezu anspringende Kugel nicht annehmen. Von seinem Schienbein aus überquerte das Leder nun doch die Linie, die HSG bejubelte die erneute Führung. 

Dieses Hoch wurde jedoch jäh unterbrochen, als eine Zeigerumdrehung später Gästekapitän Jacubowsky sich von links in den Strafraum dribbelte. Sein eigentlich schon verlorener Ball kam auf unerklärliche Weise zu ihm zurück, und er setzte erneut zum Sololauf an. Er fand die Lücke in der Verteidigung, stieß hinein und legte das Spielgerät überlegt in die lange rechte Ecke. Dieser Treffer bedeutete auch ein abruptes Ende der gerade frisch aufgekommenen Hochstimmung der Heimfans sowie eine dampfende Glatze bei Trainer Schönfeld. Das Spiel zeigte sich weiterhin schon länger durchaus ruppig, so musste mehrmals bei Henski befürchtet werden, dass dieser nun endgültig ein künstliches Kniegelenk bräuchte. Wie durch ein Wunder schaffte er es aber bis zu seiner Auswechslung in Minute 84 weiterzuspielen.

Der Kootsch brachte zuvor in der 72. Minute die HSG-Legende Brinkmann ins Spiel, welcher sofort dem Gegner die Grenzen aufzeigte. Kurz nach seiner Einwechslung legte er sich mit dem Torschützen des 3:3 an, in wessen Folge beide Gelb sahen. Jens Simoleit sah schon in diesem Moment den ehemaligen Spielführer später das Feld vorzeitig verlassen. Das Spiel stand nun auf Messers Schneide, beide Teams spielten auf Sieg und wollten eine Verlängerung verhindern. So fanden beide Mannschaften jeweils mehrmals den Weg in die gegnerische Zone, ihnen mangelte es dennoch an gefährlichen Abschlüssen. Dies änderte sich acht Minuten vor Schluss, als Paetzold rechts im Strafraum zum Pikeschuss ansetzte. Sein abgefälschter Schuss passierte den fliegenden Henski, der in diesem Moment grazil wie eine etwas ältere Ente durch den 16er segelte und auch ähnliche Laute von sich gab. Alles natürlich nur Ablenkung. Das Leder landete überraschend links beim völlig freien Krüger, der noch ein paar Schritte in die Mitte zog und dann in die lange Ecke zum 4:3 traf. Die Vorhersage der Halbzeit von Würzner hatte sich somit erfüllt. Grenzenloser Jubel bei den Gastgebern, der auch spannende Schlussminuten einläuten sollte. 

Kröslin wollte sich mit dem frühen Pokal-Aus nicht abfinden und warf noch einmal alles nach vorne. Zuerst verhinderte Sadiks rechte Patsche, dass der Abschluss des gegnerischen Stürmers nicht ins, sondern nur am Tor vorbeirollte. Bei einem langen Ball konnte er in letzter Sekunde verhindern, dass die ihn erst überspringende Kugel vollständig die Linie passierte. Mit ablaufender Zeit zeigten sich auch immer mehr die Emotionen der Gästefans, die am Ende fast im Minutentakt ihre Meinung über das Unparteiischengespann kundtaten. Die letzten Zeigerumdrehungen wurden immer brenzliger für die HSG und man sehnte nur noch den Schlusspfiff herbei. Als Brinkmann im eigenen Strafraum noch einmal zur Grätsche ansetzte, stockte allen kurz der Atem und Simoleit sah seine Voraussagung einer roten Karte für den Abwehrspieler wohl bestätigt. Der Mann, dessen Namen nur in Kombination mit seiner legendären Nummer Vier genannt werden darf, spielte jedoch fair den Ball, belehrte Simoleit eines Besseren und bereinigte gekonnt die Situation. Kurz vor Abpfiff gab es eine letzte Riesenchance für die Gäste, doch noch den Ausgleich zu erzielen. Ein Krösliner konnte plötzlich zwölf Meter vor dem Tor vollkommen frei abziehen. Sadik konnte das entscheidende 1-gegen-1 aber für sich gewinnen und sicherte seiner Mannschaft mit diesen mutigen Paraden somit den Einzug in die nächste Pokalrunde, denn wenig später beendete der Offizielle Kullat die Begegnung.

Dieser Erfolg bedeutete den ersten Heimsieg im Pokal seit dem 6. September 2014, damals ein 5:3-Erfolg gegen den FSV Reinsberg. Beim Comeback im zweiten Wettbewerb neben dem Ligabetrieb nach zweijähriger Abstinenz startete die HSG stark in die Partie, lag dennoch zur Halbzeit ein wenig unverdient hinten. Durch eine Leistungssteigerung, ein wenig Glück und schließlich Torhüter Sadik erreichte man letztendlich die zweite Runde des Lübzer-Pils-Cups, in der man am 4. September ebenfalls im Volksstadion den Landesligisten TSV Bützow empfängt, die nach dem Abstieg aus der Verbandsliga in ihre Saison in der Landesliga Nord starten. Weiter geht es für die Hansestädter aber am 13. August, wo unter Flutlicht gegen den FC Rot-Weiß Wolgast die neue Saison begonnen wird. Kröslin spielt an diesem ersten Spieltag gegen den Sturmvogel aus Lubmin.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch an alle Ordner und Helfer im Hintergrund, die den ganzen Abend zu einer gelungenen Sache abgerundet haben.


HSG spielte mit: Sadik – R. Hahn (72. Brinkmann), Würzner, Schmidt – M. Hahn, Uteß, Henski (84. Boeck), Krebes – Krüger – Tratz, Paetzold (88. Reichel)


Text: Robert Hahn



Schützenfest in Steinhagen

HSG beendet Vorbereitung mit furiosem 15:1-Sieg


Zum letzten Test vor den Pflichtspielen ging es für die HSG am 30. Juli nach Steinhagen zum ortsansässigen Kreisligisten, bei dem mit Kapitän Nils Methling auch ein ehemaliger HSG-Halbprofi in der Startaufstellung stand. Nach dem Unentschieden in der Vorwoche gegen die SG Insel Rügen wollten die Hansestädter die Vorbereitung mit einem guten Ergebnis abschließen und starteten dementsprechend motiviert. Mit Gastspieler Niclas „Niclas“ Gleisner, der sein erstes Spiel für die HSG absolvierte, zeigte sich die Gästemannschaft von Anfang an stark im Pressing und gekonnt in den Kombinationen. Bereits in der fünften Minute ergab sich die erste Gelegenheit auf das 0:1, Rechtsaußen Knobloch scheiterte jedoch am rechten Außenpfosten. Vier Zeigerumdrehungen hatte Mittelstürmer Moritz Hahn die große Chance auf die Führung, seinen Lupfer alleine vor dem Torwart setzte er jedoch übers Tor. Sein selbst deklariertes Motto „Nur luppen“ hat somit weiterhin eine beeindruckende nullprozentige Erfolgsquote. Besser machte es in der zehnten Spielminute Nico Tratz, der einen Torwartfehler ausnutzte und den fallengelassenen Ball mit der Hacke durch die Beine des Keepers ins Netz schob. Dies sollte der Auftakt zu einer denkwürdigen und wahrscheinlich noch nie dagewesenen ersten Greifswalder Halbzeit sein. Nur 60 Sekunden später erhöhte Hahn auf 2:0, als er einen Steckpass erlief und souverän einschob. Vier Minuten später überwand Lenz Paetzold seine Ladehemmungen sowie Torhüter Kohls und erzielte sein erstes Tor für die HSG mit einem schönen Schlenzer aus der Distanz ins lange Eck. Dieses Mal ließ man der überforderten Heimelf, die mit dem hohen Anlaufen des Gegners nicht zurechtkam, sieben Minuten Pause bis zum nächsten Treffer. Brecht erzielte mit einem starken Abschluss schon sein zweites Tor in der Vorbereitung, da scheint der eigentliche Verteidiger wohl auf den Geschmack des Toreschießens gekommen zu sein. In der 23. Minute erzielte Gleisner nach einer auffälligen Anfangsphase nun sein erster Tor, als er nach einem Abschluss von Stürmerkollege Hahn richtig stand und eiskalt ins leere Gehäuse abstaubte. Ein Umstand, der nicht nur das Bierministerium erfreute. Generell sollte die Begegnung viele Kisten für die Mannschaftskasse der HSG bedeuten, später dazu mehr.

Der Torreigen wurde jedoch jäh unterbrochen, als nach einem Freistoß aus dem Halbfeld eine gut getretene Flanke in den Sechzehner der Gäste segelte und Ronny Witt den Anschlusstreffer aus dem absoluten Nichts erzielte. Bis dato hatte Steinhagen keinen Fuß in den gegnerischen Strafraum setzen können und war den Hansestädtern in allen Belangen gnadenlos unterlegen gewesen. Unmittelbar danach ergab sich sofort die Gelegenheit, den Rückstand weiter zu verkleinern. Bei einem vier gegen zwei Konter vergab man jedoch aus bester Position den zweiten Treffer. Glück für Schlussmann Reichel in dieser Situation, dessen mit Ibuprofen gestärkter Körper anschließend eine ruhige restliche erste Hälfte erlebte. Nun kamen wieder die Gäste, bei denen Hahn drei Minuten nach dem Treffer der Heimelf erneut erfolgreich war und das 1:5 erzielte. Paetzold eiferte seinem Offensivkollegen zwei Minuten später nach und traf ebenfalls das zweite Mal an diesem Tag. Auch Brecht reihte sich in die Garde der Doppeltorschützen ein, als er mit einem sehenswerten Kopfball nach einer Ecke von Hahn für die HSG erhöhte. Neustürmer Gleisner ließ dies nicht auf sich sitzen und schnürte eine Minute vor der Pause ebenfalls souverän den Doppelpack. Nachdem er im 1-gegen-1 zuvor am Schlussmann gescheitert war, schnappte er sich den zurückspringenden Ball und schob ein. Mit einem beeindruckenden 1:9 ging es also in die Halbzeit, und trotzdem war die Chancenverwertung der Gäste nicht optimal. So scheiterten sowohl Uteß als auch Goalgetter Hahn in faszinierender Weise mehr an sich selbst als am gegnerischen Goalie und schossen diesen bei ihren guten Abschlussmöglichkeiten stets an.

Die zweite Hälfte begann für Hahn mit der Belohnung seiner starken ersten 45 Minuten, indem er das erste Mal die sagenumwobene und Bierkästen einbringende Kapitänsbinde der HSG um den Arm tragen durfte. Stolz wie Bolle präsentierte er seinem Bruder jenes Stück Stoff, doch Robert Hahn mit seiner bereits zweimaligen Spielführererfahrung ließ das kalt. Der frisch von der Arbeit nach Steinhagen gebrauste Krüger, der nun in die Partie kam, tat es nun M. Hahn gleich und setzte das Leder kurz nach der Halbzeit anstatt in den Winkel auf den perplexen Schlussmann und diesem genau zwischen die Augen, wovon dieser sich anschließend erst einmal erholen musste. In der zweiten Halbzeit begeisterte Außenspieler Paetzold erneut mit seinen locker-lässigen Dribblings, die ihn gegen andere Gegenspieler als die sehr fairen Steinhagener wohl den ein oder anderen blutigen Fuß, Bänderriss oder Knochenbruch beschert hätte. In der 70. Minute belohnte sich Krüger für seine Need-for-Speed-ähnliche Autofahrt, als den Versuch Arvid Schmidts, eine direkte Ecke zu erzielen, unterband, indem er den Ball am langen Pfosten gediegen mit dem hinteren linken Stollen ins Tor kullern ließ. Als sieben mal sechzig Sekunden später Paetzold rechts durchbrach und vor Kohls querlegte, ballerte der inzwischen eingewechselte Nehls die Knitte unnachahmlich aus vier Metern zu seinem ersten HSG-Tor in die Maschen. Auch für ihn war es also ein geschichtsträchtiger Samstag.

Steinhagen fand auch in den zweiten 45 Minuten kaum Mittel gegen die HSG und musste zwei Minuten später den zweiten Gegentreffer durch Krüger hinnehmen. Am Ende zeigten die Gäste noch einmal ihre neu erworbene Standardstärke. Gleisner demonstrierte, wieso Cristiano Ronaldo vor seinem Wechsel zu Juventus Turin bei ihm Nachhilfe in Sachen Sprungkraft und Kopfballspiel genommen hatte, als er eine Ecke von Uteß in beeindruckender Manier einschädelte. Zwei Minuten vor Schluss setzte Tratz aus dem Mittelfeld zu einem seiner berüchtigten Sololäufe an und schloss im Fallen aus 25 Metern ab. Sein präziser Linksschuss schlug im linken Eck ein und bescherte der HSG somit das 1:14. Kurze Zeit später traf der heutige Spielertrainer Krebes, der sich kurz zuvor in Günter Netzer Manier selber eingewechselt hatte, in einer fast perfekten Kopie des 1:13 ebenfalls per Omme nach Ecke von Uteß. Wenig später beendete Schiedsrichter Robby Kullat die Begegnung, die 25 Zuschauer in den „Sportplatz an der Schule“ gezogen hatte. Letztere erweckte übrigens die Erinnerung an feinste DDR-Bildungsstätten, die Erich Honecker zu Lebzeiten stolz gemacht hätten.

Somit beendet die HSG die Vorbereitungsphase der Saison 2021/22 mit einem deutlichen Kantersieg, der trotzdem auch noch höher hätte ausfallen. Bei einem 15:1 sollte man sich aber nicht über zu wenig Tore beschweren. Das Team zeigte eine durchgehend konzentrierte und fußballerisch ansehnliche Leistung, die Hans Oldach in den höchsten Tönen schwärmen ließ. Vor allem das starke Pressing und das gute Kombinationsspiel waren ein entscheidender Faktor für das Torfestival. Ebenfalls glücklich zeigte sich Robert Hahn vom Bierministerium, konnte er doch einen zweistelligen Betrag an Kisten, unter anderem für die (Neu-) Torschützen Paetzold, Brecht und Nehls notieren. Neubomber „Niclas“ zeigte sich nach seinem starken Debüt mit drei Toren und vier eingebrockten Kästen demütig und brachte beim nachfolgenden Training direkt einen mit. Am 6. August beginnt nun die ernste Zeit des Jahres, um 19:30 empfangen die Hansestädter Landesklassegegner Kröslin zur ersten Runde des Lübzer-Pils-Cups.

An dieser Stelle sei nun auf den definitiv lesenswerten und amüsanten Liveticker zum Spiel aus der Feder des Tastaturvirtuosen Alexander Bogdain hingewiesen, der für diesen Zweck testweise von seinem Heimatverein Lok Eberswalde ausgeliehen wurde. Sein Gastspiel sorgte für HSG-interne Rufe nach einer festen Verpflichtung des auch am Glas starken Neu-Goethe. 


Der Liveticker ist hier zu finden: https://www.fussball.de/spiel/sv-steinhagen-hsg-uni-greifswald/-/spiel/02EMNUVTO4000000VS5489B4VVB933FB#!/section/course



HSG spielte mit: Reichel – Schmidt, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Henski, Lenz – Hahn, Tratz, Gleisner (aufgrund der wirren Berichterstattung von Fußball.de können leider keine Angaben zu den Einwechslungen gemacht werden, aber dem Leser sei versichert, dass alle Bankspieler, auch der Satzel, auf ihre Einsatzminuten gekommen sind)


Text: Robert Hahn


Kein dritter Sieg in Folge 

HSG unterliegt U19 des Greifswalder FC knapp


Nach den ersten beiden Testspielerfolgen „reiste“ die HSG am 17. Juli zum Auswärtsspiel auf den Westplatz des Volksstadions, auf dem man sich mit der A-Jugend des Greifswalder FC messen sollte. Diese hatte bereits die Männermannschaft von Traktor Kemnitz mit 7:1 abgefertigt und auch die zweite Mannschaft des Grimmener SV, in der kommenden Spielzeit auch Gegner der HSG, mit 4:1 besiegen können. Man war also gewarnt vor der spielerischen Qualität der Junioren und wollte dementsprechend auch defensiv erst einmal sicher stehen. Mit einigen Änderungen in der Startelf startete man in die Partie, so fehlte beispielsweise der ausschließlich in seiner Funktion als Kabinen-DJ vermisste Fabio Friedrich auf der Doppelsechs. Bei drückender Hitze, durch die der eine oder andere wohl bereits seine Anwesenheit auf dem Platz bereute, pfiff Schiedsrichter Pekruhl die Begegnung an.

Das Spiel begannen die Gäste direkt, wie man es sich nicht besser hätte vorstellen können. Nach einem weiten Ball von Würzner bolzte Linksaußen Krebes in der zweiten Spielminute einen seiner gefürchteten Kometen in den Sechzehner des GFC. Keeper Harang hatte beim Fangen der eigentlich ungefährlichen Flanke einige Probleme und konnte den Ball nur aus dem Strafraum befördern. Knobloch realisierte, dass der Torhüter nun sehr weit außerhalb seines Tores stand und setzte zum Schuss mit dem schwachen Linken an, der sonst eigentlich nur als Standbein taugt. Aus dem laut eigener Aussage eigentlich gewollten „Schlenzer unter die Latte“ wurde eine Bogenlampe von unbeschreiblicher Höhe und langsamer Geschwindigkeit, die ihren Weg nicht etwa über den Fangzaun, sondern tatsächlich ins gegnerische Gehäuse fand. Mit- sowie Gegenspieler reagierten auf dieses unerwartete Traumtor gleichermaßen mit einem Mix aus Verwunderung und Anerkennung. Die frühe Führung passte gut in den eigenen Spielplan, konnte man sich jetzt erst recht auf die eigene Defensive konzentrieren und dem Gegner das Spielfeld überlassen. Vom Einsatz her zeigte man eine gute Anfangsviertelstunde, Verteidiger Hahn versuchte in den ersten zehn Minuten, das vor dem Spiel angekündigte Dutzend an Grätschen direkt in die Tat umzusetzen und befand sich in dieser Zeit nahezu permanent im Tiefflug durch die gegnerischen Reihen, die davon sichtlich genervt waren. 

Nach 16 Minuten dann jedoch der Schock, als die bis dahin kaum gefährlichen Junioren einen Konter über die linke Seite blitzsauber zu Ende spielten und Philippen am langen Pfosten eiskalt zum Ausgleich vollstreckte. Nur sechs Minuten später fiel dann die Führung für den Gastgeber nach ähnlichem Prinzip, nach Ballverlust der HSG ging es schnell und zielstrebig Richtung Tor, Boldt tunnelte Sadik zum 2:1. Somit war innerhalb kurzer Zeit die komfortable Ausgangssituation für die HSG komplett gekippt und man lag nun hinten. Zwölf Minuten später setzte es den nächsten Schlag, als nach erfolgreichem Pressing der auffällige Dumrese unbedrängt aus der Distanz abzog. Sein platzierter Schuss landete am Pfosten, prallte jedoch vom Rücken von Sadik in dessen Tor ab. Dieser Rückstand sollte bis zur Halbzeit anhalten und war für die in grün gekleideten Recken besonders bitter, da man einige gute Chancen noch liegen ließ. So konnte weder Satzel noch Knobloch noch Paetzold eine dreißigsekündige Piek- und Stochersituation im gegnerischen Strafraum erfolgreich abschließen, da sich stets ein Abwehrbein fand, um den Schuss zu blocken. Kurz vor der Halbzeit scheiterte der aufgerückte Brecht mit seinem schwächeren Rechten am Schlussmann des GFC, als er nach einem ruhenden Ball aus kurzer Distanz zum Abschluss kam und genau auf diesen zielte. Mit einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis ging es nun also in die Pause.

Coach Schönfeld wechselte dreimal und brachte Tratz, Nehls und Athmani in die Partie. Letzterer stand nach drei Minuten direkt im Fokus. Uteß knüppelte einen Ball scharf nach vorne, den Satzel per Kopf zu seinem neuen Sturmkollegen verlängerte. Nun hieß es in bester Werner-Marnier „Doppelkopfball des gefürchteten Sturmduos“, denn Athmani legte die Kugel perfekt in den Lauf von Satzel zurück. Dieser schloss direkt und über den etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Harang hinweg ab, der nicht mehr entscheidend an den Ball kam, womit der alte Abstand von einem Tor wiederhergestellt war. Die HSG zeigte sich in der zweiten Hälfte defensiv sehr stabil, die wenigen Fernschüsse und brenzligen Situationen hielt und bereinigte Sadik souverän. Nach vorne war man weiterhin auch gefährlich, so scheiterte Athmani nach einer Ecke per Kopf am Gegenspieler, der den Ball für den chancenlosen Torhüter vor der Linie klärte. Weitere Situationen wurden, ähnlich wie auch so manche in der ersten Halbzeit, nicht gut ausgespielt, womit man weiterhin dem einen Tor Rückstand hinterherrannte. Die U19 versuchte sichtlich platt die knappe Führung noch über die Zeit zu retten. Sie schenkte der HSG noch zwei Freistöße kurz vor Schluss, von denen der letzte noch einmal besonders gefährlich wurde. Die Flanke von Krebes legte Krüger per Kopf quer zu Hahn, der jedoch einen halben Schritt zu weit vorne stand und den Ball nicht richtig erwischte. Es kam zu einer ähnlichen Situation wie in der ersten Halbzeit, stets wurden die Abschlüsse der Gäste irgendwie noch geblockt. Am Ende landete Krebes' Direktschuss aus der Distanz weit über dem Tor im Fangnetz. Direkt danach wurde die Partie beendet. An dieser Stelle gehen unsere besten Genesungswünsche raus an den Sportsfreund Schulze der Heimelf, der sich das Knie bei einem der gefürchteten Roulettes von Tratz verdrehte und anschließend ausgewechselt werden musste.

Somit endete das dritte Testspiel der HSG mit deren erster Niederlage der Saisonvorbereitung, über die man sich im Nachhinein aufgrund der einfachen Gegentore und der vergebenen Chancen etwas ärgern muss. Dennoch kann man viele positive Dinge mitnehmen, wie beispielsweise die defensive Stabilität und die guten spielerischen Ansätze, die in der Zukunft etwas effizienter in Tore umgewandelt werden müssten. Zum vierten Test geht es am 24. Juli nun für die Hansestädter nach Binz, wo man es mit der frisch formierten Männermannschaft der SG Insel Rügen zu tun bekommt. 


HSG spielte mit: 

Sadik – Hahn, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Schmidt (46. Tratz), Krebes (46. Nehls) – Krüger (46. Athmani) – Paetzold, Satzel


Text: Robert Hahn 



1:4 in Demmin - HSG gewinnt auch das zweite Testspiel


Am 10. Juli reiste die HSG aus Greifswald nach Demmin, wo sie das erste Spiel nach dem offiziellen Ende der Ära Langbecker bestritt. Der langjährige Spieler und Spielertrainer hatte sich eine Woche zuvor beim 12:0 Schützenfest gegen den Pelsiner SV verabschiedet, wobei er selber sogar nochmal einen Treffer erzielen konnte. In seine Fußstapfen tritt nun unter anderem Fabio Friedrich, der seinen lädierten Muskel durch die Behandlung mit mehreren, gegensätzlich wirkenden Salben und einer guten alten Ibuprofen auf das Spiel vorbereitete. (Es war übrigens seine allererste Schmerztablette, was tut man nicht alles, um bei einem 12-Mann-Kader in der Startelf zu stehen). 

Bei angenehmen 20 Grad und Sonnenschein ging es nun also gegen den Kreisoberligisten Demminer SV 91, von dem man nun etwas mehr Gegenwehr erwartete. Dabei musste die sonst in grün auflaufende HSG auf die ungewohnten, wenig benutzten und in geringer Stückzahl vorhandenen roten Auswärtstrikots ausweichen, da die Heimmannschaft diese Farbe bereits für sich beansprucht hatte. Diese erwischte auch einen guten Start und konnte mehrere brenzlige Situationen heraufbeschwören, ohne jedoch den entscheidenden Abschluss zu finden. Stets konnte die Situation von der hauseigenen Dreierkette, in der Jakob Würzner sein Debüt feierte, am Ende noch einen Fuß dazwischen kriegen. Völlig unerwartet fiel dann das Führungstor der HSG in der 14. Spielminute, als nach einer Ecke von Moritz Hahn Sebastian Satzel das Leder unbedrängt aus fünf Metern auf den Torwart köpfen durfte, der es nicht mehr abwehren konnte und so nur noch ins eigene Netz lenkte. Nach kurzer Verwirrung aufgrund der ruhig bleibenden Pfeife des Offiziellen Tobias Schoknecht bejubelte man die etwas überraschende Führung. Direkt nach Wiederanpfiff vergab die Heimmannschaft die Riesenmöglichkeit auf den schnellen Ausgleich, als ein Demminer Stürmer den Ball aus wenigen Metern nicht im halbleeren Tor unterbringen konnte.

In der Folge fing sich die HSG auch defensiv und versuchte, mit flachen Kombinationen nach vorne zu spielen. In der 40. Minute schloss Stürmer Moritz Hahn nach Steckpass des zweiten Neulings Lenz Paetzold aus spitzem Winkel ab. Den eigentlichen nicht ganz so gefährlichen Schuss ließ Heimkeeper Eggert jedoch passieren, wodurch die Hansestädter nun dank ihrer effektiven Chancenverwertung mit zwei Treffern in Front lag. Neben der plötzlichen Standardstärke zeigte man hier auch bereits Verbesserungen im Vergleich zu den letzten Spielzeiten. Mit dem neuen Ergebnis ging es auch in der Pause, den sich die HSG durch eine Leistungssteigerung vor allem im Defensivbereich auch mittlerweile verdiente.

In der zweiten Hälfte brachte Gästetrainer Schönfeld seinen einzigen Wechsler Boeck ins Spiel und stellte sein Team auf mehreren Positionen um. So rückte beispielweise Paetzold von seiner ursprünglichen Position als Spielmacher auf die linke Seite, von wo er sich deutlich aktiver zeigte. Mit starken Dribblings ließ er des Öfteren mehrere Gegenspieler stehen, nur die Schusstaste schien im entscheidenden Moment immer zu klemmen. Da die Gastgeber bis zur 64. Minute insgesamt sieben Mal wechselten, übernahm die HSG immer mehr die Kontrolle über das Spiel und konnte sich auch mehrere gute Chancen herausspielen. So setzte beispielsweise Moritz Hahn im Versuch, seinen zweiten Treffer zu erzielen, einen Lupfer aus 16 Metern über den Kasten.

In der 70. Minute belohnte er sich erneut für seine starke Leistung, indem er nach einer hübschen Kombination mit Zwillingsbruder Robert aufs Neue aus spitzem Winkel traf. Zwar wirkte auch dieser Schuss nicht unhaltbar, aber durch das brasilianische Flair, welches bei der Passstaffette der Brüder versprüht wurde, war wohl auch Neukeeper Stöwesand beeindruckt. Nur vier Minuten später rauschte ein Freistoß von Kapitän Uteß von halblinks quer durch den Strafraum an Freund und Feind vorbei ins lange Eck, somit führte die HSG unter den Augen der 50 Zuschauer mittlerweile mit 4:0. Demmin bäumte sich in der Schlussviertelstunde noch einmal auf und wollte für die Fans wenigstens noch den Ehrentreffer erzielen. Dies gelang, als in der 87. Minute ein Schuss von Bräuer aus der zweiten Reihe unhaltbar abgefälscht wurde und präzise im linken Eck einschlug. Kurz darauf beendete Schiedsrichter Schoknecht das Spiel. Eine besondere Ehre wurde vorher noch dem ehemaligen Hengste-Urgestein Arvid Schmidt zuteil, der nach einer zwischenzeitlichen Auswechslung für Uteß eingewechselt wurde und die Kapitänsbinde von diesem übernehmen durfte. Stolz wie Bolle zeigte er sich auch nach Abpfiff. Es war der Moment, wo „Goooch“ Schönfeld seine Entscheidung zu bereuen began mit dem Wissen, dass er sich das noch mehrere Monate anhören dürfe.

Somit endete auch das zweite Testspiel der neuen Saison erfolgreich für die HSG. Nach anfänglichen defensiven Problemen verbesserte man sich im Laufe des Spiels immer weiter und verdiente sich so auch die zwischenzeitliche Führung mit vier Toren Unterschied. Sieben Tage später geht es nun zurück ins Volksstadion, wo man auf dem Westplatz, den man selber sehr selten bespielt, auf die U19 des Greifswalder FC trifft. Man darf gespannt sein, wie man sich gegen diesen jungen Gegner schlagen wird.


HSG spielte mit: 

Reichel – Würzner, Uteß, Schmidt – Knobloch, Henski, Friedrich (46. Boeck), R. Hahn – Paetzold – Satzel, M. Hahn


Text: Robert Hahn