Spielberichte der Saison 2021 / 2022

Schützenfest in Steinhagen

HSG beendet Vorbereitung mit furiosem 15:1-Sieg


Zum letzten Test vor den Pflichtspielen ging es für die HSG am 30. Juli nach Steinhagen zum ortsansässigen Kreisligisten, bei dem mit Kapitän Nils Methling auch ein ehemaliger HSG-Halbprofi in der Startaufstellung stand. Nach dem Unentschieden in der Vorwoche gegen die SG Insel Rügen wollten die Hansestädter die Vorbereitung mit einem guten Ergebnis abschließen und starteten dementsprechend motiviert. Mit Gastspieler Niclas „Niclas“ Gleisner, der sein erstes Spiel für die HSG absolvierte, zeigte sich die Gästemannschaft von Anfang an stark im Pressing und gekonnt in den Kombinationen. Bereits in der fünften Minute ergab sich die erste Gelegenheit auf das 0:1, Rechtsaußen Knobloch scheiterte jedoch am rechten Außenpfosten. Vier Zeigerumdrehungen hatte Mittelstürmer Moritz Hahn die große Chance auf die Führung, seinen Lupfer alleine vor dem Torwart setzte er jedoch übers Tor. Sein selbst deklariertes Motto „Nur luppen“ hat somit weiterhin eine beeindruckende nullprozentige Erfolgsquote. Besser machte es in der zehnten Spielminute Nico Tratz, der einen Torwartfehler ausnutzte und den fallengelassenen Ball mit der Hacke durch die Beine des Keepers ins Netz schob. Dies sollte der Auftakt zu einer denkwürdigen und wahrscheinlich noch nie dagewesenen ersten Greifswalder Halbzeit sein. Nur 60 Sekunden später erhöhte Hahn auf 2:0, als er einen Steckpass erlief und souverän einschob. Vier Minuten später überwand Lenz Paetzold seine Ladehemmungen sowie Torhüter Kohls und erzielte sein erstes Tor für die HSG mit einem schönen Schlenzer aus der Distanz ins lange Eck. Dieses Mal ließ man der überforderten Heimelf, die mit dem hohen Anlaufen des Gegners nicht zurechtkam, sieben Minuten Pause bis zum nächsten Treffer. Brecht erzielte mit einem starken Abschluss schon sein zweites Tor in der Vorbereitung, da scheint der eigentliche Verteidiger wohl auf den Geschmack des Toreschießens gekommen zu sein. In der 23. Minute erzielte Gleisner nach einer auffälligen Anfangsphase nun sein erster Tor, als er nach einem Abschluss von Stürmerkollege Hahn richtig stand und eiskalt ins leere Gehäuse abstaubte. Ein Umstand, der nicht nur das Bierministerium erfreute. Generell sollte die Begegnung viele Kisten für die Mannschaftskasse der HSG bedeuten, später dazu mehr.

Der Torreigen wurde jedoch jäh unterbrochen, als nach einem Freistoß aus dem Halbfeld eine gut getretene Flanke in den Sechzehner der Gäste segelte und Ronny Witt den Anschlusstreffer aus dem absoluten Nichts erzielte. Bis dato hatte Steinhagen keinen Fuß in den gegnerischen Strafraum setzen können und war den Hansestädtern in allen Belangen gnadenlos unterlegen gewesen. Unmittelbar danach ergab sich sofort die Gelegenheit, den Rückstand weiter zu verkleinern. Bei einem vier gegen zwei Konter vergab man jedoch aus bester Position den zweiten Treffer. Glück für Schlussmann Reichel in dieser Situation, dessen mit Ibuprofen gestärkter Körper anschließend eine ruhige restliche erste Hälfte erlebte. Nun kamen wieder die Gäste, bei denen Hahn drei Minuten nach dem Treffer der Heimelf erneut erfolgreich war und das 1:5 erzielte. Paetzold eiferte seinem Offensivkollegen zwei Minuten später nach und traf ebenfalls das zweite Mal an diesem Tag. Auch Brecht reihte sich in die Garde der Doppeltorschützen ein, als er mit einem sehenswerten Kopfball nach einer Ecke von Hahn für die HSG erhöhte. Neustürmer Gleisner ließ dies nicht auf sich sitzen und schnürte eine Minute vor der Pause ebenfalls souverän den Doppelpack. Nachdem er im 1-gegen-1 zuvor am Schlussmann gescheitert war, schnappte er sich den zurückspringenden Ball und schob ein. Mit einem beeindruckenden 1:9 ging es also in die Halbzeit, und trotzdem war die Chancenverwertung der Gäste nicht optimal. So scheiterten sowohl Uteß als auch Goalgetter Hahn in faszinierender Weise mehr an sich selbst als am gegnerischen Goalie und schossen diesen bei ihren guten Abschlussmöglichkeiten stets an.

Die zweite Hälfte begann für Hahn mit der Belohnung seiner starken ersten 45 Minuten, indem er das erste Mal die sagenumwobene und Bierkästen einbringende Kapitänsbinde der HSG um den Arm tragen durfte. Stolz wie Bolle präsentierte er seinem Bruder jenes Stück Stoff, doch Robert Hahn mit seiner bereits zweimaligen Spielführererfahrung ließ das kalt. Der frisch von der Arbeit nach Steinhagen gebrauste Krüger, der nun in die Partie kam, tat es nun M. Hahn gleich und setzte das Leder kurz nach der Halbzeit anstatt in den Winkel auf den perplexen Schlussmann und diesem genau zwischen die Augen, wovon dieser sich anschließend erst einmal erholen musste. In der zweiten Halbzeit begeisterte Außenspieler Paetzold erneut mit seinen locker-lässigen Dribblings, die ihn gegen andere Gegenspieler als die sehr fairen Steinhagener wohl den ein oder anderen blutigen Fuß, Bänderriss oder Knochenbruch beschert hätte. In der 70. Minute belohnte sich Krüger für seine Need-for-Speed-ähnliche Autofahrt, als den Versuch Arvid Schmidts, eine direkte Ecke zu erzielen, unterband, indem er den Ball am langen Pfosten gediegen mit dem hinteren linken Stollen ins Tor kullern ließ. Als sieben mal sechzig Sekunden später Paetzold rechts durchbrach und vor Kohls querlegte, ballerte der inzwischen eingewechselte Nehls die Knitte unnachahmlich aus vier Metern zu seinem ersten HSG-Tor in die Maschen. Auch für ihn war es also ein geschichtsträchtiger Samstag.

Steinhagen fand auch in den zweiten 45 Minuten kaum Mittel gegen die HSG und musste zwei Minuten später den zweiten Gegentreffer durch Krüger hinnehmen. Am Ende zeigten die Gäste noch einmal ihre neu erworbene Standardstärke. Gleisner demonstrierte, wieso Cristiano Ronaldo vor seinem Wechsel zu Juventus Turin bei ihm Nachhilfe in Sachen Sprungkraft und Kopfballspiel genommen hatte, als er eine Ecke von Uteß in beeindruckender Manier einschädelte. Zwei Minuten vor Schluss setzte Tratz aus dem Mittelfeld zu einem seiner berüchtigten Sololäufe an und schloss im Fallen aus 25 Metern ab. Sein präziser Linksschuss schlug im linken Eck ein und bescherte der HSG somit das 1:14. Kurze Zeit später traf der heutige Spielertrainer Krebes, der sich kurz zuvor in Günter Netzer Manier selber eingewechselt hatte, in einer fast perfekten Kopie des 1:13 ebenfalls per Omme nach Ecke von Uteß. Wenig später beendete Schiedsrichter Robby Kullat die Begegnung, die 25 Zuschauer in den „Sportplatz an der Schule“ gezogen hatte. Letztere erweckte übrigens die Erinnerung an feinste DDR-Bildungsstätten, die Erich Honecker zu Lebzeiten stolz gemacht hätten.

Somit beendet die HSG die Vorbereitungsphase der Saison 2021/22 mit einem deutlichen Kantersieg, der trotzdem auch noch höher hätte ausfallen. Bei einem 15:1 sollte man sich aber nicht über zu wenig Tore beschweren. Das Team zeigte eine durchgehend konzentrierte und fußballerisch ansehnliche Leistung, die Hans Oldach in den höchsten Tönen schwärmen ließ. Vor allem das starke Pressing und das gute Kombinationsspiel waren ein entscheidender Faktor für das Torfestival. Ebenfalls glücklich zeigte sich Robert Hahn vom Bierministerium, konnte er doch einen zweistelligen Betrag an Kisten, unter anderem für die (Neu-) Torschützen Paetzold, Brecht und Nehls notieren. Neubomber „Niclas“ zeigte sich nach seinem starken Debüt mit drei Toren und vier eingebrockten Kästen demütig und brachte beim nachfolgenden Training direkt einen mit. Am 6. August beginnt nun die ernste Zeit des Jahres, um 19:30 empfangen die Hansestädter Landesklassegegner Kröslin zur ersten Runde des Lübzer-Pils-Cups.

An dieser Stelle sei nun auf den definitiv lesenswerten und amüsanten Liveticker zum Spiel aus der Feder des Tastaturvirtuosen Alexander Bogdain hingewiesen, der für diesen Zweck testweise von seinem Heimatverein Lok Eberswalde ausgeliehen wurde. Sein Gastspiel sorgte für HSG-interne Rufe nach einer festen Verpflichtung des auch am Glas starken Neu-Goethe. 


Der Liveticker ist hier zu finden: https://www.fussball.de/spiel/sv-steinhagen-hsg-uni-greifswald/-/spiel/02EMNUVTO4000000VS5489B4VVB933FB#!/section/course



HSG spielte mit: Reichel – Schmidt, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Henski, Lenz – Hahn, Tratz, Gleisner (aufgrund der wirren Berichterstattung von Fußball.de können leider keine Angaben zu den Einwechslungen gemacht werden, aber dem Leser sei versichert, dass alle Bankspieler, auch der Satzel, auf ihre Einsatzminuten gekommen sind)


Text: Robert Hahn


Kein dritter Sieg in Folge 

HSG unterliegt U19 des Greifswalder FC knapp


Nach den ersten beiden Testspielerfolgen „reiste“ die HSG am 17. Juli zum Auswärtsspiel auf den Westplatz des Volksstadions, auf dem man sich mit der A-Jugend des Greifswalder FC messen sollte. Diese hatte bereits die Männermannschaft von Traktor Kemnitz mit 7:1 abgefertigt und auch die zweite Mannschaft des Grimmener SV, in der kommenden Spielzeit auch Gegner der HSG, mit 4:1 besiegen können. Man war also gewarnt vor der spielerischen Qualität der Junioren und wollte dementsprechend auch defensiv erst einmal sicher stehen. Mit einigen Änderungen in der Startelf startete man in die Partie, so fehlte beispielsweise der ausschließlich in seiner Funktion als Kabinen-DJ vermisste Fabio Friedrich auf der Doppelsechs. Bei drückender Hitze, durch die der eine oder andere wohl bereits seine Anwesenheit auf dem Platz bereute, pfiff Schiedsrichter Pekruhl die Begegnung an.

Das Spiel begannen die Gäste direkt, wie man es sich nicht besser hätte vorstellen können. Nach einem weiten Ball von Würzner bolzte Linksaußen Krebes in der zweiten Spielminute einen seiner gefürchteten Kometen in den Sechzehner des GFC. Keeper Harang hatte beim Fangen der eigentlich ungefährlichen Flanke einige Probleme und konnte den Ball nur aus dem Strafraum befördern. Knobloch realisierte, dass der Torhüter nun sehr weit außerhalb seines Tores stand und setzte zum Schuss mit dem schwachen Linken an, der sonst eigentlich nur als Standbein taugt. Aus dem laut eigener Aussage eigentlich gewollten „Schlenzer unter die Latte“ wurde eine Bogenlampe von unbeschreiblicher Höhe und langsamer Geschwindigkeit, die ihren Weg nicht etwa über den Fangzaun, sondern tatsächlich ins gegnerische Gehäuse fand. Mit- sowie Gegenspieler reagierten auf dieses unerwartete Traumtor gleichermaßen mit einem Mix aus Verwunderung und Anerkennung. Die frühe Führung passte gut in den eigenen Spielplan, konnte man sich jetzt erst recht auf die eigene Defensive konzentrieren und dem Gegner das Spielfeld überlassen. Vom Einsatz her zeigte man eine gute Anfangsviertelstunde, Verteidiger Hahn versuchte in den ersten zehn Minuten, das vor dem Spiel angekündigte Dutzend an Grätschen direkt in die Tat umzusetzen und befand sich in dieser Zeit nahezu permanent im Tiefflug durch die gegnerischen Reihen, die davon sichtlich genervt waren. 

Nach 16 Minuten dann jedoch der Schock, als die bis dahin kaum gefährlichen Junioren einen Konter über die linke Seite blitzsauber zu Ende spielten und Philippen am langen Pfosten eiskalt zum Ausgleich vollstreckte. Nur sechs Minuten später fiel dann die Führung für den Gastgeber nach ähnlichem Prinzip, nach Ballverlust der HSG ging es schnell und zielstrebig Richtung Tor, Boldt tunnelte Sadik zum 2:1. Somit war innerhalb kurzer Zeit die komfortable Ausgangssituation für die HSG komplett gekippt und man lag nun hinten. Zwölf Minuten später setzte es den nächsten Schlag, als nach erfolgreichem Pressing der auffällige Dumrese unbedrängt aus der Distanz abzog. Sein platzierter Schuss landete am Pfosten, prallte jedoch vom Rücken von Sadik in dessen Tor ab. Dieser Rückstand sollte bis zur Halbzeit anhalten und war für die in grün gekleideten Recken besonders bitter, da man einige gute Chancen noch liegen ließ. So konnte weder Satzel noch Knobloch noch Paetzold eine dreißigsekündige Piek- und Stochersituation im gegnerischen Strafraum erfolgreich abschließen, da sich stets ein Abwehrbein fand, um den Schuss zu blocken. Kurz vor der Halbzeit scheiterte der aufgerückte Brecht mit seinem schwächeren Rechten am Schlussmann des GFC, als er nach einem ruhenden Ball aus kurzer Distanz zum Abschluss kam und genau auf diesen zielte. Mit einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis ging es nun also in die Pause.

Coach Schönfeld wechselte dreimal und brachte Tratz, Nehls und Athmani in die Partie. Letzterer stand nach drei Minuten direkt im Fokus. Uteß knüppelte einen Ball scharf nach vorne, den Satzel per Kopf zu seinem neuen Sturmkollegen verlängerte. Nun hieß es in bester Werner-Marnier „Doppelkopfball des gefürchteten Sturmduos“, denn Athmani legte die Kugel perfekt in den Lauf von Satzel zurück. Dieser schloss direkt und über den etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Harang hinweg ab, der nicht mehr entscheidend an den Ball kam, womit der alte Abstand von einem Tor wiederhergestellt war. Die HSG zeigte sich in der zweiten Hälfte defensiv sehr stabil, die wenigen Fernschüsse und brenzligen Situationen hielt und bereinigte Sadik souverän. Nach vorne war man weiterhin auch gefährlich, so scheiterte Athmani nach einer Ecke per Kopf am Gegenspieler, der den Ball für den chancenlosen Torhüter vor der Linie klärte. Weitere Situationen wurden, ähnlich wie auch so manche in der ersten Halbzeit, nicht gut ausgespielt, womit man weiterhin dem einen Tor Rückstand hinterherrannte. Die U19 versuchte sichtlich platt die knappe Führung noch über die Zeit zu retten. Sie schenkte der HSG noch zwei Freistöße kurz vor Schluss, von denen der letzte noch einmal besonders gefährlich wurde. Die Flanke von Krebes legte Krüger per Kopf quer zu Hahn, der jedoch einen halben Schritt zu weit vorne stand und den Ball nicht richtig erwischte. Es kam zu einer ähnlichen Situation wie in der ersten Halbzeit, stets wurden die Abschlüsse der Gäste irgendwie noch geblockt. Am Ende landete Krebes' Direktschuss aus der Distanz weit über dem Tor im Fangnetz. Direkt danach wurde die Partie beendet. An dieser Stelle gehen unsere besten Genesungswünsche raus an den Sportsfreund Schulze der Heimelf, der sich das Knie bei einem der gefürchteten Roulettes von Tratz verdrehte und anschließend ausgewechselt werden musste.

Somit endete das dritte Testspiel der HSG mit deren erster Niederlage der Saisonvorbereitung, über die man sich im Nachhinein aufgrund der einfachen Gegentore und der vergebenen Chancen etwas ärgern muss. Dennoch kann man viele positive Dinge mitnehmen, wie beispielsweise die defensive Stabilität und die guten spielerischen Ansätze, die in der Zukunft etwas effizienter in Tore umgewandelt werden müssten. Zum vierten Test geht es am 24. Juli nun für die Hansestädter nach Binz, wo man es mit der frisch formierten Männermannschaft der SG Insel Rügen zu tun bekommt. 


HSG spielte mit: 

Sadik – Hahn, Würzner, Brecht – Knobloch, Uteß, Schmidt (46. Tratz), Krebes (46. Nehls) – Krüger (46. Athmani) – Paetzold, Satzel


Text: Robert Hahn 



1:4 in Demmin - HSG gewinnt auch das zweite Testspiel


Am 10. Juli reiste die HSG aus Greifswald nach Demmin, wo sie das erste Spiel nach dem offiziellen Ende der Ära Langbecker bestritt. Der langjährige Spieler und Spielertrainer hatte sich eine Woche zuvor beim 12:0 Schützenfest gegen den Pelsiner SV verabschiedet, wobei er selber sogar nochmal einen Treffer erzielen konnte. In seine Fußstapfen tritt nun unter anderem Fabio Friedrich, der seinen lädierten Muskel durch die Behandlung mit mehreren, gegensätzlich wirkenden Salben und einer guten alten Ibuprofen auf das Spiel vorbereitete. (Es war übrigens seine allererste Schmerztablette, was tut man nicht alles, um bei einem 12-Mann-Kader in der Startelf zu stehen). 

Bei angenehmen 20 Grad und Sonnenschein ging es nun also gegen den Kreisoberligisten Demminer SV 91, von dem man nun etwas mehr Gegenwehr erwartete. Dabei musste die sonst in grün auflaufende HSG auf die ungewohnten, wenig benutzten und in geringer Stückzahl vorhandenen roten Auswärtstrikots ausweichen, da die Heimmannschaft diese Farbe bereits für sich beansprucht hatte. Diese erwischte auch einen guten Start und konnte mehrere brenzlige Situationen heraufbeschwören, ohne jedoch den entscheidenden Abschluss zu finden. Stets konnte die Situation von der hauseigenen Dreierkette, in der Jakob Würzner sein Debüt feierte, am Ende noch einen Fuß dazwischen kriegen. Völlig unerwartet fiel dann das Führungstor der HSG in der 14. Spielminute, als nach einer Ecke von Moritz Hahn Sebastian Satzel das Leder unbedrängt aus fünf Metern auf den Torwart köpfen durfte, der es nicht mehr abwehren konnte und so nur noch ins eigene Netz lenkte. Nach kurzer Verwirrung aufgrund der ruhig bleibenden Pfeife des Offiziellen Tobias Schoknecht bejubelte man die etwas überraschende Führung. Direkt nach Wiederanpfiff vergab die Heimmannschaft die Riesenmöglichkeit auf den schnellen Ausgleich, als ein Demminer Stürmer den Ball aus wenigen Metern nicht im halbleeren Tor unterbringen konnte.

In der Folge fing sich die HSG auch defensiv und versuchte, mit flachen Kombinationen nach vorne zu spielen. In der 40. Minute schloss Stürmer Moritz Hahn nach Steckpass des zweiten Neulings Lenz Paetzold aus spitzem Winkel ab. Den eigentlichen nicht ganz so gefährlichen Schuss ließ Heimkeeper Eggert jedoch passieren, wodurch die Hansestädter nun dank ihrer effektiven Chancenverwertung mit zwei Treffern in Front lag. Neben der plötzlichen Standardstärke zeigte man hier auch bereits Verbesserungen im Vergleich zu den letzten Spielzeiten. Mit dem neuen Ergebnis ging es auch in der Pause, den sich die HSG durch eine Leistungssteigerung vor allem im Defensivbereich auch mittlerweile verdiente.

In der zweiten Hälfte brachte Gästetrainer Schönfeld seinen einzigen Wechsler Boeck ins Spiel und stellte sein Team auf mehreren Positionen um. So rückte beispielweise Paetzold von seiner ursprünglichen Position als Spielmacher auf die linke Seite, von wo er sich deutlich aktiver zeigte. Mit starken Dribblings ließ er des Öfteren mehrere Gegenspieler stehen, nur die Schusstaste schien im entscheidenden Moment immer zu klemmen. Da die Gastgeber bis zur 64. Minute insgesamt sieben Mal wechselten, übernahm die HSG immer mehr die Kontrolle über das Spiel und konnte sich auch mehrere gute Chancen herausspielen. So setzte beispielsweise Moritz Hahn im Versuch, seinen zweiten Treffer zu erzielen, einen Lupfer aus 16 Metern über den Kasten.

In der 70. Minute belohnte er sich erneut für seine starke Leistung, indem er nach einer hübschen Kombination mit Zwillingsbruder Robert aufs Neue aus spitzem Winkel traf. Zwar wirkte auch dieser Schuss nicht unhaltbar, aber durch das brasilianische Flair, welches bei der Passstaffette der Brüder versprüht wurde, war wohl auch Neukeeper Stöwesand beeindruckt. Nur vier Minuten später rauschte ein Freistoß von Kapitän Uteß von halblinks quer durch den Strafraum an Freund und Feind vorbei ins lange Eck, somit führte die HSG unter den Augen der 50 Zuschauer mittlerweile mit 4:0. Demmin bäumte sich in der Schlussviertelstunde noch einmal auf und wollte für die Fans wenigstens noch den Ehrentreffer erzielen. Dies gelang, als in der 87. Minute ein Schuss von Bräuer aus der zweiten Reihe unhaltbar abgefälscht wurde und präzise im linken Eck einschlug. Kurz darauf beendete Schiedsrichter Schoknecht das Spiel. Eine besondere Ehre wurde vorher noch dem ehemaligen Hengste-Urgestein Arvid Schmidt zuteil, der nach einer zwischenzeitlichen Auswechslung für Uteß eingewechselt wurde und die Kapitänsbinde von diesem übernehmen durfte. Stolz wie Bolle zeigte er sich auch nach Abpfiff. Es war der Moment, wo „Goooch“ Schönfeld seine Entscheidung zu bereuen began mit dem Wissen, dass er sich das noch mehrere Monate anhören dürfe.

Somit endete auch das zweite Testspiel der neuen Saison erfolgreich für die HSG. Nach anfänglichen defensiven Problemen verbesserte man sich im Laufe des Spiels immer weiter und verdiente sich so auch die zwischenzeitliche Führung mit vier Toren Unterschied. Sieben Tage später geht es nun zurück ins Volksstadion, wo man auf dem Westplatz, den man selber sehr selten bespielt, auf die U19 des Greifswalder FC trifft. Man darf gespannt sein, wie man sich gegen diesen jungen Gegner schlagen wird.


HSG spielte mit: 

Reichel – Würzner, Uteß, Schmidt – Knobloch, Henski, Friedrich (46. Boeck), R. Hahn – Paetzold – Satzel, M. Hahn


Text: Robert Hahn